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Defekte Kette sorgt für Leaderwechsel in der Tour

Ein Kettendefekt hat Andy Schleck in der 15. Etappe das Maillot jaune gekostet. Der Luxemburger traf 39 Sekunden nach Alberto Contador im Ziel ein und weist nun acht Sekunden Rückstand auf den Spanier auf.

Vom Missgeschick des Rivalen profitiert: Alberto Contador ist neuer Träger des Maillot jaune.
Vom Missgeschick des Rivalen profitiert: Alberto Contador ist neuer Träger des Maillot jaune.
Keystone

Am Port de Balès, dem letzten von vier Pyrenäen-Pässen, bereitete Andy Schleck 2 km unterhalb der Passhöhe seinen Angriff vor. Der Gesamterste der Tour de France spurtete davon, verfolgt von Alexander Winokourow als Aufpasser. Rund 250 m nach seinem Antritt sprang Schleck die Kette vom Kettenblatt. Contador, Denis Mentschow und Samuel Sanchez fuhren vorbei. Schleck benötigte ungewohnt viel Zeit, um das Malheur zu richten. Auf der Passhöhe lag der Luxemburger nur 17 Sekunden hinter der Contador-Gruppe. Dank Sanchez' Abfahrtskünsten machte die Differenz im Ziel mehr als das Doppelte aus.

Als Alberto Contador erstmals in dieser Rundfahrt ins Leadertrikot eingekleidet wurde, musste der Spanier Pfiffe aus dem Publikum entgegennehmen. Die Wogen gingen hoch, die Polemik war im Gange. Hatte Contador mit der Fortsetzung seines Konters ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen? Hätte er auf Schleck warten sollen?

Das Verhalten von Contador

«Ich hätte das Maillot jaune nicht auf diese Weise geholt. Nein, ich hätte es nicht so gemacht. Aber so ist das Rennen», stellte Schleck fest, dem die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand. «Ich fühlte mich gut. Diese Tour ist noch nicht fertig. Sie hat eben erst richtig begonnen», fügte der Luxemburger an.

Er habe bei seinem Konter den Zwischenfall seines Gegners nicht bemerkt. Erst als der Vorsprung schon ein gewisses Ausmass angenommen habe, sei er informiert worden. 30 Sekunden mehr oder weniger spielten in dieser Phase der Rundfahrt keine grosse Rolle. Mit diesen Worten zog sich Alberto Contador aus der Affäre.

Pannen gehören zum Radsport

Auch wenn Fairplay heutzutage im Profiradsport grösser geschrieben wird als in früheren Zeiten, bestand für Contador nicht der geringste Anlass, auf Schleck zu warten. Erst einmal hätte der Spanier Mentschow und Sanchez ebenfalls überzeugen müssen, das Tempo zu drosseln. Vor allem aber gehören mechanische Zwischenfälle zu einem Rennen. Dann ist daran zu erinnern, dass sich Contador in der Etappe von Brüssel nach Spa nicht dagegen sträubte, auf die Gebrüder Schleck zu warten, als diese in der Abfahrt von der Côte de Stockeu gestürzt waren und vier Minuten zurück lagen. Anderntags hatte auch niemand mit Contador Erbarmen, als der zweifache Sieger der Tour de France auf den Pavés wegen mechanischen Problemen ins Hintertreffen geriet.

Der Zwischenfall mit den beiden aussichtsreichsten Protagonisten der Rundfahrt hat für die Radsportfans den Vorteil, dass diese dritte und letzte Woche noch spannender wird. Er verspüre Ameisen in den Beinen. Er sei verärgert und er werde sich revanchieren, erklärte Schleck. Dazu wird ihm heute Dienstag wahrscheinlich die Gelegenheit fehlen, wenn der legendäre Tourmalet ein erstes Mal erklommen wird. Der nachfolgende Aubisque-Pass befindet sich 60 km und damit zu weit vom Etappenziel Pau entfernt. Nach dem Ruhetag vom Mittwoch erklären sich die Favoriten aber im Schlussaufstieg zum Tourmalet. 18 km lang geht es ab Luz-Saint-Saveur hinauf zum höchsten Pyrenäen-Pass, der vor 100 Jahren erstmals von den Fahrern der Tour de France überquert wurde.

Ein beliebter Etappensieger

Störten sich viele Zuschauer an der Leaderposition von Contador, so freuten sie sich wenigstens am Etappensieg des französischen Meisters Thomas Voeckler. Dieser stand als einziger von zehn Ausreissern eine Flucht über 85 km durch und kam so zu seinem zweiten Etappenerfolg in der Tour. In die Herzen der Fans hatte sich Voeckler vor sechs Jahren gefahren, als er als unbekannter Radprofi Lance Armstrong das Maillot jaune abnahm und die Leaderstellung zehn Tage lang verteidigte. Voecklers Familie war vor rund dreissig Jahren nach Martinique ausgewandert. Sein Vater gilt seit dem Oktober 1992 nach einem Segeltörn als verschollen. Thomas kehrte mit 17 Jahren nach Frankreich zurück, nahm seine Radsportkarriere in Angriff und steht nun in seiner zehnten Profisaison.

Voecklers Arbeitgeber Bbox Bouygues Télécom - zur französischen Sportgruppe gehört auch der Giro-Etappensieger Johann Tschopp - stellt per Ende Saison den Betrieb ein. Der Teammanager Jean-René Bernaudeau konnte am Montagabend Entwarnung geben. «Unsere Zukunft ist gesichert. Wir werden auch nächstes Jahr im Feld sein», sagte der Franzose, ohne allerdings den Namen eines Nachfolge-Sponsors zu nennen.

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si/fal

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