Armstrong narrte auch Schweizer Behörden

Das amerikanische Magazin «Sports Illustrated» berichtet in seiner jüngsten Ausgabe ausführlich über die Dopingtricks von Lance Armstrong – und wie dieser auch den Schweizer Zoll narrte.

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Laut dem Bericht im amerikanischen Magazin «Sports Illustrated» soll Lance Armstrong 2003 auch Schweizer Grenzbeamte hinters Licht geführt haben, als er angeblich verbotene Substanzen mit spanischen Etiketten im Gepäck hatte. Er konnte die Zöllner auf dem Flugplatz von Samedan überzeugen, dass es sich nur um Vitaminprodukte handelte. Floyd Landis, Armstrongs damaliger Teamkollege und Weggefährte, hat den Vorgang offensichtlich gegenüber den Fahndern der Lebens- und Arzneimittelbehörde unter der Führung von Jeff Novitzky so beschrieben.

In einem ausführlichen Bericht mit dem Titel «Das Verfahren gegen Lance Armstrong» hat das renommierte amerikanische Magazin «Sports Illustrated» alte und neue Details zu Armstrongs möglicher Doping-Vergangenheit veröffentlicht. Er ist das Resultat ausgiebiger Recherchen, bei denen Reporter der angesehenen Wochenzeitschrift Einsicht in «Hunderte von Dokumenten» nahmen und «Dutzende von Quellen» befragten. Die Reporter hatten offensichtlich auch Einblick in neuere Dokumente. So sollen in der Razzia bei Armstrongs Teamkollege Jaroslaw Popowitsch im letzten November Dokumente und E-Mails sichergestellt worden sein, die eine Verbindung von Armstrong zum Dopingarzt Michele Ferrari nachweisen sollen. Dieser hatte stets betont, dass er seit 2004 nicht mehr mit Ferrari zusammenarbeite.

Armstrong beschimpft Reporter

Auch die frühe Phase des siebenfachen Siegers der Tour de France wird aufgerollt. Der Neuseeländer Stephen Swart, der die Einnahme von Epo gestanden hatte, beschrieb in dem Artikel der «Sports Illustrated» sehr detailliert die Dopingpraktiken des Teams und auf welche Weise die Fahrer während der Etappenrennen in der Gruppe ihren Hämatokrit-Wert testeten. Sie wollten damit überprüfen, ob die gefährliche Blutverdickung etwa durch den Epo-Einsatz zu stark sei. Swart, schreibt «Sport Illustrated», erinnere sich an eine Messung an einem Ruhetag während der Tour de France 1995 – also vor der Hodenkrebsdiagnose Armstrongs. Swarts Hämatokrit habe bei 48 gelegen: «Lance hatte 54 oder 56.»

Laut dem Artikel soll der Texaner in den späten Neunzigerjahren das Medikament HemAssist genommen haben. Das Präparat, das für Blutdoping missbraucht werden kann und ähnlich wirkt wie Epo, war damals noch in der Testphase und wurde 1998 nach mehreren Todesfällen verboten. Auf dem Schwarzmarkt blieb das gefährliche Präparat aber erhältlich. «Sports Illustrated» beruft sich in dem Bericht unter anderem auf eine Quelle, die mit der derzeit laufenden Untersuchung der Behörden gegen Armstrong und dessen Ex-Team US Postal vertraut ist.

Armstrong reagierte auf die jüngsten Veröffentlichungen gewohnt unwirsch. «Ich habe nichts zu sagen», meinte er am Rande der Tour Down Under in Australien, seinem letzten Rennen ausserhalb der USA. Er legte sich gar mit einem Reporter an: «Bist du so dumm? Welcher Teil meiner Aussage ist nicht klar?» Sein Pressesprecher Mark Fabiani sagte auf Anfrage des Fachportals Cyclingnews.com lediglich: «Die Geschichte ist voll von alten Nachrichten, mit den immer gleichen alten Lügen von den immer gleichen alten Lügnern.»

DerBund.ch/Newsnet

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