Auf den Spuren von Sefolosha

Clint Capela ist daran, sich als zweiter Schweizer in der NBA zu etablieren.

Clint Capela (rechts) von den Houston Rockets blockt Dwyane Wade (Miami). Foto: Keystone

Clint Capela (rechts) von den Houston Rockets blockt Dwyane Wade (Miami). Foto: Keystone

Man kann nicht behaupten, Clint Capela sei mit Pauken und Trompeten in die NBA eingezogen. Im Frühsommer 2014 war der 2,08 Meter grosse Genfer, dessen Mutter aus dem Kongo und dessen Vater aus Angola stammt, beim Draft von den Houston Rockets in der ersten Runde als Nummer 25 gezogen worden. Das bescherte ihm einen garantierten Dreijahresvertrag und gut drei Millionen Dollar.

Doch sein Coach Kevin McHale, einst ebenfalls ein Center/Powerforward und in den 80er-Jahren mit Larry Bird und den Boston Celtics dreimal NBA-Champion, beschied Capela, dass er sich im Farmteam zuerst Härte und Spielpraxis holen solle. Bei den Rio Grande Valley Vipers. Und als Capela gegen Ende Saison nach diversen Verletzungs­problemen bei den Rockets ins NBA-Team geholt wurde, sorgte er bei den US-Kommentatoren für ironische Bemerkungen – wegen seiner zittrigen Hände an der Freiwurflinie.

Der zweite Schweizer nach Thabo Sefolosha in der weltbesten Basketball-Liga vergab seine ersten 15 Freiwürfe in der NBA alle. Der Genfer war nicht in der Lage, beim vermeintlich einfachsten Wurf den Ball mit seinen 24 Zentimeter Durch­messer aus 4,20 Meter Distanz in den auf 3,05 Meter Höhe angebrachten Korb mit seinem Durchmesser von 46 Zentimetern zu bringen. «Es war ein Kopfproblem», erzählte Clint Capela im vergangenen Sommer, als er als Gast das Basketballcamp in Zofingen besuchte. «Je öfter ich verwarf, desto nervöser wurde ich. Im Training versenkte ich die Freiwürfe problemlos, doch während des Spiels wurde der Korb immer kleiner.»

Mit Sprungkraft und Beweglichkeit

Doch das ist passé. Je mehr Spielzeit Capela bekam, desto mehr wuchs sein Selbstvertrauen. In der laufenden Saison verbesserte sich der 21-Jährige in allen Belangen. Sein aktueller Punkteschnitt liegt bei 7,9 pro Spiel, dazu kommt er auf 6,1 Rebounds. Und auch bei den Freiwürfen sieht es besser aus: 11 von 20 hat er diese Saison verwertet. Allerdings ist diese Quote noch immer ungenügend, vor allem im Vergleich zu den 77 Prozent seiner Würfe, mit denen er aus dem Feld getroffen hat.

Seine Sprungkraft, die ihn fliegen lässt, und seine Beweglichkeit, die ihm ermöglichen, sowohl gegen schnelle Flügelspieler wie auch gegen massive Centerspieler unter dem Korb zu verteidigen, sind Stärken, weshalb Coach McHale inzwischen auf ihn setzt. Diese Saison kam er in allen 10 Spielen zum Einsatz, viermal in der Startformation. So auch in der Nacht auf Sonntag beim 98:110 gegen die Dallas Mavericks, als er als Starter in 23 Spielminuten 7 Punkte warf und 10 Rebounds herunterholte.

Die Rockets liegen in dieser frühen Phase der Saison mit vier Siegen und sechs Niederlagen knapp ausserhalb der Playoff-Plätze. Ihr grosses Fragezeichen ist Dwight Howard, der 2,11 Meter grosse und 120 Kilogramm schwere Center. Ist Howard fit, ist er zurzeit der Beste auf seiner Position in der NBA. Doch Howard wurde 2012 wegen Bandscheibenproblemen operiert, ihn plagen auch Knieschmerzen, und so muss er, wie gegen Dallas, immer wieder aussetzen.

Für Capela ist das die Chance, sich mehr und mehr ins Rampenlicht zu spielen. Mit Howard und dem einstigen Starcenter Hakeem «The Dream» Olajuwon, der als Teamberater fungiert, hat er zwei der besten Lehrmeister. Und er hat Muskeln zugelegt. Als er in die NBA kam wog er 102 Kilo, nun sind es laut eigenen Angaben 112. «Die Kunst ist es, Muskeln zuzulegen, ohne Beweglichkeit zu verlieren», sagt er.

Der stille Capela mit den grossen, staunenden Augen, der unweit des einstigen Charmilles-Stadions von Servette aufwuchs, ist dabei, sich auf dem Parkett der besten Basketballer einen festen Platz zu erkämpfen.

DerBund.ch/Newsnet

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