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In eigener Sache: Lieber erzählen als nur berichten

Am 1. September übergibt Fredy Wettstein nach 28 Jahren die Leitung der Sportredaktion von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» an seinen Nachfolger Ueli Kägi.

Clubtreue: Fredy Wettstein geht nach 38 Jahren beim «Tages-Anzeiger» in Pension.
Clubtreue: Fredy Wettstein geht nach 38 Jahren beim «Tages-Anzeiger» in Pension.
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Fredy Wettstein war während 38 Jahren für den TA als Sportjournalist tätig und hat das Sportressort unter seiner Führung wesentlich geprägt, mehrere Preise gewonnen und ist auch mehrfach als Sportjournalist des Jahres ausgezeichnet worden. Er hat den Sportjournalismus in der Schweiz weggeführt von der Spiel- und Rennberichterstattung hin zu erzählerischen und hintergründigen Berichten über die Leiden und Freuden der Athleten, die Dramen und Triumphe in den grossen nationalen und internationalen Arenen. Als Chef war er hoch geschätzt, als Autor von der Leserschaft geliebt und als langjähriger Goalie des FC Tages-Anzeiger vom Gegner gefürchtet.

Seit er in jungen Jahren bei der «Zürichsee-Zeitung» in den Journalismus einstieg, erst mit Beiträgen über die Knie-Premiere in Rapperswil oder den letzten Schuhmacher auf dem Zollikerberg, berichtete Fredy Wettstein während fast vierzig Jahren für «Tages-Anzeiger», «SonntagsZeitung» und «Bund» mit Schwerpunkt Fussball. Er erlebte alle Höhepunkte der beiden Zürcher Stadtclubs, kannte die Stars jeweils schon, bevor sie gross wurden, begleitete sie während ihrer Blütezeit und durch alle Hochs und Tiefs.

Die Anhänger beider Clubs vermuteten bei ihm und seinem Ressort hin und wieder Parteilichkeit für die eine oder andere Seite – er hatte sie nicht. Wenn sein Herz zeitweilig mehr für die eine oder die andere Seite schlug, dann konnte er es gut verbergen, richtig ins Schwärmen kam er meist nur, wenn er über die Künstler seines Sports berichtete, Ausnahmekönner wie einst Günter Netzer, Richard Núñez bei GC oder heute Yassine Chikhaoui beim FCZ, öfter auch, wenn er über Auftritte deutscher Fussballteams berichtete, speziell jenen von Bayern München. In den knapp vierzig Jahren rapportierte er von zehn Fussballweltmeisterschaften und mehreren Olympischen Spielen, er kannte viele der grossen Figuren aller Generationen persönlich, Franz Beckenbauer, Uli Hoeness, Jürgen Klinsmann, Köbi Kuhn oder Ottmar Hitzfeld. Er hatte stets das gute Auge für den treffsicheren Kommentar, fand auch tröstende Worte für die Verlierer und hob nicht ab selbst bei grosser Bewunderung für die Sieger.

Weltmeisterliche Clubtreue

Er hatte ein ausgeprägt gutes Gespür auch für die Förderung von jüngeren Kollegen. In den 28 Jahren seiner Ressortleitung sind viele heute namhafte Sportjournalisten, speziell mit Kompetenz Fussball, durch seine Schule gegangen. Matchberichte werden heute im Print kaum mehr geschrieben, der europäische Sportjournalismus hat sich inzwischen überall ähnlich weiterentwickelt wie vom «Tages-Anzeiger» in den Achtzigerjahren vorgespurt.

Fredy Wettstein hinterlässt das Sportressort in ausgezeichneter Verfassung und nominierte mit Ueli Kägi seinen Wunschnachfolger. Er selber will ab September kürzertreten, wird aber nach einer Auszeit weiter als Kolumnist und Produzent für «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» tätig sein. Chefredaktion, Ressortleiter und alle Kolleginnen und Kollegen danken Fredy Wettstein für seine hervorragende Arbeit und «Clubtreue». Wir freuen uns zusammen mit Ihnen, liebe Leser, auf weitere Beiträge von ihm. Weltmeisterlich war nicht nur das, worüber er schrieb, sondern auch der abtretende Sportchef und verbleibende Autor Fredy Wettstein selber.

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