Super Bowl der Rekorde

Die Pittsburgh Steelers mit Quarterback Ben Roethlisberger und die Green Bay Packers ermitteln am Sonntag in Arlington im US-Bundesstaat Texas den Gewinner der 45. Super Bowl.

Perückenspass: Steelers Verteidiger Brett Keisel mit einer haarigen Hommage an seinen Teamkollegen Troy Polamalu.

Perückenspass: Steelers Verteidiger Brett Keisel mit einer haarigen Hommage an seinen Teamkollegen Troy Polamalu.

(Bild: Keystone)

Im Stadion der Dallas Cowboys wird mit einem Zuschauerrekord von 105'000 Besuchern gerechnet. Das Schweizer Sportfernsehen überträgt das Spektakel am Sonntag ab Mitternacht live.

Zu den 95'000 Besuchern im Stadion kommen 5000 Mitarbeiter und Medienvertreter, weitere 5000 Menschen werden das Spiel ausserhalb des Stadions auf einer grossen Videoleinwand verfolgen. Der Billettpreis für das Public Viewing beträgt schon 200 Dollar. Der Zuschauerrekord liegt bei 103'985 aus dem Jahr 1980. Damals hatten die Pittsburgh Steelers im kalifornischen Pasadena die Los Angeles Rams besiegt.

Ben Roethlisberger hat mit dem sechsfachen Champion Pittsburgh 2006 und 2009 triumphiert. Der Hüne (1,96 m/110 kg) baute seine Position als erfolgreichster NFL-Spielmacher der Gegenwart in den Playoffs auf nunmehr 10:2 Siege aus. Die Steelers müssen für den Gewinn einer 7. Super Bowl die bisher überzeugendste Mannschaft der Playoffs, die Green Bay Packers, besiegen. Dabei hatten die Packers die Regular Season bloss als Conference-Sechste beendet.

Erst mit Siegen in den letzten zwei Qualifikationsspielen hatten sich die Packers gerade noch in die Wildcard-Playoffspiele retten können. Seit Einführung der neuen Playoff-Formel mit zwölf Teams (1990) hat noch kein Team aus der National Football Conference die Titelausmarchung mit einer derart schlechten Ausgangslage erreicht. Das Team um Star-Quarterback Aaron Rodgers ist heiss auf den Titel.

Denn Green Bay steht erstmals seit 1997 wieder im Final und hat die Chance, zum vierten Mal die Vince-Lombardi-Trophy nach Hause zu bringen, die nach dem einstigen Packers-Coach benannt ist. Unter Lombardi hatte Green Bay 1967 und 1968 die ersten beiden Super Bowls gewonnen.

Roethlisbergers Befreiungsschlag

Ben Roethlisberger, der Quarterback von Pittsburgh mit Emmentaler Wurzeln, meisterte in der bisherigen Saison einen beschwerlichen Comeback-Weg. NFL-Commissioner Roger Goodell hatte Ben Roethlisberger für die ersten vier Spiele der neuen Saison suspendiert, weil er gegen die Verhaltensrichtlinien der NFL verstossen habe. Goddell ordnete an, dass sich Roethlisberger einer umfassenden Untersuchung seiner Verhaltensmuster unterziehen muss, wenn er wieder in der NFL spielen wolle.

Der Grund: Eine 20-jährige Frau aus Georgia hatte Roethlisberger der Vergewaltigung auf einer Bar-Toilette bezichtigt. Es muss viel Alkohol im Spiel gewesen sein. Dass am Ende der Ermittlungen wegen eines unzureichenden DNA-Beweises keine Anklage gegen Roethlisberger erhoben wurde, schützte ihn vor einem Gerichtsverfahren, nicht aber vor den Konsequenzen durch Goodell. 2009 war Roethlisberger schon einmal beschuldigt worden, eine Frau sexuell genötigt zu haben. Der Vorwurf kam von einer Hotel-Angestellten in Nevada, die er mit dem Vorwand eines angeblich defekten TV-Geräts auf sein Zimmer gelockt haben soll. Auch da wurde keine Anklage erhoben.

Roethlisberger kündete vor Saisonbeginn denn auch seine Läuterung an: «Ich möchte nicht nur ein noch besserer Footballer, sondern auch ein besserer Mensch abseits des Feldes werden. Das ist mein neues Ziel. Ich weiss, dass ich Taten sprechen lassen muss.» Mit dem Einzug in seine dritte Super Bowl hielt er auf sportlichem Parkett sein Wort.

Arbeitskampf droht

Die 45. Super Bowl könnte für die Fans der National Football League (NFL) der vorerst letzte Feiertag sein. Ein Arbeitskampf zwischen Liga, Klubeigentümern und Spielergewerkschaft bedroht die kommende Saison. Angeführt von NFL-Boss Roger Goodell wollen die Eigentümer künftig zunächst selbst 18 Prozent der Einnahmen einstreichen, um ihre Ausgaben zu decken und neue Stadien zu bauen. Die Spieler sollen dann 60 Prozent vom noch verbleibenden Geld erhalten.

Um den Topf der Erträge zu vergrössern, könnte die reguläre Saison von 16 auf 18 Spiele verlängert werden. Am Gehalt der Profis würde sich also nichts ändern, argumentiert die Liga. Am Salär nicht, wohl aber an den Arbeitszeiten, kontern die Profis. Doch die NFL will nicht klein beigeben. Sollte man sich nicht einigen, würde man die Spieler vorerst ausschliessen. Kurz zusammengefasst hiesse das: Kein Einkommen für die Profis, kein Football für die Fans. Die Klubbesitzer können sich hingegen fast zurücklehnen. Der TV-Vertrag garantiert ihnen jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe – egal, ob gespielt wird oder nicht.

si

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