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Tochter spielt gegen Klub des Vaters

Kristel Marbach spielt seit dieser Saison bei Volley Köniz. Ihr Vater ist Präsident beim sonntäglichen Gegner FKB Volley Düdingen. Vor dem Spiel ist ein gemeinsames Mittagessen im Elternhaus angesagt.

Einen Sonntagsbraten wird es übermorgen bei Marbachs kaum geben. Der würde Kristel Marbach, die um 16 Uhr mit ihrem Klub einen Ernstkampf bestreitet, wohl ein bisschen zu schwer aufliegen. Irgendetwas Leckeres werde ihre Mutter aber bestimmt auftischen, sagt die Düdingerin. Sie freut sich auf das Mittagessen im Kreise ihrer Familie. das Gesprächsthema dürfte gegeben sein: Das am gleichen Nachmittag stattfindende Spiel zwischen Köniz und Düdingen (16 Uhr, Oberstufenzentrum Köniz). Dieses ist insofern speziell, als Kristel Marbach gegen den Klub antritt, bei dem sie das Volley-ABC erlernte und der von ihrem Vater präsidiert wird. Nervös machen lässt sich die 21-jährige Nationalspielerin deswegen nicht. Sie habe schon zum Meisterschaftsauftakt und in der letzten Saison mit ihrem damaligen Verein VBC Cheseaux gegen ihren Stammverein Düdingen gespielt, sagt sie.

«Eine starke Persönlichkeit»

Christian Marbach kann sich auch nicht vorstellen, dass sich seine Tochter wegen der nicht ganz alltäglichen Konstellation aus dem Konzept bringen lässt. «Sie ist eine starke Persönlichkeit, die genau weiss, was sie will», sagt der ehemalige NLB-Spieler. Das sei nicht immer so gewesen, gibt die Angesprochene zu bedenken. Als es bei Cheseaux sportlich nicht rundlief, sei sie ins Zweifeln gekommen, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen habe. Kristel Marbach überlegte, im Volleyball kürzerzutreten und sich stattdessen intensiver ihrem Studium in Sozialwissenschaften zu widmen. Sie führte auch längere Gespräche mit ihrem Vater, der ihr nach eigenem Bekunden gerne mit Rat zur Seite steht, sich aber nicht als ihr persönlicher Berater sieht. Je älter sie werde, desto mehr höre sie auf ihren Vater, lässt Kristel Marbach durchblicken.

Irgendwann im letzten Winter reifte bei der Nationalspielerin der Entscheid, «nochmals voll anzugreifen». Sie wechselte auf diese Saison hin zu Volley Köniz, wo sie das Umfeld vorfand, das ihr behagt. «Betreuung, Infrastruktur, Trainer, Mitspielerinnen – alles ist sehr professionell», schwärmt die Passeuse. Das Wohlbefinden erleichtert es der Studentin, dreimal bereits morgens um 8 Uhr im Kraftraum anzutraben, weil sie danach an die Uni muss. Ohnehin ist der Trainingsbetrieb bei Köniz einiges zeitintensiver als bei Cheseaux und Franches-Montagnes. Kristel Marbach sagt, sie nehme den grossen Aufwand gerne in Kauf. Ihr Fernziel ist die EM 2013 in der Schweiz, bei der sie unbedingt dabei sein will. Ihr Vater traut ihr zu, an diesem Turnier eine wichtige Rolle zu spielen im Nationalteam, «sofern sie im körperlichen Bereich noch zulegen kann».

Mit 16 Jahren in den Jura

Die EM wäre die Krönung einer Karriere, die relativ spät lanciert wurde. 12-jährig war Kristel Marbach bereits, als sie erstmals für die Mini C des FKB Düdingen spielte, die damals von ihrer Mutter Florence betreut wurden. Danach ging es zügig vorwärts: Nach nur einem Jahr war sie bereits in der Freiburger Auswahl (SAR Freiburg). Mit 16 wagte sie den Schritt in die Fremde: Sie zog nach Saignelégier, um bei Franches-Montagnes in der Nationalliga A spielen zu können. Die ersten Monate seien «nicht einfach gewesen», sagt Kristel Marbach rückblickend. Als «Bilingue» sei sie wohl des Französischen mächtig gewesen. Doch der Besuch des französischsprachigen Gymnasiums in La Chaux-de-Fonds sei «eine echte Herausforderung» gewesen. Die Gastfamilie und die Klubverantwortlichen erleichterten der Freiburgerin die Integration in den Freibergen. «Ich wurde von einigen Leuten sehr gut umsorgt.»

Kristel Marbach lernte im Jura, auf eigenen Füssen zu stehen. Deshalb zögerte sie auch nicht allzu lange, als sie 2008 ein Angebot von Cheseaux erhielt. Allerdings lief es dann beim Waadtländer Verein nicht so, wie sich das die ehrgeizige Sportlerin vorgestellt hatte. Sie kam kaum einmal zum Spielen; entsprechend gross war der Frust – und damit verbunden bald einmal die Lust, weiterzuziehen. Die Reise führte sie zurück in die Deutschschweiz – zu Volley Köniz. Mit dem ambitionierten Berner Vorortsklub strebt Kristel Marbach nach höheren Weihen als dem Vizemeistertitel, den sie 2005 mit Franches-Montagnes gewonnen hat und der ihr bisher grösster Erfolg auf nationalem Parkett ist.

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