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Die Olympiahüter bewegen sich endlich

Das IOK gibt sich einen Monat, bis es festlegt, ob die Spiele verschoben werden. Eine Absage schliesst es aus.

MeinungChristian Brüngger
Gibt es Spiele oder nicht? Das IOK zögert. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)
Gibt es Spiele oder nicht? Das IOK zögert. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Plötzlich ist alles anders. Dabei hatten die Hüter der Olympischen Spiele noch zur Wochenmitte behauptet: Bis zu den Sommerspielen vom Juli verbleibe ganz viel Zeit, darum brauche es trotz Corona-Krise momentan keine drastischen Entscheide. Am Sonntagabend folgte die Wende: Das Internationale Olympische Komitee (IOK) teilte mit, sich im Idealfall binnen vier Wochen zu entscheiden, was mit dem grössten globalen Sportanlass passieren werde. Eine Absage schloss es ausdrücklich aus – im Gegensatz zu einer Verschiebung.

Erstmals gestanden die obersten Sportfunktionäre öffentlich ein, dass selbst ihr Prestigeprodukt von der Pandemie tangiert sein könnte. Dass sie sich bewegten, innert Tagen, hängt mit den immer lauteren Stimmen von Athleten, Verbänden und Nationalen Olympischen Komitees zusammen. Am Freitag forderte der US-Schwimmverband eine Verschiebung, am Samstag der US-Leichtathletik-Verband, beides gewichtige Stimmen.

Es folgten die norwegischen Olympiafunktionäre und jüngst die deutschen Olympiafahrer. Sie wollen demnächst darüber abstimmen, ob sie teilnehmen wollen. Ihr Landsmann Thomas Bach, der IOK-Präsident, hat seine Deutungshoheit eingebüsst. Denn weil das IOK stets betont, die Athleten prioritär zu behandeln, kann es nun nicht anders, als sich diesem anschwellenden Unmut übers Hinhalten anzunehmen. Je länger die Funktionäre den Entscheid nämlich hinauszögern, desto grösser wird der Gewissenskonflikt der Sportler. Während sie an ihrer Form feilen sollen, sterben zurzeit täglich Tausende von Menschen, wird das Leben aufs Minimum heruntergefahren.

Nun ist für alle Olympiabeteiligten der Zeitrahmen gesetzt – und klar: Spätestens in vier Wochen wissen sie, woran sie sind. Man braucht kein Prophet zu sein, um sagen zu können: Das IOK wird diese Spiele von Tokio verschieben (müssen). Es ist der logische Entscheid, auch wenn Japan bereits mehr als 13 Milliarden Franken investiert hat und sich die Politik noch fest an die Durchführung im Juli klammert. Zuletzt aber sagten fast 70 Prozent der japanischen Bevölkerung in einer grossen Umfrage, nicht mehr an die Spiele im Sommer zu glauben.

Das IOK musste wiederum feststellen, wie ihm der Zeitplan entgleitet: Erst 57 Prozent der erwarteten 11’000 Athleten konnten sich bislang qualifizieren, weil die Wettkämpfe ausgesetzt sind. Nun ist diese emotionale Sondersituation für alle Beteiligten bald gelöst.

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