Der «beste Dopingarzt» ist wieder aktiv

Während der grösste Dopingskandal der Sportgeschichte zu versanden droht, ist sein Verursacher Eufemiano Fuentes offenbar wieder als Dopingarzt tätig.

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Die ARD machte sich auf die Suche nach Spuren des grössten Dopingskandals, der 2006 im Rahmen der Operacion Puerto aufgeflogen war. Dank Revisionsrichter Arturo Beltran wird das Verfahren gegen Eufemiano Fuentes im Frühjahr 2011 wieder aufgenommen. Der spanische Gynäkologe war von Jesus Manzano, einst selber gedopter Radprofi und Fuentes-Kunde, verraten worden. Prominente Fahrer wie Jan Ullrich, Ivan Basso und auch Alejandro Valverde wurden als Kunden identifiziert.

Das Erdbeben, das sich auf den Radsport beschränkte, liegt nun schon vier Jahre zurück. Die Ermittlungen in Spanien laufen langsam bis gar nicht. «Wahrscheinlich könnte man schon ermitteln, welche Sportler bei Fuentes gedopt haben. Aber da dies für das spanische Strafrecht nicht relevant ist, wurden diese Ermittlungen nicht durchgeführt. Und deshalb werden mit grosser Wahrscheinlichkeit in dem Verfahren gegen Fuentes auch keine neuen Sportlernamen oder Sportarten auftauchen», erklärte der Madrider Oberstaatsanwalt im Interview mit der ARD.

Blutbeutel werden wohl zerstört

Deshalb ist es realistischer, dass die Ermittlungen im Sand verlaufen. Die 96 Blutbeutel, die mutmasslich noch immer im Anti-Doping-Labor von Barcelona lagern, würden dann wohl zerstört werden, wie Revisionsrichter Arturo Beltran vom Oberlandesgericht Madrid der Sportschau erklärte. Rund 50 Namen sind im Rahmen der Ermittlungen bekannt geworden; es handelte sich ausschliesslich um Radprofis. Immer wieder tauchten jedoch Gerüchte auf, dass es sich bei den Fuentes-Kunden aber nicht nur um Radsportler gehandelt hat.

Pat McQuaid, der Präsident des Rad-Weltverbands UCI, hatte einst erklärt, dass ihm die Ermittler bei einem Treffern 2006 gesagt hätten, bei den Kunden handle es sich auch um Fussball, Leichtathleten, Schwimmer und Tennisspieler. So war vor vier Jahren auch eine Aussage Fuentes’ im spanischen Radio zu hören gewesen. Bestätigt wurde diese in der Folge nie. Der Mediziner erklärte hingegen, er werde bedroht, ohne näher darauf einzugehen.

Fuentes arbeitet jetzt auf Gran Canaria

Manzano, der Fuentes als «besten Dopingarzt» bezeichnet, weiss von Ruderern und Leichtathleten, die zum Kundenkreis von Fuentes gehörten. Selbst habe Fuentes von Fussballern erzählt und wie er einst Probleme mit Las Palmas gehabt hätte. In einer Wohnung seien bei der Durchsuchung Blutbilder von Fussballspielern gefunden worden. Die französische Zeitung «Le Monde» schrieb, Real Madrid und der FC Barcelona hätten auch zum Kundenkreis von Fuentes gehört. Die Katalanen klagten – und gewannen.

Die ARD spürte Fuentes in Las Palmas auf den kanarischen Inseln auf. Der Frauenarzt ist dort in einer Privatklinik tätig. Reden will er nicht, und die Kamera des deutschen Fernseh-Teams scheut er wie Vampire das Licht. Es sei genug gesprochen und er genug bedroht worden, findet er. Dann verschwindet er im Zentrum der Krankenkassen wo er gelegentlich Sprechstunde hat. Jesus Manzano behauptet gegenüber der ARD derweil: «Fuentes ist weiterhin aktiv. Er hat nicht mehr so viele Kunden, aber er betreut noch immer Radprofis. Ich habe selber mit einem gesprochen. Es ist ein spanischer Topfahrer.»

DerBund.ch/Newsnet

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