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US-Olympiasiegerin jahrelang missbraucht

Ein Gesichtsausdruck sorgte vor fünf Jahren für einen Hype um McKayla Maroney. Jetzt ist sie wieder in den Schlagzeilen – wegen eines traurigen Geständnisses.

Gewann 2012 Silber und Gold: McKayla Maroney.
Gewann 2012 Silber und Gold: McKayla Maroney.
Reuters

«Me Too.» Ich auch. Unter diesem Hashtag melden sich aktuell Millionen Frauen weltweit in sozialen Medien, um eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung zu teilen. Damit soll aufgezeigt werden, wie verbreitet diese ist – und andere Frauen sollen dazu ermutigt werden, ebenfalls darüber zu sprechen.

Diese Aktion veranlasst nun auch McKayla Maroney, über ihre Erfahrung zu sprechen. Die ehemalige Kunstturnerin entfachte 2012 einen Hype, weil sie bei der Siegerehrung nach dem Gewinn ihrer Olympia-Silbermedaille mit zusammengekniffenem Mund dastand – es entstand der Hashtag «McKayla is not impressed» (Übers.: McKayla ist nicht beeindruckt). Nun sorgt Maroney wieder für Aufsehen auf Twitter, dieses Mal bei #MeToo. «Die Worte von allen in den vergangenen Tagen waren so inspirierend für mich. Ich weiss, wie schwierig es ist, über so etwas Grässliches und Persönliches zu sprechen. Weil es mir auch passiert ist», beginnt sie ihr Statement, das innert neun Stunden mehr als 13'000 Mal geliked wurde.

In ihrem offenen Brief erzählt Maroney von sexuellem Missbrauch des damaligen US-Teamarztes Dr. Larry Nassar: «Es begann, als ich 13 Jahre alt war, in einem meiner ersten Trainingscamps mit dem Nationalteam und dauerte, bis ich mit Sport aufgehört habe.» Nasser sprach von einer «medizinisch notwendigen Behandlung, die seit mehr als 30 Jahren erfolgreich an Patientinnen angewendet wird».

Spezifischer ging Maroney in ihrer Mitteilung nicht darauf ein, allerdings ist Nasser bereits wegen Kindesmissbrauchs angeklagt – ehemalige Kunstturnerinnen hatten den Arzt Anfang Jahr schwer belastet. Olympia-Bronzemedaille-Gewinnerin von 2000, Jamie Danztscher, erklärte Nassars Praktik so: «Ich hatte starke Rückenschmerzen, ging daher zu Larry. Er steckte seine Finger in meine Vagina, bewegte meine Beine und sagte mir, dass es gleich ein Knacken geben würde.» Danztscher war damals 13-jährig, betrachtete Nassar als Vertrauensperson: «Ich hatte keine Ahnung, was er tat.»

Nassar, von 1995 bis 2015 für den US-amerikanischen Turnverband tätig, droht eine lebenslange Haft. Die Polizei beschlagnahmte bei ihm zu Hause 37'000 Bilder und Videos, die auf kinderpornografische Inhalte hinweisen. Dazu kommen bisher 22 Anzeigen wegen sexueller Belästigung.

Die furchteinflössende Nacht

Maroney schreibt weiter, dass Nassar keine Gelegenheit ausgelassen habe, sie zu «behandeln». Unter anderem auch in London 2012, vor dem Gewinn der Silbermedaille und vor dem Gewinn von Team-Gold. Ausserdem erzählt die 21-Jährige von der furchteinflössendsten Nacht ihres Lebens: «Er gab mir für den Flug eine Schlaftablette. Als nächstes erinnere ich mich, dass ich in seinem Hotelzimmer aufwachte und er mich gerade ‹behandelte›. Ich dachte in dieser Nacht, ich müsse sterben.» Maroney war damals 15.

Die Kalifornierin erwähnt, dass die Olympischen Spiele den Leuten Freude und Hoffnung bringen sollen. Als sie achtjährig war, verfolgte sie die olympischen Wettkämpfe am TV: «Von diesem Moment an träumte ich, eines Tages in Rot, Weiss, Blau mein Land zu vertreten. Für Aussenstehende ist es eine schöne Geschichte, ich habe es geschafft. Aber nicht, ohne einen Preis dafür bezahlen zu müssen.»

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