Zum Hauptinhalt springen

Kampf den Schwalben!

Die Busse gegen Eishockey-Profi Josh Holden zeigt, dass Moral im Sport doch wichtig ist – sogar der Fussball macht dafür mobil.

Es ist viel mehr als nur eine Randnotiz. Zugs Hockeyprofi Josh Holden wurde wegen einer Schwalbe vom 3. November im Spiel gegen Fribourg-Gottéron nachträglich mit einer Geldbusse von 2000 Franken belegt. Mit demselben Mass bestraft wurden auch Nicklas Danielsson (Lausanne) und Tanner Richard (Genf-Servette) – beide hatten ein Foul und sogar eine Verletzung vorgetäuscht. Die Meldungen, die in den Sportmedien als Kurzmeldung abgehandelt wurden, zeigen eine klare Tendenz der letzten beiden Jahre im Eishockey: Schwalben werden immer mehr geahndet.

Ein Hotdog für die beste Schwalbe

Während auf dem Eis das Simulieren von Fouls verpönt ist, galt es im Fussball lange Zeit als Kavaliersdelikt. Im «Sportpanorama» verteidigte FCB-Spieler Renato Steffen YBs Miralem Sulejmani nach einer Schwalbe und sagte, das sei seine einzige Möglichkeit gewesen, aus der Aktion noch etwas herauszuholen. Im Schweizer Junioren-Spitzenfussball wurden in der Vergangenheit zur Auflockerung des Trainings sogar Schwalben-Contests absolviert. Der unauffälligste Fall wurde mit einem Hotdog belohnt. Das ist nicht nur wegen der Ernährung fragwürdig.

Zumindest in England ist seit der aktuellen Saison allerdings Schluss damit: Ein Fussballer kann für zwei Spiele gesperrt werden, wenn er mittels Betrugs einen Penalty oder einen Platzverweis gegen den Gegner herausschindet. Die Videobilder werden am Montag von einem dreiköpfigen Gremium – je ein ehemaliger Schiedsrichter, Trainer und Spieler – gesichtet. Bei einstimmigem Urteil wird die Sperre ausgesprochen. Verhängt wurde eine solche Strafe aber erst in den tieferen Ligen. Vielleicht führt die drohende Sperre ja tatsächlich zu mehr Fairness.

Keine Gnade für Nationalspieler

Auch weil es in Deutschland noch keine solche Regelung gibt, griffen die Fans zuletzt zur Selbstjustiz. Vor fast einem Jahr hob Timo Werner im Strafraum ab, obwohl es keine Berührung mit Schalke-Goalie Ralf Fährmann gab. Der Schiedsrichter entschied auf Penalty, Leipzig gewann auch deswegen 2:1. Obwohl sich der RB-Stürmer für die Aktion entschuldigte, wird er noch heute von gegnerischen Anhängern angefeindet – in der Nationalmannschaft geniesst der 21-Jährige trotz sieben Toren in zehn Länderspielen ein Standing, wie Haris Seferovic am Sonntag in Basel.

Abflug ohne Berührung: Timo Werner holt einen Penalty heraus. Bild: Screenshot Youtube
Abflug ohne Berührung: Timo Werner holt einen Penalty heraus. Bild: Screenshot Youtube

Das scheint die Bundesliga-Profis aber nicht gross vom Betrügen abzuhalten. Wenige Monate später hatte der damalige Wolfsburg-Trainer Dieter Hecking genug, sprach sich für einen Schwalben-Gipfel im Verband aus und mahnte dabei seine Berufskollegen, auf die Fussballer einzureden. Schliesslich habe man ja eine Vorbildfunktion für die Jungen. Der Boulevard schrieb gar von der Flegel-Liga. Und im August sorgte mit Kyriakos Papadopoulos ein Innenverteidiger für Aufsehen, als er sich nach einer leichten Berührung des Gegners theatralisch fallen liess und am Boden wälzte. Bei einer 3:1-Führung, in der Nachspielzeit. Dank dem Videobeweis (VAR) während dem Spiel wurde der HSV-Profi überführt und mit der Gelben Karte bestraft.

Dass in Deutschland trotz des neu eingeführten VAR versucht wird, zu betrügen, zeigt, wie wenig die Fussballer zu befürchten haben. Im schlimmsten Fall wird man verwarnt. Dabei scheint England und der Eishockey vorzuzeigen, dass mit härteren Strafen durchaus für mehr Gerechtigkeit im Sport gesorgt werden kann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch