Nach drei EM-Titeln gibt es nur ein Ziel

Die Schweizer Fechter streben heute in Montreux im Teamwettkampf ihr viertes Gold in Folge an. Hauptgegner ist Frankreich.

Treten als Titelverteidiger an: Die Schweizer Fechter Steffen, Kauter und Heinzer (von links) während einer Medienkonferenz in Montreux. Foto: Keystone

Treten als Titelverteidiger an: Die Schweizer Fechter Steffen, Kauter und Heinzer (von links) während einer Medienkonferenz in Montreux. Foto: Keystone

Es gibt zwei Wettkämpfe, die für die Schweizer Fechter auf dem Weg an die Olympischen Spiele 2016 in Rio entscheidend sind: Es ist der Teamwett­bewerb von heute an der Heim-EM in Montreux, und es ist jener der WM im Juli in Moskau. Für das Teamranking zählt die EM eineinhalb- und die WM zweieinhalbfach. Wer an diesen Turnieren also auf dem Podest steht, schafft sich beste Voraussetzungen für die Olympiaqualifikation. Die ersten vier Teams der Weltrangliste plus jeweils der Beste eines Kontinentalverbandes reisen nach Brasilien. Die Schweiz belegt hinter Frankreich und Südkorea derzeit Platz 3. Diesen Rang zu halten, muss also mindestens das Ziel sein.

Die Schweizer starten heute im Achtelfinal gegen die Türkei oder Rumänien; drei Fechter pro Nation beginnen den Wettkampf, der vierte kann eingewechselt werden. Jeder tritt gegen jeden des gegnerischen Teams an, ein Gefecht dauert maximal drei Minuten und geht auf fünf Punkte. Der Trefferstand wird jeweils übernommen. Es gewinnt, wer zuerst 45 Punkte erreicht. Die Schweiz tritt zum dritten Mal als Titelverteidiger an, steigern müssen sich im Vergleich zum Sonntag und dem Einzel aber alle, wollen sie ein viertes Mal in Folge gewinnen.


Benjamin Steffen, 33 «Ich trainiere heute präziser»

Der Älteste im Team ist der ruhige und oft auch beruhigende Pol: Der Basler Benjamin Steffen bestreitet die 14. Elite-Saison, war schon 2004 mit dem Team Europameister und ist seither auch ein Freund Fabian Kauters. Nationalcoach Gianni Muzio machte ihn seiner Erfahrung und integrativen Wirkung wegen zum Captain. Der 33-Jährige ist zurzeit zu 75 Prozent als Gymnasiallehrer in Englisch und Sport angestellt; dieses Pensum wird er ab August reduzieren. «Ich merke, dass es immer schwieriger wird, mich zu erholen», sagt er. Deshalb sei es auch wichtig, «dass ich präziser trainiere». Seit dem Trainerwechsel zu ­Muzio hat er viel mehr Vertrauen – allerdings kam ihm dieses am Sonntag nach ein paar misslungenen Aktionen abhanden: Er wurde letztlich 21.


Peer Borsky, 24 «Sichere Plätze sind nicht gut»

Der Zürcher Oberländer war im letzten Jahr als Zweiter die grosse Überraschung – auch für sich selbst – am Weltcupturnier in Doha. Der Wirtschaftsstudent hat sich im vorletzten Jahr den Platz im Team erkämpft und gehörte bereits 2013 zum EM- und 2014 zum WM-Bronzeteam. Allerdings sagt er in seiner nun ­gefestigten Position: «Sichere Plätze sind nicht gut; alle müssen an sich arbeiten, um das Gesamtniveau zu heben.» Bors­­ky, der mit Heinzer im Fechtclub Zürich in der Saalsporthalle trainiert, bezeichnet sich als sehr intuitiven Fechter. «Ich spüre gut heraus, wie es weitergehen könnte.» Zudem verfügt Borsky über sehr gute Reflexe in unerwarteten Situationen. Spürt Trainer Muzio heute, dass einer der drei anderen keinen guten Tag hat, könnte er zum Joker werden.


Max Heinzer, 27 «Ich kann uns pushen»

Egal, wie aussichtslos die Lage der Schweizer im Teamwettkampf ist, wenn Max Heinzer als letzter Fechter auf die Bahn kommt, zittert der Gegner. Spätestens seit dem Turniersieg im Februar in Vancouver. 29:37 lagen die Schweizer im Final gegen die Ukraine im Rückstand; drei Minuten hatte Heinzer Zeit zu punkten. «Der Ukrainer wähnte sich ­bereits als Sieger», sagt Trainer Gianni Muzio (im Bild). In eineinhalb Minuten setzte Heinzer 11 Treffer, der Gegner wusste nicht, wie ihm geschah. «Solche Herausforderungen sind meine Spezialität; ich kann mich selber pushen, aber auch das ganze Team.» Lieber wäre ihm, sie gerieten gar nie in diese Lage. «Mit unseren Stärken müssten wir eigentlich gegen alle mit fünf Punkten Vorsprung ins letzte Gefecht.»


Fabian Kauter, 29 «Wir sind eine starke Gruppe»

Viermal Team-Europameister, einmal EM-Bronze im Einzel, zwei WM-Bronzemedaillen im Einzel und mit dem Team: An Titelkämpfen ist Fabian Kauter der Erfolgreichste des Teams. Der 29-jährige Berner, dessen Grossvater, Vater und Onkel (Daniel Giger, der Teamchef der Männer) Jahrzehnte für das Fechten in der Schweiz standen, ist der typische Konterfechter. Defensiv eingestellte Gegner sind ihm ein Gräuel, und er glaubt zu wissen: «So fechten sie immer gegen mich!» Kauter liebt den Wettkampf in der Gruppe, «zusammen etwas zu erreichen, ist mir viel wichtiger als ein Einzelerfolg». Seit seinem ersten Teamtitel 2004 «hat sich sehr viel geändert, wir sind eine starke Gruppe, haben taktisch Riesenfortschritte gemacht und die Entwicklung mitgeprägt».

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