Russland für vier Jahre vom Weltsport gesperrt

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat im Skandal um manipulierte Daten harte Sanktionen gegen Russland verhängt.

Keine olympischen Spiele 2020 und 2022 für Russland. (Bild: Keystone)

Keine olympischen Spiele 2020 und 2022 für Russland. (Bild: Keystone)

Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bestätigte am Montag in Lausanne die Empfehlung der unabhängigen Prüfkommission CRC und suspendierte die russische Anti-Doping-Agentur Rusada bis 2023.

Athleten des Landes dürfen in diesem Zeitraum nicht unter der russischen Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten, die nicht in den Staatsdoping-Skandal verwickelt gewesen sind.

Keine Folgen für EM 2020

Dies gilt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und 2022 in Peking, die Olympischen Jugendspiele und Weltmeisterschaften von Sportarten, die den Wada-Code unterschrieben haben, sowie sogenannten «Major Sport-Events».

Die vorgeschlagenen Sanktionen gegen den russischen Sport sollen keine Auswirkungen auf die geplanten Spiele der Fussball-EM 2020 in St. Petersburg haben. Die Wada begründet das damit, dass eine Europameisterschaft für den europäischen Verband Uefa«ein regionales/kontinentales Sportereignis» ist. «Es hat uns überrascht, dass in so einer frühen Phase Dinge ausgeschlossen werden», sagte der Vorstand der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschlands, Lars Mortsiefer. Offen ist, ob der Bann für das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg gelten könnte.

Vertuschung im grossen Stil

Forensische Untersuchungen durch Wada-Experten hatten ergeben, dass die Dopingdaten aus dem Moskauer Labor von 2012 bis 2015 «weder vollständig noch vollständig authentisch» sind. Dies konnte im Vergleich mit einer der Wada 2017 von einem Whistleblower zugespielten Daten-Kopie nachgewiesen werden. Dabei hat Russland nach Wada-Angaben «Hunderte von mutmasslichen nachteiligen Analyseergebnissen gelöscht oder geändert». Dabei sollen 145 mutmassliche Doping-Fälle vertuscht oder verfälscht worden sein.

Das Internationale Olympische Komitee hatte bereits zuvor angekündigt, die «härtesten Sanktionen» gegen Russland zu unterstützen und das Wada-Urteil zu akzeptieren. «Der Wada-Beschluss ist für uns bindend», hatte IOK-Präsident Thomas Bach betont. Trotz der Dimension des des Dopingskandals um vertuschte und ausgetauschte Proben im Analyselabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi durften vier Jahre später 168 Russen als «Olympische Athleten aus Russland» unter neutraler Fahne antreten.

Russland legt Einspruch ein

Russland will gegen die neuen Strafen der Einspruch einlegen. Russland werde für seine Sportler kämpfen, sagte die Parlamentsabgeordnete Swetlana Schurowa am Montag der Agentur Interfax zufolge. Russland werde die Strafen beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne anfechten, sagte der Parlamentsabgeordnete Dmitri Swischtschow vom Sportausschuss der Staatsduma. Die Entscheidung der Wada sei ein Mittel, um russische Athleten aus dem internationalen Sport zu verbannen, kritisierte der Vize-Chef des russischen Parlaments, Pjotr Tolstoi.

erh/dpa

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