Der sanfte Riese startet durch

Vom Lehrling zum Schlüsselspieler: Der Schweizer Clint Capela hat sich in Houston zu einem der besten Center entwickelt.

Wuchtig sucht er den Korb: Clint Capela punktet im Heimspiel gegen die Utah Jazz seines Landsmanns Thabo Sefolosha.

Wuchtig sucht er den Korb: Clint Capela punktet im Heimspiel gegen die Utah Jazz seines Landsmanns Thabo Sefolosha. Bild: Keystone

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Wenn Jugendliche Träume definieren, handeln diese oft von Ruhm, Geld oder Macht. Einer will Präsident werden, ein anderer Schauspieler, ein weiterer Profi­fussballer. Auch Clint Capela spielte in seiner Jugend Fussball. Doch wenn er träumte, dachte er meist an simplere Dinge. Wie jeden Abend seiner Familie eine gute Nacht wünschen zu können. Capela wollte nur eines: normal sein.

Der Schlaks wuchs in Genf auf, in einem nicht so schönen Stadtteil, wie er das selber beschreibt. Seine Mutter, eine Kongolesin, und sein Vater, ein Angolaner, trennten sich früh. Bald sahen sich Capela und dessen Bruder in einem Wohnheim für sozial benachteiligte ­Jugendliche mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. An jeder Ecke lauerten Verfänglichkeiten. Nicht wenige im ­Umfeld gerieten auf die schiefe Bahn. Der junge Clint aber war anders. Strebsam und pflichtbewusst. Freundlich und gross gewachsen. Ein sanfter Riese.

Erst mit 13 erstmals Basketball entdeckt

Auch über zehn Jahre später charakterisieren die Menschen Capela mit diesen Attributen. Nur sind jene, die den 2,08-Meter-Mann beurteilen, keine Sozialarbeiter oder Lehrer mehr, sondern Exponenten der besten Basketball-Liga der Welt: renommierte Spieler, erfahrene Trainer oder einflussreiche Club­besitzer. Capelas Geschichte ist eine, wie man sie sich in den Vereinigten Staaten gerne erzählt: wie ein Nobody zum Star wurde. Und das in kurzer Zeit.

Erst mit 13 Jahren hielt der Schweizer erstmals einen Basketball in den Händen, sieben Jahre später draftete ihn der NBA-Club aus Houston, und nun, in seiner vierten Saison bei den Rockets, ­gehört er zu den prägenden Spielern des Teams. Ein Aufstieg, der so formidabel in diese Stadt passt, die sich seit jeher über die Raumfahrt definiert.

2017 – das Jahr des Durchbruchs für Clint Capela. Video: Youtube

Als athletischer und reaktionsschneller Center beeindruckt er unter dem eigenen Korb mit seiner Rebound-Quote, in der Offensive mit seiner Treffsicherheit. Beinahe 70 Prozent seiner Würfe führen zu Punkten. Ein Wert, den nicht viele in der NBA überbieten. «Wenn ich mir vorstelle, wie ein moderner Center auszusehen hat, dann denke ich an ihn», sagte Rockets-Coach Mike D’Antoni kürzlich in einem ESPN-Interview. «Ich denke, dass er der beste Center der Liga werden kann.»

Das Lob sagt viel über das Ansehen aus, das Capela in der texanischen Stadt mittlerweile geniesst. Dabei ist es noch nicht so lange her, als in ihm einige nur einen schmächtigen Schweizer sahen, der sein Potenzial nicht auszuschöpfen wusste. Wie damals in seinen Jugend­jahren, liess sich Capela nicht beirren. Er legte Muskelmasse zu, arbeitete an seinen Schwächen.

Einem imponierte das besonders: Houston-Superstar James Harden. Der aktuelle NBA-Topskorer nahm sich den jungen Center zur Brust, wurde sein Mentor und bald auch sein Freund. Auf dem Parkett brillieren sie seit dieser Saison mit ihren Kombinationen, die Capela gerne mit einem spektakulären Dunk abschliesst. Auch weil dieses Duo wunderbar harmoniert, gewannen die Rockets in dieser Saison einmal schon 14 Spiele hintereinander. Es sagt einiges über Capelas neuen Einfluss aus, dass die Serie ausgerechnet dann riss, als er verletzt fehlte.

Wie viele Millionen bekommt er?

Längst fragt man sich in der Liga, ob der Schweizer in diesem Jahr gar fürs All-Star-Spiel nominiert wird. Zur Diskussion steht auch, wie viele Millionen er künftig verdienen soll. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Es sind Themen, bei denen sich Capela wortkarg gibt. Für ihn ist es noch immer keine Selbstverständlichkeit, als Schweizer in der NBA spielen zu dürfen. Umso mehr ehrt es ihn, gegenwärtig als einer der Besten ­bezeichnet zu werden. Über seine ­Zukunft spricht er trotzdem verhalten. Wohl auch, weil er selbst erlebte, wie unberechenbar das Leben sein kann. Deshalb sagt er lieber knapp, dass er im ­Moment einfach glücklich sei.

Es sind Augenblicke, in denen er sich wohl auch immer wieder zurückversetzt. In seine Jugendzeit in Genf. Wo er einst Thabo Sefolosha, den ersten Schweizer in der NBA und heutigen Spieler bei Utah, als Inspirationsquelle definierte. Für so manchen jungen Basketballer ist Clint Capela heute selbst eine. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2018, 12:37 Uhr

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