Fünf Jahre, vier EM-Medaillen

Max Heinzer gewann an der Fecht-EM in Montreux Silber im Einzel – Kauter, Steffen und Borsky enttäuschten.

Erst im Final gestoppt: Max Heinzer (rechts) verlor gegen die Weltnummer 1 Gauthier Grumier. Foto: Valeriano Di Domenico

Erst im Final gestoppt: Max Heinzer (rechts) verlor gegen die Weltnummer 1 Gauthier Grumier. Foto: Valeriano Di Domenico

Gold verloren oder Silber gewonnen? Max Heinzer musste nach einem langen Wettkampftag und der Siegerehrung im pompösen Stravinski-Auditorium im Kongresszentrum von Montreux nicht lange überlegen. «Ich bin sehr glücklich mit Silber, ich bin überhaupt nicht enttäuscht, habe alles versucht, alle Energie aus mir herausgeholt», ratterte er seine Gefühle ein wenig roboterhaft herunter und ergänzte, die Franzosen hätten mit Gauthier Grumier ihre Favoritenrolle ausgespielt. 12:15 war Heinzer der Nummer 1 der Welt im Final unter­legen, die Gründe für die Niederlage konnte oder wollte der 27-Jährige nicht genau benennen, mitgespielt hatten aber wohl mehrere Faktoren.

Im Halbfinal hatte er sich mit Gabor Boczko ein aufreibendes Gefecht geliefert, wobei ihn der Ungar lange Phasen ans hintere Ende der Bahn drängte und Heinzer aus der Defensive agieren musste. Was ihm äusserst gut gelang. Er erarbeitete sich einen scheinbar komfortablen Vierpunktevorsprung (10:6) und forderte das Publikum wie schon den ganzen Tag über wild gestikulierend zu mehr Stimmung auf. Auch dies gelang ihm, allerdings stürzte er bei der nächsten Aktion und verletzte sich an der Fechthand leicht. Der Physiotherapeut pflegte ihn mit Eisspray, gegen einen Verband wehrte sich Heinzer jedoch, weil er befürchtete, die Bewegungs­freiheit sei damit eingeschränkt.

Kniefall mit Urschrei

Er büsste nun seinen Vorsprung ein, weil vielleicht doch nicht mehr die ganze Kraft da war. Und dennoch konnte er bis zum Ende und einem 14:14 mit Boczko mithalten, das war der Moment, der eine Entscheidungsminute nötig machte. Für die Zuschauer ist dies die spannendste Phase, für die Fechter natürlich die nervenaufreibendste. Heinzer gelang grandios der Punkt, was gleichbedeutend mit der Finalqualifikation war.

Mit acht Weltcupsiegen ist Heinzer der erfolgreichste Schweizer Fechter, über Bronzemedaillen an Europameisterschaften war er allerdings bis jetzt nie hinausgekommen. 2011, 2012 und 2014 belegte er Platz 3, und als ihm mindestens dieser gestern auch wieder sicher war, gab es für ihn kein Halten mehr.

Seine Erleichterung, nach dem Weltcupsieg in Heidenheim Anfang Jahr und dem 2. Platz vor zwei Wochen in Rio an der EM erneut zu den Medaillengewinnern zu gehören, entlud sich in einem Sprint die Bahn hinauf und hinunter, einem zweiten Durchgang mit schwingendem Arm und einem Kniefall mit Urschrei. Nach dem Halbfinal dann schien er nur noch erschöpft und blieb auf der Bahn liegen.

Heinzer hatte im Lauf des Tages schwierige Augenblicke gemeistert, zu Beginn des Turniers aber auch ein bisschen Genugtuung erfahren. Als er nach den Vorrundengefechten auf den Russen Anochin traf, war dies auch ein Wiedersehen mit dem einstigen Nationalcoach Angelo Mazzoni. Trotz Plan, zusammen mit seinem Trainerkollegen ­Gianni Muzio die Schweizer nächstes Jahr an die Olympischen Spiele von Rio zu führen, wechselte Mazzoni nach Russland. Anscheinend gelang ihm aber nicht, Anochin auf die Nummer 4 der Welt einzustellen, der Schweizer siegte überlegen 15:4.

Die Ernüchterung

So erfreulich der Tag für Heinzer endete, so enttäuschend und ernüchternd verlief er für die anderen drei Teammitglieder. Weder Benjamin Steffen (21.), Fabian Kauter (26.) noch Peer Borsky (31.), mit 24 Jahren der jüngste und unerfahrenste, schafften den Sprung unter die besten 16. Steffen kam von Anfang an und nach einigen misslungenen Aktionen das Selbstvertrauen abhanden. Kauter ärgerte sich über passive Gegner, gegen die «ich das Gefecht mache und sie dann die Punkte». Und Borsky glaubte, auch gegen den italienischen Vulkan Paolo Pizzo, ein äusserst erfahrener Offensivfechter, hätte es ein Rezept gegeben. Zur Stärkung für den Teamwettbewerb vom Mittwoch haben diese Leistungen kaum beigetragen, selbst wenn alle beteuern, das sei bis dann vorbei und vergessen.

Resultate, Seite 34

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