Von Israel als Botschafter missbraucht

Footballer wollten in der Saisonpause Israel besuchen. Dann fanden sie heraus: Ihr Trip war von der Regierung orchestriert. Mehr als die Hälfte sagte empört ab.

Will sich nicht missbrauchen lassen: Michael Bennett, Starverteidiger der Seattle Seahawks. Bild: Getty Images

Will sich nicht missbrauchen lassen: Michael Bennett, Starverteidiger der Seattle Seahawks. Bild: Getty Images

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Das Timing war geradezu perfekt. Während Donald Trump und Benjamin Netanyahu in Washington zum Staatstreffen zusammenkamen, sollte sich eine Gruppe Footballer aufmachen, um Israel zu besuchen. Tel Aviv, das Tote Meer, Galiläa, die Gedenkstätte Yad Vashem – die eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten des Landes standen auf dem Reiseplan.

Für die Sportler die Gelegenheit, nach dem Saisonende ein paar Tage ein für sie unbekanntes Land kennen zu lernen. Für Israel beste Werbung – geniessen Footballer in den USA doch Heldenstatus. «Sie inspirieren die amerikanischen Bürger. Haben sie unser einmaliges Land erst einmal gesehen, werden sie zu Botschaftern des guten Willens für Israel», so die Hoffnung von Yariv Levin, Tourismusminister des Landes, gegenüber der «Times of Israel».

«Ich lasse mich nicht missbrauchen»

Der Reiseplan war also keinesfalls von einer unabhängigen Agentur organisiert, wie die Footballer geglaubt hatten. Sondern von höchster Stelle: der israelischen Regierung. Und dies noch nicht einmal heimlich. Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit und strategische Beziehungen, fügte an: Die Spieler könnten danach «das negative und falsche Bild von Israel bekämpfen».

Doch das war nicht, was sich der Grossteil der Spieler von dieser Reise versprochen hatte. Entsprechend empört meldete sich etwa Michael Bennett auf Twitter, als er vom wahren Organisator seiner Reise erfuhr. «Ich habe mich sehr gefreut, diesen historischen Teil der Welt mit eigenen Augen zu sehen», schrieb der Verteidiger der Seattle Seahawks und stellte klar: «Ich lasse mich nicht missbrauchen und werde sicher nicht die Rolle eines Botschafters einnehmen.»

So stört den 31-jährigen Superbowl-Champion von 2014, dass auf dem Reiseplan ein Besuch der Palästinensergebiete gänzlich fehlt. Macht Sinn – aus Sicht der israelischen Regierung zumindest. Für Bennett jedoch nicht. Er schreibt: «Wenn ich nach Israel fliege, will ich nicht nur Israel sehen, sondern auch Gaza und das Westjordanland. Ich will sehen, wie Palästinenser ihr Leben leben.»

Die Palästinenser würden die Gegend seit Tausenden von Jahren ihre Heimat nennen, schreibt Bennett weiter – und sendet so Giftpfeile an die israelische Regierung. Zudem erwähnt er Muhammad Ali, den Weltboxer, der sich zeit seines Lebens für die Palästinenser eingesetzt hat. Seine Mission: «Ich will eine Stimme sein für jene ohne Stimme.»

Auch kein Besuch bei Trump

Daraufhin stornierte Bennett die Reise. Sechs weitere Spieler der einst zwölfköpfigen Gruppe taten es ihm gleich, darunter Martellus Bennett, der jüngere Bruder von Michael. Dieser hatte nach dem Superbowl-Triumph seiner New England Patriots Anfang Februar angekündigt, den traditionellen Besuch der Siegermannschaft beim Präsidenten im Weissen Haus auszulassen. Er unterstütze die Politik von Donald Trump nicht, begründete er.

Für Israel ist die Ferienreise nun PR-Debakel statt Werbeerfolg. Und nach der vollmundigen Ankündigung Anfang Februar schweigt sich die Regierung inzwischen lieber aus: Gegenüber der «Times of Israel» gab es aus keinem der involvierten Ministerien einen Kommentar zu den Absagen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2017, 11:40 Uhr

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