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Aus Liebe zum Leiden

Daniela Ryf schien ein hoffnungsloser Fall zu sein, nun hat sie an der Ironman-WM auf Hawaii den Streckenrekord gebrochen.

23 Minuten Vorsprung: Daniela Ryf jubelt nach dem Zieleinlauf. (8. Oktober 2016)
23 Minuten Vorsprung: Daniela Ryf jubelt nach dem Zieleinlauf. (8. Oktober 2016)
Mark J. Terrill, Keystone
Spitzenleistungen in allen drei Disziplinen: Daniela Ryf auf der Radstrecke. (8. Oktober 2016)
Spitzenleistungen in allen drei Disziplinen: Daniela Ryf auf der Radstrecke. (8. Oktober 2016)
Mark J. Terrill, Keystone
Vorbereitungen: Daniela Ryf kontrolliert ihr Fahrrad. (8. Oktober 2016)
Vorbereitungen: Daniela Ryf kontrolliert ihr Fahrrad. (8. Oktober 2016)
Bruce Omori, Keystone
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Vor drei Jahren fand Daniela Ryf ihre Passion. Nicht, dass sie zuvor einen Sport betrieben hätte, der ihr nicht entsprochen hätte. Sie hatte sich zur kompletten Triathletin entwickelt, auch weil sie schon als Jugendliche im Club geschwommen war, mit den Leichtathleten trainiert hatte. Ryf gewann Wettkämpfe auf allen Niveaus, bis hinauf zum Weltcup. Aber der endgültige Durchbruch wollte ihr dann doch nicht gelingen, sie schien zu fragil, mit ihren immer wieder auftretenden gesundheitlichen Problemen ein fast schon hoffnungsloser Fall.

Bis sie 2014 auf Brett Sutton traf. Der Trainer überzeugte sie davon, auf die Langdistanz zu wechseln. Was Ryf nämlich noch viel mehr auszeichnet als ihre ausserordentlichen physischen Voraussetzungen in den drei Disziplinen, ist ihre Leidensfähigkeit. Ryf kann das Leiden nicht nur akzeptieren, sie mag diesen Zustand des sportlichen Leidens geradezu. Dieses sich Vorwärtstreiben, dieses Ausloten des Leistungsvermögens des eigenen Körpers.

Das können auch andere Weltklasseathleten. Aber sie brauchen den Wettkampf, das Duell mit der Konkurrenz, um in diesen absolut obersten Leistungsbereich vorzustossen. Ryf nicht. Sie kann sich auch alleine im Training in diese Sphäre katapultieren. Egal, ob sie im Untergeschoss des Elternhauses auf der Trainingsrolle sitzt und Wattwerte fährt, die sie selber schocken würden. Wenn sie sie denn sähe, aus diesem Grund hat sie keinen Leistungsmesser montiert.

Vor allem aber gelingt es ihr auch an den grossen Wettkämpfen. Ryf gewänne die meisten ihrer Rennen auch im Trainingsmodus, sagt sie doch selber, dass ihre Einheiten oft härter seien als danach der Wettkampf. Wie sie es mit dieser Gewissheit im Kopf aber trotzdem schafft, über sich hinauszuwachsen, nicht nur während Minuten, sondern wie am Samstag während sechs Stunden alleine vorauszufahren und -laufen, ohne irgendeine Konkurrentin aus der Nähe zu sehen, ist für uns Normalsterbliche kaum nachvollziehbar.

Vielmehr fragen wir uns, was da nun kommen kann für sie. Mit 29 ist sie noch ein Ironman-Küken, könnte noch scheinbar ewig weitermachen. Kann das ihr Ziel sein? Die ewigen Hawaii-Rekorde? Die sechs Siege von Natascha Badmann? Gar die acht von Paula Newby-Fraser? Die Frage kann nur Ryf selber beantworten. Aber es ist gut möglich, dass ihr schon nächstes Jahr kaum mehr andere Ziele bleiben werden. Die Hawaii-Rekordzeit ist nun ihre, bleibt noch die generelle Weltbestzeit, was für Ryf in dieser Verfassung zur Finger-, respektive Fussübung verkommen wird.

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