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«Ich habe hart trainiert»

Der Europameister Viktor Röthlin startet am Sonntag um 14.40 Uhr Schweizer Zeit zum dritten Mal in seiner Karriere zum Marathon durch New York.

Sein letzter Erfolg: Am Greifenseelauf 2011 klassiert sich Röthlin als Dritter hinter dem Eritreer Tadesse Abraham (m.), und dem Kenianer Abraham Tondoi (l.). (17.9.2011)
Sein letzter Erfolg: Am Greifenseelauf 2011 klassiert sich Röthlin als Dritter hinter dem Eritreer Tadesse Abraham (m.), und dem Kenianer Abraham Tondoi (l.). (17.9.2011)
Keystone
Amtierender Europameister: Viktor Röthlin läuft an der EM in Barcelona ins Ziel. (1.8.2010)
Amtierender Europameister: Viktor Röthlin läuft an der EM in Barcelona ins Ziel. (1.8.2010)
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Enttäuschung in Peking: Viktor Röthlin erreicht beim Marathon der Olympischen Spiele 2008 in Peking den 6. Platz. (24.8.2008)
Enttäuschung in Peking: Viktor Röthlin erreicht beim Marathon der Olympischen Spiele 2008 in Peking den 6. Platz. (24.8.2008)
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Letzter Schweizer Rekord mit 2:07:23 Stunden: Silbermedaillengewinner Viktor Röthlin mit dem kenianischen Sieger Luke Kibet bei den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka. (25.8.2007)
Letzter Schweizer Rekord mit 2:07:23 Stunden: Silbermedaillengewinner Viktor Röthlin mit dem kenianischen Sieger Luke Kibet bei den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka. (25.8.2007)
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Röthlins zwei bisherige Läufe in New York spannen sich wie ein Rahmen um seine erfolgreichste Phase als Sportler. 2005 lief er in den 7. Rang und setzte seine erste internationale Marke. Danach reihte er einen Erfolg an den anderen: Silber 2006 an den EM in Göteborg, Bronze 2007 an den WM in Osaka, Schweizer Rekord 2007 in Zürich (2:08:20) und 2008 in Tokio (2:07:23), Olympia-Diplom 2008 in Peking und Gold 2010 an den EM in Barcelona. Bloss 14 Wochen nach seinem Coup in Spanien musste Röthlin ausgerechnet in New York wieder einen Dämpfer hinnehmen.

Der Schweizer strich vor Jahresfrist bei seinem 20. Marathon zum dritten Mal vorzeitig die Segel. Die Läufe 1999 in Berlin und 2004 an den Olympischen Spielen in Athen hatte er ebenfalls nicht beendet. Vergangenen Herbst, nach einer zu kurzen Vorbereitungszeit, lag die Erklärung für ein allfälliges Scheitern schon vor dem Start bereit. Doch auch Röthlins letzter Marathon im Frühling in London verlief nicht nach Wunsch. Der 11. Rang in 2:12:44 Stunden entsprach nicht seinen Vorstellungen. Die zwei enttäuschenden Auftritte setzen den Schweizer nicht zusätzlich unter Druck. Seit seinen Lungenembolien im Jahr 2009 betrachtet er alles als Zugabe. «Meine Erfolge nimmt mir niemand mehr», sagt Röthlin.

Erstmals Vater

Röthlin, der zu Beginn des kommenden Jahres erstmals Vater wird, plant nach den Olympischen Spielen einen fliessenden Übergang vom Leistungssport ins Berufsleben. Die Weichen für den Erfolg als Geschäftsmann hat der mit einer Kinderärztin verheiratete Läufer längst gestellt. Röthlin ist ein beliebter Gastreferent, er organisiert Laufwochen oder er wirkt zusammen mit Markus Ryffel und Christian Belz als Running Coach. Als diese Aktivitäten hat er in seiner Firma Vikmotion vereint.

Doch sein eigentlicher Beruf sei immer noch Spitzensportler, betont Röthlin. All zu grosse Kompromisse nehme er nicht in Kauf. Deshalb hatte er im Oktober für die Laufwochen in der Toskana auch ein Höhenzelt im Reisegepäck. Das letzte seiner drei Höhentrainingslager im Südtirol und im Engadin fiel wegen seiner Funktion als Coach kürzer aus als geplant. So genoss er in Italien seine täglich neun Stunden Schlaf in künstlich-sauerstoffarmer Luft und kompensierte so die fehlenden Nächte auf dem Muottas Muragl.

«Ich habe hart trainiert», sagte der in Nidwalden wohnhafte Obwaldner vor dem Abflug am Mittwoch. Einzig eine Erkältung habe ihn leicht behindert, ansonsten sei alles planmässig verlaufen. In der Trainingsgestaltung nahm Röthlin wie immer Modifikationen vor. Um den Körper zu reizen, wird variiert. Neben den standardisierten Elementen wie den Long Runs über 30, 35 oder 38 km sowie diversen Intervall-Einheiten (zum Beispiel zehnmal 1000 m) standen diesmal vermehrt Bergläufe im Programm.

Hauptprobe für London 2012

Die Organisatoren des New York City Marathon verzichten auf das Engagement von Schrittmachern. Röthlin geht von einem taktischen Rennen aus, der Lauf wird Meisterschaftscharakter haben. Neben den finanziellen Aspekten - die offerierte Startgage der Berliner Veranstalter lag klar unter dem New Yorker Angebot - ist dies ein Hauptgrund, weshalb die Wahl auf die US-Metropole fiel. Der Lauf am Sonntag dient auch als Hauptprobe für die Olympischen Spiele in London, Röthlins letzten grossen Wettkampf.

Einige Spitzenläufer werden nach dem Motto «alles oder nichts» losrennen und auf der zweiten Streckenhälfte die Quittung erhalten. Sofern sich um Röthlin eine Verfolgergruppe bildet, hat er mit einem starken Finish intakte Chancen, in die Top Ten vorzustossen. In New York, einem Einladungsrennen auf einer langsamen Marathonstrecke, zählt der Rang und nicht die Zeit. «Die Top Ten wären sehr gut, die Top 5 ein Riesending», lautete Röthlins Einschätzung mit Blick auf die provisorische Startliste.

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