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Als Muhammad Ali an der Zürcher Langstrasse einkaufen ging

Der einzige Kampf der verstorbenen Boxikone in der Schweiz fand am Stephanstag 1971 im Zürcher Hallenstadion statt. Es war ein denkwürdiger Tag.

Der Champ 1971 an der Zürcher Langstrasse: Der Fotograf Eric Bachmann hat Muhammad Ali während seines Aufenthalts in Zürich begleitet.
Der Champ 1971 an der Zürcher Langstrasse: Der Fotograf Eric Bachmann hat Muhammad Ali während seines Aufenthalts in Zürich begleitet.
Eric Bachmann
Muhammad Ali auf einem Rastplatz auf dem Üetliberg.
Muhammad Ali auf einem Rastplatz auf dem Üetliberg.
Eric Bachmann
Der Fotograf Eric Bachmann ist heute 74-jährig und lebt auf dem Land.
Der Fotograf Eric Bachmann ist heute 74-jährig und lebt auf dem Land.
Ruedi Keller
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Die Schweiz besuchte Muhammad Ali als aktiver Boxer nur einmal: Nach der Aufhebung seiner Sperre organisierte der Zürcher Impresario Hansruedi Jaggi, der zuvor schon die Rolling Stones an die Limmat gebracht hatte, einen Kampf Alis gegen den bescheidenen Deutschen Jürgen Blin im Hallenstadion. Ali logierte mit seinem imposanten Clan, der gegen 50 Personen aller Schattierungen umfasste, im damaligen Luxushotel Atlantis. Er joggte einmal mit Begleitung auf den Uetliberg und war an der Langstrasse zum Shopping.

Für das Ballyhoo, die übliche Angeberei, hatte man Ali einen einfachen deutschen Vers eingeimpft. Er rief ihn noch und noch mit seinem amerikanischen Akzent: «Jürgen Blin, der fällt hin! Jürgen Blin, der fällt hin!» Auch Schüler auf den Pausenplätzen riefen sich den eingängigen Spruch zu. Der Kampf lebte vor allem vor dem Kampf.

Wenig Interesse

Danach blieb das Interesse an Ali, dem eine Börse von 300'000 Dollar zugesichert war, bescheiden. Der Kampf wurde deshalb vor knapp 7000 Zuschauern und ohne grössere TV-Abdeckung zum finanziellen Fiasko für den Veranstalter und für Ali. Das Schweizer Fernsehen hatte an diesem 26. Dezember seinen Übertragungswagen bei einem nachweihnachtlichen Fest im Freiburgischen.

Blin stand volle sechs Runden durch, bevor ihn der Ringrichter in der 7. Runde anzählte und für kampfunfähig befand. Als er später gefragt wurde, ob er Ali in den knapp sieben Runden jemals kurz habe angreifen können, sagte Blin: «Nein, in keinem Moment.» Der Kampf, in dem er nie eine Chance gehabt hatte, wurde für Blin der Kampf des Lebens. Er machte ihn viel bekannter als der Europameister-Titel, den er 1972 errang. Noch heute unterschreibt er Autogrammkarten, die Ali und ihn zeigen. Er weist stolz darauf hin, dass längst nicht jeder gegen den Grössten volle sechs Runden durchgestanden habe.

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