Gleiches Preisgeld? Im Golf in weiter Ferne

Im Vergleich zu den Männern erhalten die Frauen deutlich weniger. Das Majorturnier in Evian bekämpft diese Situation.

615'000 Dollar bekommt die Siegerin in Evian. Foto: Stuart Franklin (Getty)

615'000 Dollar bekommt die Siegerin in Evian. Foto: Stuart Franklin (Getty)

René Stauffer@staffsky

Jacques Bungert ist an den Evian Championships ein Mann der ersten Stunde. Der Vizepräsident hat erlebt, wie das Turnier 1994 mit 232500 Dollar Preisgeld entstand, wie es 2013 als fünfter Anlass der Frauen den Status eines Major erhielt, als einzige Station im Golf ausserhalb der USA und Grossbritanniens. Und wie es 25 Jahre später schon 4,1 Millionen Dollar ausschüttet. Am Sonntag wartet auf die Siegerin ein Check über 615'000 Dollar.

Eine stolze Summe. Im Vergleich zu den Männern aber nur ein besserer Trostpreis, denn im Gegensatz zum Tennis, wo die Preisgeldgleichheit an den vier Grand Slams längst Tatsache ist, klaffen die Entschädigungen im Golf – wo die grössten Turniere nicht parallel ausgetragen werden – auseinander. So erhielt Shane Lowry als Champion des British Open in Royal Portrush am vergangenen Sonntag 1,89 Millionen Dollar, für die Siegerin am gleichen Turnier der Frauen nächste Woche sind es 675'000 Dollar – gut ein Drittel.

«Wir arbeiten daran, dass sie irgendwann gleich viel erhalten. Aber der Weg ist weit.»Jacques Bungert

Bungert missfällt diese Situation. «Es gibt keinen Grund, weshalb die Frauen im Golf weniger verdienen sollten als die Männer», sagt er. «Wir arbeiten daran, dass sie irgendwann gleich viel erhalten. Aber der Weg ist weit.» Evian ist in der Gestaltung des Preisgeldes nicht unabhängig, hat aber für Bewegung gesorgt. So erhöhte das British Open der Frauen sein Preisgeld 2019 gleich um 40 Prozent.

Dabei sagt Bungert, dass ein Weltklasseturnier der Frauen für Evian sogar interessanter sei als eines der Männer. «Wir hatten etwa in Japan und Südkorea bessere TV-Zahlen als viele Männerturniere.» Auch für die Sponsoren brächten die Frauen mindestens gleich viel. Sie seien zudem sympathischer und zugänglicher – und hätten in Evian auch noch nie Startgarantien erhalten.

Das Wunder vom Genfersee

Dass Evian zum 5. Majorturnier werden konnte, während es Frauengolf gerade in Europa schwer hat, Sponsoren zu finden, sei ein kleines Wunder, sagt Bungert. Dafür verantwortlich sei die spezielle Konstellation, denn dem Konzern Danone, zu dem Hauptsponsor Evian (Mineralwasser) gehört, ist auch Besitzer der Golfanlage und einiger Hotels in der Umgebung. «Dazu blieben wir immer unabhängig, ohne internationale Agentur, die den Gewinn abgesahnt hätte.» Zentral sei als treibende Kraft von Anfang an zudem die Genfer Uhrenfirma Rolex gewesen. «Und dazu hatten wir sofort sehr gute Spielerinnen, damals auch viele aus Europa, wie Annika Sörenstam oder Laura Davies.»

Das hat sich allerdings geändert. In den Top 20 gibt es jetzt nur eine Europäerin (Ciganda auf Rang 15) – dafür 13 Asiatinnen.

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