Christian Stucki: Älter, aber nicht schwächer

Christian Stucki entscheidet das Emmentalische Schwingfest in Zollbrück souverän für sich. Für den 33-jährigen Lysser schliesst sich damit ein Kreis.

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Sieben Minuten lang ist es vorwiegend ein Abtasten. Einmal versucht Matthias Aeschbacher sein Glück, und tatsächlich strauchelt Christian Stucki – aber er fällt nicht. Dann lanciert der Seeländer im Schlussgang des Emmentalischen Schwingfests einen Angriff, und prompt bettet er Aeschbacher mit einem Gammen ins Sägemehl. Der Hüne ballt seine linke Faust, das Publikum ­applaudiert artig, obwohl mit Aeschbacher der Lokalmatador verlor.

Für Stucki handelt es sich um den ersten Erfolg in diesem Jahr, den 39. Kranzfestsieg überhaupt und den dritten Triumph an einem «Emmentalischen». Vor allem aber schliesst sich für den Lysser ein Kreis. 2008 hat in Zollbrück letztmals ein Gauverbandsfest stattgefunden, und der damalige Sieger hiess: Christian Stucki. «Da sieht man wieder einmal, wie alt man ist», hält er grinsend nach getaner Arbeit fest.

Sein Haar ist seither gewiss etwas grauer geworden. Von seiner Kraft indes scheint Stucki nichts eingebüsst zu haben, wie er in Zollbrück demonstrierte. Dafür zeigt der Blick zurück, wie sehr sich der Schwingsport innerhalb einer Dekade gewandelt hat. Am Sonntag sorgten 5800 Zuschauer für volle Ränge, vor zehn Jahren hatte es 2500 Besucher nach Zollbrück gezogen.

Ein bisschen wie 2017

Nun, Stucki machte von Anfang an klar, dass der Sieg am stark besetzten «Emmentalischen» über ihn führen würde. Im Anschwingen legte er Remo Käser mit dem ersten Zug auf den Rücken, worauf dieser das Fest mit einer Rippenprellung aufgeben musste. Allerdings liess der Oberaargauer durchblicken, dass er guten Mutes sei, nächsten Samstag am Heimfest in Huttwil wieder schwingen zu können.

Und Stucki? Der machte einfach weiter im Takt, bettete vor der Mittagspause Severin Schwander und Willy Graber ins Sägemehl. «Bei mir ist vielfach der erste Gang massgebend. Wenn ich den gewinnen kann, ist das sicher schon einmal gut», sagt der 33-Jährige.

«6 Gänge, 6 gewonnen, doch, das ist gut», schmunzelt Christian Stucki nach seinem Triumph in Zollbrück. Video: Marco Oppliger, Marcel Bieri

Seine Darbietungen erinnerten zuweilen an letztes Jahr, als Stucki sechs Feste für sich entscheiden konnte, unter anderem am prestigeträchtigen Unspunnen-Schwinget reüssierte. «Phasenweise war es so», meint er, «aber eben nur in vier von sechs Gängen.» In den beiden Rencon­tres mit Aeschbacher – die beiden waren bereits im vierten Gang aufeinandergetroffen – liess sich Stucki Zeit, «da war ich zu wenig angriffig». Übrigens: Innert einer Woche haben der Seeländer und der Emmentaler nun dreimal zusammengegriffen, wobei die Bilanz mit 3:0-Siegen zugunsten Stuckis deutlich ist.

Comeback verschoben

Derweil Stucki also jubilierte, dürfte sich ein anderer gefühlsmässig am anderen Ende der Skala befunden haben. Nach 20-monatiger Verletzungspause hätte Matthias Siegenthaler an seinem Heimfest in den Sägemehlring zurückkehren wollen. Daraus wurde aber nichts. Der gebürtige Truber musste wegen einer Magen-Darm-Erkrankung Forfait erklären. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 06:56 Uhr

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