Mit etwas Verspätung den Knopf aufgemacht

Zweitbester Skorer, erste Aufgebote für die Nationalmannschaft: Stürmer Jonas Ledergerber ist der Aufsteiger der Saison bei Floorball Köniz.

Jonas Ledergerber hat seine Skorerqualitäten auch im Cupfinal unter Beweis gestellt, hier trifft er zum 3:0 gegen GC.

Jonas Ledergerber hat seine Skorerqualitäten auch im Cupfinal unter Beweis gestellt, hier trifft er zum 3:0 gegen GC.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Goalie Samuel Thut, die körperlich robusten Verteidiger Kaspar Schmocker und Florian Kuchen, der begnadete Spielmacher Emanuel Antener, Topskorer Manuel Maurer und Edeltechniker Jens Frejd: An überdurchschnittlichen Unihockeyspielern fehlt es Floorball Köniz wahrlich nicht.

In der laufenden Saison hat sich ein weiterer Akteur ins Rampenlicht gedrängt, von dem Clubinsider schon länger den Durchbruch erwartet hatten. Die Rede ist von Jonas Ledergerber, bald 23-jährig, derzeit in der Ausbildung zum Maschinenbau-Ingenieur steckend.

Der junge Mann aus Schliern bei Köniz hat sich teamintern zu einem der besten Skorer entwickelt. 26 Tore sind ihm bis dato gelungen – nur Maurer hat noch eine höhere Trefferquote (39 Tore). «Meine Hauptaufgabe ist es, Tore zu schiessen», sagt Ledergerber. Seine Passzuträger sind Jens Frejd und Christian Kjellman, zwei Garanten für Qualität und Zuverlässigkeit. Frejd sei der «etwas kreativere und risikoreichere Spieler», Kjellman mehr der «Typ Arbeiter» mit einem vorzüglichen Auge für den freien Mitspieler bei der Angriffsauslösung, beschreibt der Schlierner seine Sturmpartner.

Von ganz hinten nach ganz vorne

Jonas Ledergerbers erste Sportliebe galt dem Eishockey. Gerne hätte er sich in ganz jungen Jahren einem Club angeschlossen. Weil seine Eltern aus logistischen Überlegungen das Veto einlegten, schauten er und sein zwei Jahre älterer Bruder Christian halt beim örtlichen Unihockeyclub vorbei.

Es war eine Entscheidung, die sie nie bereuen sollten. Jonas versuchte sich zuerst eine Saison lang als Goalie, ehe er eine Position nach vorne rückte. In den nächsten Jahren machte er kontinuierlich Fortschritte, die ihn bis in die U-19-Nationalmannschaft führten. Dort wurde er ein erstes Mal zum Stürmer umfunktioniert.

Im Spätherbst 2014 war es dann auch auf Clubebene so weit: Der damalige Floorball-Coach Tomas Trnavsky beorderte den flinken Verteidiger in den Angriff, um einen personellen Engpass zu beheben. Schnell zeigte sich, dass der technisch starke Ledergerber zu mehr taugte als zum Lückenbüsser. Für René Berliat, welcher im Januar 2015 den entlassenen Trnavsky beerbte, gab es deshalb keinen zwingenden Grund, seinen Schützling wieder ins frühere Korsett zu zwängen. Ledergerber dankte ihm das Vertrauen mit guten Leistungen, welche kürzlich mit den ersten Länderspielaufgeboten belohnt wurden.

Die Stehaufmännchen aus Malans

Im Kreise des Nationalteams traf der Berner auf einige Spieler, denen er in den nächsten Woche etliche Male begegnen wird, wenn sich Köniz und Alligator Malans im Playoff-Halbfinal messen. Namentlich erwähnt seien Remo Buchli, Claudio Laely und Kevin Berry, die allesamt in dieser Saison schon mehr als 20 Mal gegnerische Goalies überwunden haben. Buchli sei wie viele andere Malanser «ein Stehaufmännchen», Berry «der wohl beste Fernschütze der ganzen Liga» und Laely «ein unerhört starker Zweiwegstürmer», weiss Ledergerber.

Was nichts an der Tatsache ändert, dass Köniz den Bündnern mit breiter Brust entgegentritt. «Wir wissen, wie Malans zu packen ist», sagt Ledergerber. Die Berner werden, wie im siegreichen Cupfinal gegen GC demonstriert, versuchen, konsequent die Räume zu schliessen und nach Balleroberungen schnelle Konter zu lancieren. Ledergerber erwartet «eine spannende Serie mit ganz unterschiedlichen Spielen».

In den letzten drei Playoff-Serien zwischen den beiden Teams jubelten am Schluss immer die Malanser. Heuer werde sich dieses Szenario nicht wiederholen, ist Ledergerber überzeugt. «Jeder von uns hat sich das Ziel gesetzt, in den Final zu kommen. Das noch mehr als vor einem Jahr, als wir es ganz knapp nicht schafften.»

Jassen als Zeitvertrieb im Car

Ein Stelldichein mit den Alligatoren aus Malans bedeutet immer auch lange Carreisen. Das sei alles halb so schlimm, wenn man einen guten Zeitvertrieb habe, sagt Ledergerber. In seinem Fall heisst er Jassen. Sein Partner im Schieber ist Nino Wälti, ihre Herausforderer sind die Verteidiger Stefan Castrischer und David Müller. Wer hat im beinahe schon epischen Duell, welches Anfang Saison gestartet wurde, derzeit die Nase vorn? «Nino und ich sind die klaren Dominatoren und haben letztes Jahr gewonnen. Dieses Jahr ist es ein wenig ausgeglicher», frotzelt Ledergerber.

NLA-Playoff. Halbfinals. 1. Runde
Köniz - Malans (Sa 18.00 Uhr, Weissensteinhalle).
Grasshoppers - Rychenberg Winterthur (Montag, 18.00 Uhr).

Der Bund

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