Nervös und chancenlos

Die Schweizer verlieren bei der EM-Premiere gegen Schweden 21:34. Für ein besseres Resultat passte viel zu wenig zusammen.

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Es sei ein Spiel zum Geniessen. «Wenn wir mit dieser Einstellung in den Match gehen, dann haben wir eine Chance», hatte Andy Schmid, hatten fast alle Schweizer gesagt. Das war ein Wunschdenken, die Realität sah ganz anders aus. Dreimal gingen die Aussenseiter im ersten EM-Spiel seit 2006 in Führung, dann kehrte das Spiel, am Ende wurde es eine brutale 21:34-Niederlage.

Die Schweiz hatte auf dem Weg an die EM die letzten fünf Testspiele gewonnen. Sie hatte auch vor noch nicht so langer Zeit in Düsseldorf vor über 11'000 Zuschauern die Deutschen geschlagen. Doch der erste EM-Match war, das kam für einige überraschend, dann doch eine ganz andere Sache. Viele konnten ihre Nervosität nicht verbergen. Vieles, das früher so gut geklappt hatte, blieb Stückwerk.

Auch das Angreifen mit sieben Feldspielern. Statt mit dieser taktischen Variante wieder ins Spiel zu finden, verloren die Schweizer in dieser Phase den Anschluss. Beim Stand von 3:6 nahm Suter seinen Goalie vom Feld, ganz kurz ging es gut. Aber nach dem 5:7 kassierten die Schweizer vier Gegentore, drei davon ins leere Tor, es hiess 5:11. Am Ende hatten die Schweden den Ball nicht weniger als fünfmal ins verlassene Schweizer Gehäuse geworfen.

Der Goalie trifft zweimal

Zweifacher Torschütze war Andreas Palicka, der schwedische Goalie. Er wurde von den Schweden als Matchwinner gefeiert, die Schweizer machten ihm seine Aufgabe allerdings auch nicht besonders schwer.

Trainer Michael Suter nahm gleich nach dem Match die Mannschaft zusammen, um erste Korrekturen anzubringen. Er hatte vor dem Match versucht, seinen Leuten die Nervosität zu nehmen, alles versucht, damit sie sich nur auf den Match konzentrierten. Aber dann war für viele diese grosse Bühne doch noch ein bisschen gar neu.

Lenny Rubin gelang fast nichts, Maximilan Gerbl verwarf früh, Dimitrij Küttel traf nicht. Und beinahe alle, die für sie aufs Feld kamen, machten es nicht viel besser. Ein Beispiel für die fehlende Abgeklärtheit: Die Schweizer verschossen drei von vier Siebenmetern. Marvin Lier, im ganzen letzten Jahr die Nummer 1 in dieser Disziplin und fast fehlerlos, setzte einen seiner zwei Fehlversuche gar weit übers Tor. Auch Andy Schmid verwarf einmal vom Siebenmeterpunkt. Der Spielmacher begann überragend, dann wurde er vom Schweden Max Darj in der vierten Minute auf den Rücken gelegt. Das schmerzte, und ab dann war auch Schmid nicht mehr top. Es fehlte aber auch die Unterstützung von links oder rechts.

Trotz Niederlage stolz

«Wir haben eigentlich gut angefangen», sagte der 36-Jährige. Aber dann verwarfen wir zu viele Bälle.» Und ab und zu machte es fast den Eindruck, als ob seine Nebenspieler den Wurf verweigerten. Aber jetzt, so sagte er auch, habe jeder seinen ersten EM-Match hinter sich. Und irgendwie sei er trotz der klaren Niederlage stolz. «Es war ein grossartiger Moment in dieser Halle.» Einmal kam die Schweiz in Hälfte 2 auf fünf Tore heran (19:24), dann folgte erneut ein Bruch. Für Schmid war schon vor dem Turnier klar gewesen, dass für die Schweiz die EM eigentlich erst mit dem zweiten Match beginnt. Und in diesem warten am Sonntag die Polen. Sie verloren ihr Auftaktspiel gegen Slowenien 23:26.

Um weiter im Turnier zu bleiben, müssen die Schweizer siegen. Das können sie nur, wenn sie besser werden. Das betrifft auch die Defensive und die Goalies. Und eine Angriffsauswertung von weniger als 50 Prozent darf man sich dann nicht leisten.

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