Der Papa fährt immer mit

Sein Weg in die Formel 1 war gepflastert mit den Millionen seines Vaters. Umso schwerer wird es Lance Stroll nun gemacht, sich Respekt zu verschaffen.

Mein Sohn Lance gehört in die Formel 1! Das fand Lawrence Stroll schon früh und wendete sehr viel Geld auf. Foto: H. Bratic (Pixathlon)

Mein Sohn Lance gehört in die Formel 1! Das fand Lawrence Stroll schon früh und wendete sehr viel Geld auf. Foto: H. Bratic (Pixathlon)

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Die buschigen Augenbrauen schnellen hoch, die rechte Hand kratzt noch etwas fester am linken Arm. Die Entspannung weicht aus seinem Gesicht. Mit einem Mal ist er nicht mehr der glückliche Teenager, der mit Enthusiasmus vom grossen Abenteuer erzählt, in dem er gerade steckt. Er wirkt wie eine Katze, in die Ecke getrieben vom Gegenüber. Eine Katze faucht – er wird einsilbig. Bewirken soll es dasselbe: bitte aufhören damit, mit diesem Bedrängen, in seinem Fall – mit diesen Fragen nach seinem Vater.

Der ist allgegenwärtig, wenn es um ihn geht, Lance Stroll, 18-jährig, Rookie in der Formel 1. Papa Lawrence ist so etwas wie sein hartnäckiger Beifahrer auf seinen Erkundungstouren durch die neue grosse Welt. Kaum ein Termin, bei dem er nicht auf ihn angesprochen wird, den 2,5 Milliarden Franken schweren Mode-Tycoon, der sein Vermögen durch geschickte Investitionen in Marken wie Tommy Hilfiger oder Michael Kors anhäufte. Die wichtigsten aber – und deshalb ist er eben wie nun vor dem Grand Prix von Italien oft ein Thema – ­waren diejenigen in seinen Junior.

90 Millionen Franken sollen es bislang gewesen sein; jüngst besorgte er ihm ein Cockpit bei Williams – für geschätzte 40 Millionen. Den Traum, den er einst träumte, soll sein Sohn leben können, dafür war und ist Lawrence Stroll fast jedes (Geld-)Mittel recht.

Das Auto für 30 Millionen

Nahe ihres Wohnorts Montreal kaufte er eine Rennstrecke, als Lance noch ein kleiner Bub war. Zwar fuhr auch er darauf gerne seine 20 Luxuskarossen spazieren – etwa einen Ferrari aus der 275- GTB-Reihe, Baujahr 1967, Kostenpunkt: 30 Millionen Franken. Vor allem aber drehte Lance dort seine Runden in Karts, in jeder freien Minute, seit er fünf war.

Der Lohn: Mit elf gewann er eine Kartserie und zog das Interesse von Ferrari auf sich, das ihm einen Platz in seinem Förderprogramm anbot – die Strolls zogen samt Tochter Chloe nach Genf. Lance wollte hier ein neues Umfeld aufbauen, doch der Versuch, in einer Schule unterzukommen, scheiterte an seinem sportlichen Programm. Tag für Tag feilten sie an seiner Karriere, daneben wurde Lance privat unterrichtet.

Als er 2014 in den Formelsport wechselte und für das Team Prema in der italienischen Formel 4 antrat, kaufte Papa Stroll kurzerhand Anteile am Rennstall. Gleich ein ganzes Team hätte er gerne erworben, als sein Sohn mit 16 aus Ferraris Programm spediert wurde – die Formel 1 hätte dennoch ein Thema bleiben sollen. Doch die Verhandlungen mit dem Sauber-Team scheiterten.

Er soll nur einmal ­richtig auf die Schnauze fallen, das dachten nicht wenige.

Stroll fand die Lösung in Williams, wo Lance 2016 als Testfahrer unterkam und seit diesem Jahr ein fixes Cockpit hat. Weil Lawrence Stroll nichts von Zufällen hält, stellte er seinem Sohn vor dem grossen Schritt ein 20-köpfiges Privatteam zur Seite, mit dem dieser quer durch Europa tingelte, er liess Rennstrecken sperren, damit sich der Filius ungestört mit dem Formel-1-Auto anfreunden konnte, 8000 Kilometer soll dieser im 2014er-Modell von Williams vor seiner Debütsaison gefahren sein. Daneben spendierte sein Vater dem Team einen neuen Simulator, seine Bedingung: Zunächst darf nur Lance darin testen.

Dann, im letzten Februar, war es für diesen scheinbar perfekt vorbereiteten Jüngling aus Kanada so weit mit dem ersten Auftritt auf grösster Bühne. Doch keiner applaudierte nach seinen Vorstellungen bei den Testtagen in Barcelona, heftige Häme und Kritik schlugen ihm entgegen. Nach zwölf Runden hatte er sich ein erstes Mal gedreht: Trainingsende. Als er tags darauf heftig in einen Reifenstapel prallte, mochte das Team nicht länger zuschauen und liess Routinier Felipe Massa als Ersatz einfliegen.

«Ich habe hart gearbeitet»

Stroll war das belächelte Milliardärssöhnchen, Geld könne eben kein Talent kaufen, höhnte Landsmann Jacques Ville­neuve. Er soll nur einmal richtig auf die Schnauze fallen, in der harten Realität ankommen, das dachten nicht wenige im Fahrerlager. Schliesslich musste er in seiner Kindheit ja nie in klapprigen Wohnwagen neben den Strecken schlafen wie sie, hatte sein Vater nicht drei Jobs annehmen müssen, wie das Anthony Hamilton tat, um Sohn Lewis das teure Hobby zu finanzieren.

Die Augenbrauen schnellen hoch. «Ich glaube, der Antrieb meiner Kritiker ist Neid, nichts anderes», sagt Lance Stroll. Und: «Ich habe mir diesen Weg nicht erkauft. Andere Fahrer sind auch gefördert worden. Irgendwo kommt das Geld immer her. Ich habe hart gearbeitet und meine Meisterschaften gewonnen.»

Podestplatz im Chaosrennen

Tatsächlich lassen sich Strolls Erfolge ­sehen. Die italienische Formel 4 gewann er 2014, ein Jahr darauf die Toyota Racing Series, 2016 mit 14 Siegen in 30 Rennen die europäische Formel 3. «Er hat überall gewonnen, wo er war», sagt der ehemalige Formel-1-Pilot und TV-Experte Marc Surer. «Nun hat er sich auch in der Formel 1 gefangen. Das spricht für sein Können auf der einen und für seine ­optimale Vorbereitung auf der anderen Seite.» Nachdem er bei den ersten drei Rennen jedes Mal wegen einer Kollision ausgeschieden war, hat Lance Stroll in den neun weiteren Grands Prix dreimal gepunktet. Das Chaosrennen von Baku beendete er gar als Dritter.

Er ist dabei, sich allmählich Respekt zu verschaffen. Das muss er jetzt ganz ­alleine hinkriegen, auch wenn sein ­Vater allgegenwärtig ist. Surer sagt es so: «Das Schöne ist, dass man sich Erfolge in der Formel 1 nicht mehr kaufen kann.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2017, 00:33 Uhr

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