Die Golfikone schlägt zurück

Tiger Woods hat sich wieder in die Weltelite des Golfsports gespielt. Für das kommende Masters gehört er sogar zu den Mitfavoriten.

Hat wieder Grund zu lächeln: Tiger Woods.

Hat wieder Grund zu lächeln: Tiger Woods.

(Bild: Getty Images)

Ausgebrannt sah er aus. Die Augenringe waren gross, der Blick wirkte apathisch, leer. Knapp zehn Monate ist es her, als Tiger Woods in der Nähe seines Wohnorts in Jupiter, Florida, verhaftet wurde. Die Polizei fand die einstige Golfikone hinter dem Steuer schlafend auf. Woods hatte kurz zuvor zahlreiche Medikamente eingenommen. Bei der Verhaftung wirkte er völlig zugedröhnt, wusste nicht, wo er war. Woods’ Polizeifoto ging um die Welt. Nach dem sportlichen Niedergang und zahlreichen Operationen an seinem lädierten Körper war dieses Bild eines gebrochenen Sportlers symbolisch für seine Laufbahn. Die Medien prophezeiten den baldigen Rücktritt, die amerikanische ESPN titelte: «Es gibt keinen Silberstreifen mehr für Tiger Woods».

Vergangenes Wochenende nahm Woods in Orlando beim Arnold Palmer Invitational teil – und setzte ein deutliches Ausrufezeichen. Drei Runden blieb er unter 70 Schläge, am Ende belegte er Rang 5. Lange konnte er sogar um den Tagessieg, der an Rory McIlroy ging, mitspielen. Nach dem Turnier schrieb der 42-Jährige auf Twitter: «Ich spüre, dass es mir immer besser geht.» Die Konkurrenz ist wieder aufmerksam. Der ehemalige Dominator scheint kurz vor dem Masters wie ein Phönix aus der Asche auferstanden zu sein. Die Golf-Welt fragt sich: Wie hat er das geschafft?

Fehlendes Vertrauen in den Körper zurückgewonnen

Nach der Verhaftung liess sich Woods behandeln, besuchte eine Entzugsklinik. Er kämpfte mit Schlafmangel, -störungen sowie Rückenschmerzen und sinnierte über seinen Rücktritt aus dem Profi-Golf. Zu stark schränkte ihn sein Körper ein, der durch Beschwerden an der Achillessehne, Halswirbelsäule, am Handgelenk, eine Diskektomie an der Lendenwirbelsäule, nach Muskelzucken und zuletzt vier Operationen am Rücken in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dennoch kehrte er im Spätherbst auf den Bahamas für ein Wohltätigkeitsturnier zurück.

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Woods zeigte eine ansprechende Leistung, blieb in drei von vier Runden unter 70 Schlägen. Nach dem Turnier gab er sich euphorisch: «Ich bin bereit für eine strahlende Zukunft. Für eine Zukunft ganz ohne Schmerzen.» Es waren ungewohnt optimistische Töne, die offenbarten, dass Woods bereit war, sein verlorenes Vertrauen in den eigenen Körper wiederzufinden. Dieses Vertrauen wurde zusätzlich gestärkt, als kurz vor Weihnachten der Arzt ihm die Erlaubnis gab, seinen Schwung wieder voll durchzuziehen. Topgolfer wie McIlroy oder Dustin Johnson hofften auf eine baldige Rückkehr der Golfikone, der Südafrikaner Ernie Els, Woods’ Dauerrivale, sagte: «Wichtig ist zuerst einmal, dass er überhaupt wieder spielt. Auf das Resultat wird niemand schauen.»

Die Dankbarkeit der Fans und Konkurrenz

Der Amerikaner entschied sich, auf die PGA-Tour zurückzukehren. Im Januar gab er sein Comeback in San Diego. Das Resultat: ein 23. Rang und ein schmerzfreier Woods. Es folgten weitere Turniere in Santa Monica und Florida. «Mit jedem Wettkampf fühlt es sich auf dem Platz etwas sicherer und besser an», sagte der 42-Jährige. Die Resultate gaben ihm recht. Sukzessive arbeitete er sich in den Ranglisten vor. In Santa Monica spielte er sich in die ersten 15, in Florida landete er sogar auf Rang 2.

Beim Turnier in Palm Harbor Anfang März verpasste er den Sieg nur um einen einzigen Schlag und tweetete danach: «Was für eine wunderbare Woche. Die Fans, die Atmosphäre, das Adrenalin, die letzten neun Löcher am Sonntag – wie habe ich das alles vermisst.» Zur Erinnerung: Woods gewann letztmals vor fünf Jahren ein PGA-Turnier.

Konkurrenten und Fans waren gleichzeitig überrascht und begeistert von den Leistungen des wiederstarkten Amerikaners. «Das Gebrüll ist wieder da. Es macht Spass zu sehen, dass die Fans wieder durchdrehen», sagte Profi-Golfer Brandt Snedeker. Els meinte sogar: «Er spielt und schwingt wieder wie in seinen besten Tagen.» Und die Szene hat anscheinend ihr Aushängeschild zurück.

Was ist beim ersten Saisonhöhepunkt möglich?

In der Weltrangliste machte Woods innerhalb weniger Monate 283 Plätze gut, liegt nun auf Position 105. Nach dem Auftritt in Orlando stellt sich nun die Frage: Ist er sogar bereit für den grossen Coup? In zwei Wochen beginnt das Masters, der erste Höhepunkt der Saison. Experten zählen Woods zu den Mitfavoriten und trauen ihm sogar seinen fünften Masters-Triumph – der Letzte datiert aus dem Jahre 2005 – zu. «Ich habe mich auf dem Grün ziemlich gut gefühlt», sagte Woods nach seinem fünften Platz. Sinnbildlich war seine Geste nach Abschluss der dritten Runde: Er ballte die Faust in Richtung der Fans.


Video – Hier muss Tiger Woods ins Röhrchen pusten

Nach der Verhaftung: Der Golf-Superstar soll unter Rauschmitteleinfluss Auto gefahren sein. (Video: Tamedia)

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