Verband entzieht Mancini die Lizenz

Nach dem Verbreiten von rechtsradikalem Gedankengut schliesst Swiss Athletics den Sprinter von der EM aus und streicht ihn von der Liste der Lizenzierten.

Kein Trip nach Berlin: Sprinter Pascal Mancini wird aus dem Schweizer Kader gestrichen. (5. Juli 2018)

Kein Trip nach Berlin: Sprinter Pascal Mancini wird aus dem Schweizer Kader gestrichen. (5. Juli 2018) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Der zehnköpfige Zentralvorstand von Swiss Athletics hat am späten Dienstagabend entschieden: Er wird gegen den Sprinter Pascal Mancini ein Disziplinarverfahren eröffnen und ihm mit sofortiger Wirkung die Lizenz entziehen. Damit ist der Fribourger auch von der EM ausgeschlossen.

Mancini hat wiederholt gegen eine Vereinbarung mit dem Verband verstossen, die der 29-Jährige zusätzlich zum Verhaltenskodex unterschreiben musste und die immer wieder Gegenstand von Diskussionen war. In der Vereinbarung festgehalten war, dass er sich auf seiner öffentlichen Facebook-Fansite nicht politisch äussern darf. Daran hat sich Mancini nicht gehalten. Er verbreitete nicht nur auf seiner privaten Fansite rechtsradikales Gedankengut, er tat es auch auf seinem zweiten Account. Recherchen der NZZ ergaben, dass er im vergangenen halben Jahr zweimal Zitate eines Offiziers der Waffen-SS, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum prominenten Neonazi wurde, gepostet hatte.

Nicht tragbar für das Team

Mancini war am Sonntag als Einzel- und Staffelläufer festgelegt worden, die Situation nach einem Rückkommensantrag der Geschäftsleitung aber neu beurteilt worden. Staffeltrainer Andreas Kundert wie auch die Staffelmitglieder befürchteten zu viel Unruhe und zu wenig Konzentration bezüglich des EM-Starts – also wurde Mancini nicht aufgeboten für den Team-Wettkampf.

Nach Bekanntwerden des Missbrauchs der öffentlichen Facebook-Seite, befasste sich nicht mehr der Selektionsausschuss, sondern der Zentralvorstand des Verbandes mit dem Fall. Und kam nun zum Schluss, dass Mancinis Verhalten nicht tolerierbar und er für das EM-Team nicht tragbar sei.

Bereits früher aufgefallen

Swiss Athletics hatte bereits einige Erfahrung mit Mancini in juristischen Angelegenheiten. Bereits an den Schweizer Meisterschaften 2014 und der EM im gleichen Jahr war Mancini mit nationalistischen Gesten aufgefallen. Nach diesen Vorfällen musste er nach Vorliegen eines Urteils des Verbandsschiedsgerichts Ende 2016 die Vereinbarung unterschreiben.

Für seinen Ausschluss macht der Athlet die Medien verantwortlich. Ebenfalls auf Facebook schrieb er unter anderem: «Eine Chance weniger für das Schweizer Team auf eine Medaille. Aber ich bin nicht überrascht, was mir passiert ist. Ich wusste immer, dass ich das Unattackierbare attackiere. Ich suche keine Konfrontation, aber ich habe keine Angst davor. Sie werden nie das brennende Feuer der Wahrheit auslöschen, das in mir brennt.»

In einem Interview mit der NZZ hatte sich Mancini am Dienstagnachmittag noch dagegen verwahrt, ausländerfeindlich zu sein. Angeblich will er nicht gewusst haben, wen er auf seiner Fansite zitierte. Zudem sagte er: «Wäre ich ein Rassist, würde ich es sagen.» Fehler habe er keine gemacht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2018, 23:03 Uhr

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