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Lance Armstrong: Auf zu neuen Ufern

Der 7-fache Toursieger hat in New York anlässlich eines Benefizauftritts seine Comeback-Pläne vorgestellt.

«Ich kann keinen Sieg bei der Tour de France garantieren», sagte Armstrong gestern an der Seite des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton in New York im Rahmen der Wohltätigkeitskampagne der Clinton Global Initiative ausführlich. «Ich werde so gut vorbereitet sein, wie es geht», erklärte der Amerikaner. In erster Linie gehe es ihm um Werbung für seine Krebsstiftung.

Armstrong wird 2009 im kasachischen Astana-Team seines langjährigen Teamchefs und Freundes Johan Bruyneel antreten und sein erstes Rennen mit der Tour Down Under in Australien (20. bis 25. Januar) bestreiten. «Aber ich weiss nicht, ob das für einen Erfolg reicht. Nächsten Sommer bin ich fast 38 Jahre alt.»

Gleichzeitig beendete der Amerikaner alle Spekulationen, darüber, dass er das französische Unternehmen ASO kaufen werde, das die Tour betreibt. «Ich habe nicht so viel Geld», betonte er gegenüber Journalisten und liess durchblicken, dass er nicht darum kämpfen werde, eine Startberechtigung für die Grande Boucle zu erhalten. «Es ist ihre Veranstaltung. Wenn ich nicht eingeladen werde, kann ich das nicht ändern.»

Lance Armstrongs Rückkehr in den internationalen Radsport wird ähnlich wie bei anderen berühmten Sportlern und ihren Comebacks in der jüngeren Vergangenheit wie Basketballer Michael Jordan, Boxer George Foreman oder Eishockeyprofi Mario Lemieux von vielen Fragezeichen begleitet. Deshalb hat sich der siebenfache Tour-Gewinner eine Public-Relations-Strategie zurecht gelegt, die er jetzt ausführlich skizzierte.

Erst drei Rennen fest geplant

Das Wichtigste sei das Ziel, die Öffentlichkeit weltweit verstärkt für den Kampf gegen Krebs zu gewinnen, sagte der ehemalige Hodenkrebspatient, der die Krankheit nach einer schweren Operation und einer massiven Chemotherapie überstand und wenig später auf mirakulöse Weise zur dominierenden Figur im Radsport wurde. Und so liebäugelt er mit der Teilnahme an Veranstaltungen, bei denen automatisch eine aussergewöhnliche Werbewirkung entsteht. Er liess etwa durchblicken, dass er durchaus zum ersten Mal in seiner Karriere den Giro d'Italia bestreiten könnte, der 2009 seinen 100. Geburtstag feiert. Doch nur drei Rennen seien bislang fest geplant: die Tour Down Under in Adelaide, die Tour de France und das Mountainbike-Rennen Leadville Trail 100 in Colorado.

Dopingkontrolle mit neuen Tests

Lance Armstrongs Comeback wird begleitet vom bekanntesten amerikanischen Dopingspezialisten, Don Catlin, der im Rahmen des Balco-Skandals in seinem Labor in Los Angeles als Erster das Designer-Steroid THG nachgewiesen hatte. Der Pharmakologe will nicht nur das Blutprofil von Armstrong überwachen und nach Substanzen wie Epo und Wachstumshormonen fahnden, sondern auch neue Tests durchführen, die bisher noch nicht eingesetzt werden. Die Kosten für seine Arbeit und sein Honorar wird der Astana-Rennstall übernehmen.

Bei Astana hat Johan Bruyneel als Teamdirektor die Verantwortung. Der Belgier hatte jahrelang Taktik und Training von Armstrong bei US Postal Service und Discovery Channel kontinuierlich bestimmt. «Ich konnte mir nicht vorstellen, gegen ihn fahren zu müssen», sagte Armstrong über seinen «Freund und Langzeitpartner».

Die Entscheidung irritiert jedoch vor allem Astana-Leader Alberto Contador, der 2007 die Tour de France gewann, dann in diesem Sommer den Giro und zuletzt die Vuelta. Der Spanier sagte gestern: «Ich denke, ich habe meinen Platz in der Mannschaft erarbeitet und muss nicht mehr darum kämpfen. Mit Armstrong könnten sich schwierige Situationen ergeben, wenn er vom Team vorgezogen wird, und das würde mir schaden.»

«Zweite Saison nicht ausgeschlossen»

Der Amerikaner kommentierte dies in New York diplomatisch: «Da ist Platz für uns alle. Er ist zurzeit der beste Fahrer auf dem Planeten. Ich freue mich, mit ihm zusammen in einem Team zu fahren.» Fest steht allerdings, dass Armstrong als weitere Kraft das 18-jährige US-Talent Taylor Phinney ins Team mitbringt, der zurzeit für Slipstream fährt und in Peking Siebter in der Einzelverfolgung auf der Bahn war.

Für den Fall, dass er sich erneut an die vielen Stunden im Sattel gewöhnt und respektable Erfolge verbucht, wollte Armstrong eines nicht versprechen: dass er im nächsten Herbst endgültig aufhört. «Ich will eine zweite Saison nicht ausschliessen», sagte er.

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