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Abschied von Ali – Erdogan sorgte für Eklat

Mit einem Trauerzug durch die Heimatstadt Alis haben Tausende der Boxlegende ihre Ehre erwiesen. Offenbar beleidigt, reiste der türkische Präsident Erdogan vorzeitig ab.

<i>Bewohner und Angereiste säumen die Strassen, um dem berühmtesten Sohn der Stadt die letzte Ehre zu erweisen. (Quelle: Reuters)</i>

Tausende Menschen haben in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky Abschied von dem legendären Boxer und Bürgerrechtsaktivisten Muhammad Ali genommen. Mehr als zwei Stunden lang fuhr am Freitag der Wagen mit dem Sarg des mehrfachen Schwergewichtsweltmeisters durch die Strassen seiner Heimatstadt. Prominente wie Ex-Präsident Bill Clinton und Komiker Billy Crystal würdigten den Jahrhundertsportler in einer Zeremonie als eine grosse Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Die Zuschauer waren in einer festlichen Stimmung, warfen Rosen, jubelten, klatschten und riefen Alis Namen. Die Prozession bestand aus rund 20 Limousinen. Darin fuhren unter anderen die Kinder und Enkel des Verstorbenen sowie prominente Persönlichkeiten mit, die später auf dem Friedhof seinen Sarg trugen. Dazu gehörten der Schauspieler Will Smith, der den Boxer in dem Filmerfolg «Ali» porträtiert hatte, und die beiden Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis und Mike Tyson.

Langer Trauerzug, schlichtes Grab

Der sich langsam fortbewegende Trauerzug führte über eine Strecke von 30 Kilometern an Orten vorbei, die im Leben des Boxers eine wichtige Rolle gespielt haben. Dazu zählten das Haus, in dem er aufwuchs, und das Muhammad Ali Center, ein Museum, in dem sein Leben dokumentiert ist.

Fans riefen «Ali, Ali!» wie bei seinen Kämpfen, mit denen er Boxgeschichte schrieb, als der Leichenwagen langsam vorbeifuhr. Sie standen auf Autos, reckten die Fäuste in den Himmel, winkten, warfen Blumen und Rosenblüten vor den Leichenwagen. Lkw-Fahrer hupten mit ihren Fanfaren zum Salut. Viele machten Fotos, andere verfolgten die Prozession schweigend.

«Er hat nie auf andere herab geschaut»

In Kommentaren wurde immer wieder klar, dass Ali für sie nicht nur ein Boxer, ein Weltmeister war. «Er ist für sich und für uns eingestanden, selbst als er berühmt war» sagte Ashia Powell. «Ich habe die ganze Woche geweint», meinte der 36-jährige Mike Stallings aus Louisville, der mit seinen beiden Söhnen an der Wegstrecke stand. «So gross wie er war, hat er nie auf andere herab geschaut. Er hat sich immer unter die Leute gemischt.»

Toya Johnson, eine aus demselben Viertel wie Ali stammende Afroamerikanerin, sagte, für die jungen Leute in ihrem Viertel sei Ali immer «ein Vorbild» gewesen. Der Trauerzug traf schliesslich am Cave-Hill-Friedhof ein, wo der Boxer in einer privaten Zeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt wurde.

HAPPENING NOW: Muhammad Ali's motorcade arrives. https://t.co/Njt4UWvscKhttps://t.co/gWX8Iz6VK2— Reuters Live (@ReutersLive) June 10, 2016

«Muhammad Ali war Amerika»

Dann versammelten sich rund 15.000 Trauernde in einer Sportarena in Louisville. Clinton würdigte Ali in seiner Trauerrede als «Soldaten für unsere gemeinsame Menschheit» und einen «wahrhaft freien Mann des Glaubens». Crystal, der die Trauerfeier moderierte, lockerte sie mit ein paar lustigen Erinnerungen und gut platzierten Scherzen auf. Er beschrieb den Verstorbenen als «einen riesigen Blitz, geschaffen von Mutter Natur, die fantastische Kombination aus Stärke und Schönheit».

US-Präsident Barack Obama war verhindert, liess aber eine Botschaft verlesen. «Muhammad Ali war Amerika. Muhammad Ali wird immer Amerika sein», hiess es darin.

Alis Witwe Lonnie sprach vor den Trauergästen ebenso wie seine Tochter Rasheda. Sie verabschiedete ihren Vater mit einem liebevollen «flieg, Schmetterling, flieg».

Erdogan ist frühzeitig abgereist

Die kostenlosen Eintrittskarten für die Trauerfeier waren in Windeseile vergeben gewesen. Die Trauerfeierlichkeiten in der 600'000-Einwohner-Stadt hatten am Vortag mit einer muslimischen Gebetszeremonie begonnen. Ali war als junger Mann zum Islam konvertiert und hatte dabei auch seinen bürgerlichen Namen Cassius Clay abgelegt - ein Schritt, der damals viele in den Vereinigten Staaten entsetzte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte seine Teilnahme an der Trauerfeier kurzfristig ab und reiste nach der muslimischen Zeremonie aus Louisville ab. Hintergrund waren offenbar schwere Differenzen mit den US-Organisatoren. Erdogan wollte laut türkischen Medien ein Stück des mit Koran-Versen verzierten Stoffes aus der grossen Moschee in Mekka auf Alis Sarg legen, was ihm nicht gestattet worden sei.

Der Boxer war am Freitag vergangener Woche im Alter von 74 Jahren gestorben. Er litt seit Jahren an Parkinson. Als Todesursache wurde eine Blutvergiftung aufgrund natürlicher Ursachen angegeben.

sda/afp/fal/foa

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