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Die schöne Hoffnung an der Leichtathletik-WM

Lisa Urech startet für die Schweiz an den Titelkämpfen in Daegu im 100-m-Hürdenlauf und darf sich Hoffnungen auf einen Finaleinzug machen.

Hält mit 12,62 Sekunden den Schweizer Rekord über 100 m Hürden: Urech am Meeting in Luzern. (21. Juli 2011)
Hält mit 12,62 Sekunden den Schweizer Rekord über 100 m Hürden: Urech am Meeting in Luzern. (21. Juli 2011)
Keystone
An den Weltmeisterschaften in Daegu will sie unter die Top 8: Lisa Urech in Bern. (07. Juli 2011)
An den Weltmeisterschaften in Daegu will sie unter die Top 8: Lisa Urech in Bern. (07. Juli 2011)
Keystone
Mit zwanzig Jahren bereits zum zweiten Mal Schweizer Meisterin: Lisa Urech siegt im Zürcher Letzigrund mit einer Zeit von 13,01 Sekunden. (2. August 2009)
Mit zwanzig Jahren bereits zum zweiten Mal Schweizer Meisterin: Lisa Urech siegt im Zürcher Letzigrund mit einer Zeit von 13,01 Sekunden. (2. August 2009)
Keystone
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Eine Top-8-Klassierung hat sich Swiss Athletics für die Weltmeisterschaften in Daegu zum Ziel gesetzt. Neben der Staffel der Männer kommt dafür nur noch Hürdensprinterin Lisa Urech infrage. Die Emmentalerin bestreitet in der Nacht auf Freitag ihren Vorlauf.

Lisa Urech nimmt den Wettkampf mit der sechstbesten Zeit aller Athletinnen in diesem Jahr in Angriff. Dieser Statistik zufolge wäre es eine Enttäuschung, würde sich die 22-Jährige nicht für den Final qualifizieren. Dem ist allerdings nicht so. Denn die am 3. Juli in La Chaux-de-Fonds gelaufenen 12,62 Sekunden entsprechen nicht dem derzeitigen Potenzial Urechs, sondern sind ein Ausreisser nach oben. Dies verdeutlichen ihre nächstbesten fünf Zeiten in diesem Jahr: 12,80, 12,84, 12,89, 12,90 und 12,94. Beim Diamond-League-Meeting in Lausanne lief sie zwar 12,72, allerdings war der Rückenwind mit 3,3 m/s deutlich zu stark (erlaubt sind 2,0 m/s). Zudem ist ein Wettkampf in La Chaux-de-Fonds etwas komplett anderes als Weltmeisterschaften.

Zeit um 12,70 gefordert

Aber klar ist, dass Urech von einer Finalteilnahme träumen darf. Gerade im Hürdensprint kann viel passieren, wie man im Final der Männer gesehen hat, in dem der Kubaner Dayron Robles als Sieger wegen Behinderung nachträglich disqualifiziert worden ist. Nimmt man die letzten zwei Welttitelkämpfe zum Vergleich, ist für den Sprung in die Top 8 eine Zeit um 12,70 gefordert – 2007 in Osaka waren es 12,68, 2009 in Berlin 12,73. «Wir gehen davon aus, dass Lisa im Halbfinal in den Bereich ihrer Bestleistung laufen muss, um sich für den Final zu qualifizieren», sagte Urechs Trainer Sven Rees. «Daran haben wir uns im Training orientiert.»

Die Aussagen des Deutschen unterstreichen, dass das Überstehen der ersten Runde Pflicht ist. Dies umso mehr, als Urech an der Medienkonferenz im Welcome Center am Haupteingang des Athletendorfes vermeldete: «Ich fühle mich wohl und fit. Es passt.» Auch das Abschlusstraining am Dienstag verlief nach Wunsch, Rees sprach von «erster Qualität». Urechs Eindrücke vom Stadion und von der Bahn sind ebenfalls positiv: «Der Belag liegt mir, und die Atmosphäre ist schön. Jetzt geht es noch darum, mich zu erholen, bis am Freitag Energie und Kraft zu tanken.»

«Ich bin lockerer»

Die Vorzeichen scheinen diesmal besser als vor ihrem ersten grossen Ziel in diesem Jahr, den U-23-Europameisterschaften in Ostrava, wo sie zwar die Silbermedaille gewann, jedoch weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Damals hatte es schon vor den Einsätzen nicht gestimmt. Daraus zog sie nun die Lehren. «Ich bin lockerer. Es reicht, wenn ich einen Tag vorher an den Wettkampf denke und nicht schon zu viel Energie verliere», sagte Urech. «Ich muss nicht etwas Spezielles machen, nur weil es WM heisst.» Sie versuche sich einfach wie vor einem «normalen» Rennen vorzubereiten. In der Diamond League sei sie bislang immer gut gelaufen.

In der Tat: 2010 in Zürich und dieses Jahr in Rom war sie Vierte geworden, in Lausanne belegte sie Rang 5. Die dort gesammelten Erfahrungen bezeichnete sie als «sehr nützlich für diese WM». Solche Rennen würden sie vorwärtsbringen. Deshalb hofft sie, im nächsten Jahr häufiger international starten zu können. Gelassen nimmt Urech die Tatsache hin, dass sie die grösste Schweizer Hoffnung an diesen Titelkämpfen ist. «Ich mache mir keinen Druck.» Würde sie dies tun, wäre die Wahrscheinlichkeit grösser, die Leistung nicht zu bringen.

Fokus auf das Wesentliche

Mit den Gegnerinnen – die Topfavoritin ist die australische Jahresschnellste Sally Pearson, die heuer noch ungeschlagen ist – setzt sich Urech nicht gross auseinander. Sie fokussiert auf das, was sie beeinflussen kann. Sven Rees: «Grundsätzlich haben wir beide uns dazu entschlossen, uns mit diesen Themen gar nicht zu beschäftigen. Wir haben unsere eigene Aufgabe. Meine ist es, Lisa vor dem Vorlauf in die bestmögliche Verfassung zu setzen. Lisas Aufgabe ist es, diese Verfassung zu nützen und umzusetzen. Mit mehr wollen und können wir uns nicht beschäftigen, weil wir uns damit schwächen würden.»

Den letzten Schliff für Daegu hat sich Urech auf Mallorca geholt, wo ihr Trainer die Akzente im Schnelligkeitsbereich gesetzt hat. Zudem war der Aufenthalt auf der spanischen Insel ideal, um sich an die Wärme in Südkorea zu gewöhnen. Nun gilt es für die Athletin des SK Langnau «nur» noch, das Potenzial abzurufen. «Ich habe nichts zu verlieren», sagt Urech.

Sascha Fey/ Daegu

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