Unbeschwert Grenzen versetzen

Für Maja Neuenschwander ist die Leichtathletik-EM in Barcelona der erste Grossanlass. Obwohl für sie vieles neu ist, freut sie sich «riesig» auf das Rennen in der katalonischen Metropole.

Maja Neuenschwander am Wohlensee, wo sie oft trainiert. (Alexander Anderfuhren)

Maja Neuenschwander am Wohlensee, wo sie oft trainiert. (Alexander Anderfuhren)

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Manch einer stöhnt angesichts der derzeit herrschenden Hitze. Nicht so Maja Neuenschwander. Die Wetterbedingungen seien perfekt, um den Ernstkampf an der Leichtathletik-EM in Barcelona zu simulieren, sagt die Langstreckenläuferin. Dort wird die Bernerin am 31. Juli um 10 Uhr morgens auf die Marathonstrecke geschickt werden. 32 Grad beträgt im Monat Juli die Durchschnittstemperatur in der Hauptstadt Kataloniens, im Moment ist es sogar noch heisser. Neuenschwander lässt sich wegen der klimatischen Bedingungen nicht verrückt machen. «Es bringt nichts, Energie zu verschwenden für etwas, das sich nicht ändern lässt.» Lieber richtet sie den Fokus auf Dinge, die sie beeinflussen kann. So hat sie erstmals in ihrer Sportlerkarriere unbezahlten Urlaub genommen, um im Juni in St. Moritz ein mehrwöchiges Höhentrainingslager durchführen zu können. Sie fand im Oberengadin zwar weniger adäquate Trainingspartner, als sie erwartet hatte, und zum Teil war es auch empfindlich kalt. Dennoch überwiegen die positiven Eindrücke: Sie habe sich verschiedentlich mit anderen für die EM qualifizierten Läufern wie Christian Belz und Philippe Bandi ausgetauscht, erzählt die Geschichts- und Sportlehrerin. Sie unterhalte sich gerne mit Gleichgesinnten über deren Philosophien. «Solche Gespräche öffnen mir den Horizont und bringen mich persönlich weiter.»

Körper und Geist in Einklang

Maja Neuenschwander ist eine Athletin, die ihrer grossen Leidenschaft, dem Laufsport, fast alles unterordnet. Täglich absolviert sie ihre Trainingskilometer, die sie in der Regel in zwei Abschnitten zurücklegt. Im Normalfall kommt sie auf über 200 Kilometer in der Woche. Erst vor grossen Wettkämpfen reduziert die Bernerin jeweils den Umfang. Drei Wochen vor dem EM-Start ist sie nun bei 150 bis 160 Kilometern angelangt. Nächste und übernächste Woche werden es noch 100 bis 120 Kilometer sein. Es ist jene Phase, in der der Körper Erholung finden soll, um am Tag X bereit zu sein für eine Topleistung. «Im Marathon gibt es keinen schlechten Tag», sagt Neuenschwander bestimmt. «Am Tag X entscheidet, wie gut Körper und Geist aufeinander eingestellt sind, damit man eine optimale Leistung abrufen kann.» Kann sie in Barcelona ihre gewohnte Leistung nicht abrufen, so bietet sich ihr heuer höchstens noch eine Möglichkeit zur Rehabilitation. Denn die 30-Jährige weiss genau, dass ihr Körper mehrere Wochen braucht, um sich vollständig von den Strapazen des 42,195 km langen Laufes zu erholen. Auch wenn ihr jeder Marathon enorm viel abverlangt und sie sich am Ziel «total erschöpft und ausgepresst» fühlt, ist die Liebe zur «Königsdisziplin der Leichtathletik» ungebrochen. «Marathon bedeutet für mich in erster Linie Freude, Spass und Leidenschaft.» Auch das Leiden hat für sie nichts Negatives. Im Gegenteil: «Mich fasziniert der Kampf gegen mich selber.» Als ehrgeizige Einzelsportlerin hätte sie Mühe, einen Mannschaftssport zu betreiben.

Erstmals ohne Schrittmacher

In Barcelona wird die Bernerin in mehrerlei Hinsicht Neuland betreten. Zum einen bestreitet sie erstmals im Hochsommer einen Marathon. Zum anderen wird sie erstmals auf ihre Schrittmacher verzichten müssen. Bis anhin liess sich Neuenschwander jeweils von zwei Kollegen begleiten, die ihr während des Wettkampfs alles abnahmen, was es abseits des Laufens zu tun gibt. Vor Jahresfrist in Paris und Berlin übernahmen Daniel Vögeli und Thomas Mullis diesen Part. Der Berner Vögeli war einst Schweizer Meister über 5000 Meter und während Jahren einer der besten Schweizer Mittelstreckler. Mullis ist Sportlehrer, Bewegungsexperte und Geschäftspartner von Viktor Röthlin.

Dritte unbekannte Komponente ist das Teilnehmerfeld. Maja Neuenschwander: «Weil es sich um ein reines Frauenrennen handelt, wird das Feld viel kleiner sein als bei meinen bisher gelaufenen Marathons. Ich bin gespannt, wie ich reagiere, wenn ich plötzlich allein rennen muss.»

Konkrete Ziele hat sich Maja Neuenschwander an ihrem ersten Grossanlass nicht gesteckt. «Ich mag mich nicht unter Druck setzen.» Sie will möglichst unbeschwert nach Spanien fliegen und dort das tun, was sie in der Vergangenheit schon mehrmals getan hat: die eigenen Grenzen verschieben. Konkret hiesse das: die eigene Bestzeit weiter zu verbessern. Und sollte es wider Erwarten nicht gelingen, wird das die Bernerin nicht knicken. Zu stark ist sie im Kopf geworden in den letzten Jahren. (Der Bund)

Erstellt: 14.07.2010, 09:13 Uhr

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