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Dopingkontrollen in Peking waren nachlässig

Das Team der Anti-Doping-Agentur Wada stellt in seinem Kontrollbericht zu Peking grobe Mängel fest. Bis 300 von 4770 Testresultaten sollen fehlen.

Wie hatte sich IOK-Präsident Jacques Rogge nach den Spielen in China gefreut. Statt seiner im Vorfeld prognostizierten 30 bis 40 Dopingfälle musste der Belgier bloss deren 9 bekannt geben. Der Herr der Ringe behauptete vergangene Woche deshalb kühn: «Das IOK ist beim Kampf gegen Doping seit Peking glaubwürdiger denn je.» Die Freude dürfte Rogge nach dem 50-seitigen Bericht einer Expertengruppe der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) nun rasch vergangen sein. Das Wada-Team war zum fünften Mal an Spielen dabei und überprüfte als unabhängige Instanz die Kontrollmechanismen und die Abläufe vor Ort. Selber testen darf die Wada an Olympischen Spielen nicht, dazu ist nur das IOK befugt.

Glaubwürdigkeit in Frage gestellt

Was die Experten feststellten, lässt allerdings an der Sauberkeit von Peking und der Glaubwürdigkeit des IOK im Kampf gegen Doping zweifeln. Schliesslich fehlen von den 4770 durchgeführten Tests (33 Prozent mehr als 2004 in Athen) 300 Kontrollergebnisse. Das IOK begründet die hohe Zahl damit, mit der administrativen Aufarbeitung der Datenmenge noch in Rückstand zu sein. Trotzdem musste es den Wada-Spezialisten auf Nachfrage zugestehen, einige Resultate würde man wohl nie kennen, im schlimmsten Fall gar alle dieser 300 Tests.

Damit nicht genug: Jeder Spitzenathlet hat seiner nationalen Anti-Doping-Agentur anzugeben, wo er sich 24 Stunden am Tag aufhält, um für unangekündigte Kontrollen auffindbar zu sein. Während der Spiele von Peking kamen aber nur 102 von 205 nationalen olympischen Verbänden dieser Informationspflicht nach - einige gar erst auf Nachfrage. Obwohl das IOK diese Unterlassung gemäss Statuten hätte sanktionieren können, schaute es generös weg.

Ebenfalls alles andere als vorbildlich verhielten sich die IOK-Labors mit 140 Tests, die zwar keine zweifelsfreie Überführung erlaubten, aber zumindest als «auffällig» eingestuft werden mussten. Statt diese Proben als «untypisch» zu vermelden, wie es bei Labors Standard sein sollte, werteten die Peking-Kontrolleure diese Kontrollen schlicht als «negativ».

Keine Zweifel

Arne Ljungqvist, Chef der Medizin-Kommission des IOK, redete sich damit heraus, die internationalen Verbände der betroffenen Sportler seien unterrichtet worden. Diese hätten die auffälligen Athleten nach den Spielen dann selber weiter testen können.

Ob all dieser Mängel erstaunte das Fazit der unabhängigen Experten: Die Kritik rechtfertige keine Zweifel an den Testergebnissen, die olympischen Anti-Doping-Kämpfer hätten ausgezeichnet gearbeitet. An dieser Aussage dürfte sich IOK-Präsident Jacques Rogge gefreut haben.

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