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Sensationssieg und Neun-Darter

Beim «Grand Slam of Darts» verzücken ein deutscher Amateur und ein belgischer Junioren-Weltmeister das Publikum.

In Wolverhampton stehen sich Darts-Spieler aus zwei verschiedenen Welten gegenüber.
In Wolverhampton stehen sich Darts-Spieler aus zwei verschiedenen Welten gegenüber.
Getty Images/Naomi Baker

An diesem Wochenende schauen die Darts-Fans gebannt nach Wolverhampton. Morgen Sonntag wird in der englischen Stadt der Sieger des «Grand Slam of Darts» gekürt. Das Turnier ist einzigartig, weil sich Darts-Spieler von zwei Verbänden – und aus unterschiedlichen Welten – gegenüberstehen. Auf der einen Seite werfen Spieler der Professional Darts Corporation (PDC), dem prestigeträchtigen Weltverband, Pfeile, sie sind Profis. Der Grand Slam ist das einzige Turnier, an dem sich Spieler der British Darts Organisation (BDO) mit ihnen messen können. Diese sind bestenfalls Halbprofis, viel Geld und Aufmerksamkeit lässt sich bei ihrem Verband nicht ergattern. Bei der zwölften Austragung des Turniers steht zwar erstmals kein Engländer im Viertelfinal, das Publikum ist dank einigen grossartigen sportlichen Leistungen und skurrilen Geschichten trotzdem begeistert.

Der Überflieger

Dass die BDO-Spieler für mehr als eine Überraschung gut sind, zeigte Michael Unterbuchner. Der 30-Jährige aus München schrieb in Wolverhampton deutsche Darts-Geschichte. «T-Rex», so sein Spitzname, ist der erste Deutsche und dieses Jahr der einzige Vertreter der BDO, der es in den Viertelfinal geschafft hat. Im Achtelfinal schaltete er sensationell den PDC-Profi, Weltranglistensechsten und Europameister James Wade aus. Heute Abend trifft der Deutsche im Viertelfinal auf den zweifachen Weltmeister Gary Anderson. Für Unterbuchner, der als Logistiker arbeitet, ist Darts ein Hobby. Erst vor acht Jahren hat er damit begonnen. Unterbuchner hat seine eigenen Erwartungen bei weitem übertroffen: Seinen Heimflug hatte er schon gebucht, für letzten Freitag. «Kein Problem, dann buche ich eben einen neuen», sagte er.

Die Sternstunde

Für den Moment des Turniers sogte Dimitri van den Bergh. Dem Junioren-Weltmeister gelang im Achtelfinal das perfekte Spiel, er brachte mit einem sogenannten Neun-Darter das Publikum zum Toben. Das heisst, er reduzierte den eigenen Punktestand von 501 auf Null auf dem schnellstmöglichen Weg – er benötigte nur neun Pfeile. Damit realisierte er den Traum eines jeden Darts-Profis. Kein Wunder lautet der Spitzname des Jungstars «Dreammaker». In den zwölf Jahren vor ihm gelangen erst drei anderen Spielern in Wolverhampton der perfekte Durchgang. Dank dem Neun-Darter strich der 24-jährige Belgier eine Prämie von rund 25'000 Franken ein. Nach der Partie sagte Van den Bergh: «Ich weiss immer noch nicht, was passiert ist, es ist unglaublich!» Die Partie gegen Stephen Bunting gewann er ungefährdet 10:6.

Die Verzögerung

Weniger erfolgreich verlief das Turnier für Martin Schindler, Van den Berghs Gegner an der nächste Woche stattfindenden Junioren-WM. Die Auftaktpartie gegen Stephen Bunting konnte der Deutsche ausgeglichen gestalten. Er stand kurz vor dem Ausgleich zum 4:4, als eine Fliege auf der Dartsscheibe landete und einige Sekunden dort verharrte. Schindler wartete ab, wurde in seinem Rhythmus gestört – und warf daneben. Bunting gewann die Partie 5:3 und Schindler schied in der Gruppenphase aus.

Der Vorwurf

Gary Anderson siegte im Achtelfinal gegen Wesley Harms 10:2. Das Resultat war aber nur Nebensache. Harms warf Anderson später bei einem TV-Interview nämlich vor, während der Partie Blähungen gehabt zu haben. Dem Holländer gelang keine gute Partie und er erklärte diese Leistung mit dem «unappetitlichen Geruch», der auf der Bühne herrschte. «Ich werde zwei Nächte brauchen, um diesen Gestank aus meiner Nase zu bekommen.» Andersons Antwort auf die Vorwürfe fiel deutlich aus: «Wenn der Junge denkt, ich hätte gefurzt, liegt er zu 1010 Prozent falsch. Ich schwöre, dass es nicht meine Schuld war.» Der Schotte doppelte nach: «Ich schwöre beim Leben meiner Kinder, dass ich es nicht war.» Er verdächtigte viel mehr Harms selbst: «Es war ein richtig übler Gestank. Aber danach spielte er besser. Ich dachte, er war es.»

Andersons Interview nach der Partie (Englisch):

Die weiteren Partien: Viertelfinals: Samstag, 17. November, 20 Uhr. Unterbuchner vs. Anderson und Clayton vs. Van Gerwen Halbfinals: Sonntag, 18. November, 14 Uhr Final: Sonntag, 18. November, 20 Uhr

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