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Stephan Leiser: Stark durch eine vermeintliche Schwäche

In Tongeren erzielte er zwei Sekunden vor Schluss den Siegestreffer. Auch vor dem Rückspiel im Cupsieger-Cup bleibt BSV-Spieler Stephan Leiser, wie er ist: ruhig.

«Wenn es so rundläuft wie im Moment, muss man das ausnützen», schmunzelt Stephan Leiser. Der 28-Jährige führt mit 63 Treffern aus 12 Spielen – im Durchschnitt mehr als 5 pro Partie – die Torschützenliste des BSV Bern Muri an. Im letzten Meisterschaftsspiel, beim 33:28 in Gossau, war er allein für 7 Tore verantwortlich. Natürlich freue er sich über den persönlichen Erfolg, sagt Leiser, aber er streicht ebenso die Wichtigkeit seiner Mitspieler heraus, «die mich mustergültig lancieren und so in eine gute Ausgangsposition bringen». Generell sei es beim BSV so, dass keiner nur auf sein eigenes Goalkonto bedacht sei und egoistisch handle. «Es herrscht überhaupt kein Neid», sagt Leiser, der auf der linken Rückraumposition spielt.

Seit einer Woche hat er auch wieder einen an seiner Seite, mit dem er sich fast blind versteht: Benjamin Echaud, mit dem er bereits die achte gemeinsame Saison bestreitet. Er glaube zwar nicht, dass er nun (noch) besser spiele als in der Zeit, als Echaud verletzt fehlte. «Aber wir ergänzen uns sehr gut. Er nutzt seine Physis, ich schlängle mich eher durch.» Oder in Zahlen ausgedrückt: Echaud ist zwar 9 Zentimeter kleiner, bringt aber 3 Kilogramm mehr auf die Waage als der 1,93 Meter grosse und 90 Kilogramm schwere Leiser.

Der Vorwurf in früheren Zeiten

Die Ruhe, die Stephan Leiser auf dem Spielfeld ausstrahlt und mit der er auch – zwei Sekunden vor der Schlusssirene – das siegbringende 29:28 im Hinspiel des Cupsieger-Cup-Sechzehntelfinals gegen Tongeren (Be) erzielte, betrachtet er als eine seiner grossen Stärken. Früher, als man ihm vorwarf, er zeige zu wenig Einsatz, weil er sich nicht «halb verriss», habe er Mühe gehabt mit dieser Charaktereigenschaft. «Und das Gefühl, ich müsse mich ändern.» Nun nutzt er die einst vermeintliche Schwäche – mit Erfolg.

Grossmutter: Fan und Expertin

Dass er Sport und Ausbildung – Leiser absolviert ein Studium an der Fachhochschule für soziale Arbeit – so gut unter einen Hut bringen könne, «habe ich auch meinem Umfeld zu verdanken». Sein Bruder Christoph, mit dem er lange zusammenspielte, sein Vater, seine Freundin und deren Vater sind wichtige Bezugspersonen – wie übrigens auch die Grossmutter. «Sie sind es, mit denen ich am meisten über Handball rede. Und sie verstehen auch, wenn ich einmal nicht darüber reden mag.» Seine mittlerweile 82-jährige Grossmutter, bei welcher er auch einmal pro Woche zum Mittagessen gastiert («Das ist mein fixer Termin»), habe seit dem Aufstieg des BSV im Frühling 2003 wohl noch kein Heimspiel verpasst. «Ich habe mich schon immer gut mit ihr verstanden – und sie versteht auch etwas von Handball», sagt Leiser.

Das Thema Nationalmannschaft, für die er nur einmal ein Aufgebot für ein Trainingslager erhielt, hat Leiser abgehakt. Es sei zwar ein Ziel gewesen, jedoch nicht eines, das er mit Akribie verfolgt habe. Deshalb sagt er: «Ich trauere der Tatsache nicht nach, dass ich kein Länderspiel im Palmarès habe.»

Gute Deckung und Gegenstösse

Internationale Erfahrungen kann er dafür im Europacup sammeln. Am Samstag steht das Rückspiel im Sechzehntelfinal des Cupsieger-Cups an. Physisch und spielerisch seien die Belgier ihnen nicht überlegen. Damit es diesmal aber nicht wieder so eng wird wie in Belgien, müsse sein Team vor allem in der Defensive besser agieren, ist Leiser überzeugt. «Und mehr Tore über unsere schnelle Mitte und mit Gegenstössen erzielen.» Und sonst wird es halt wieder Leiser richten müssen. Mit Ruhe.

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