Sehnsucht nach Bier und Burger

Das Schweizer Ruder-Team ist seit Tagen das schnellste. Reichts sogar noch zum Sieg?

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Etwas mehr als 850 Kilometer sind es noch. Das entspricht etwa dem Strassenweg von Zürich bis Rom. So viel haben Marlin Strub, Luca Baltensperger, Yves Schultheiss und Laurenz Elsässer in ihrem Ruderboot mit dem Namen Mrs. Nelson noch vor sich. So viel fehlt noch, bis die vier Schweizer den Hafen von Antigua erreichen. Nun geht es nicht mehr um Monate und Wochen. Nun geht es um die letzten Tage und Stunden der Atlantic Challenge, darum, das jahrelange Krafttraining auf den letzten Kilometern auszuschöpfen.

Wenn es weitergeht wie bisher, so rechnet es der Livetracker der Atlantic Challenge vor, dann trifft Swiss Mocean am frühen Sonntagmorgen im Ferien­paradies ­Antigua ein. Damit hätten die Schweizer den Weltrekord von 35 Tagen nicht nur egalisiert, sondern gar um vier Tage unterboten. Eigentlich. Ins «Guinnessbuch der Rekorde» wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht reichen. Denn es gibt noch zwei weitere Teams, die die Strecke wohl unter 35 ­Tagen schaffen werden. Und das noch deutlicher als Swiss Mocean.

«Ich hätte sofort unterschrieben»

Wenn die Berechnungen des Livetrackers stimmen, erreicht das Team Antigua sein Heimatland gerade mal fünfeinhalb Stunden vor Swiss Mocean. Noch ein bisschen früher werden die Briten The Four Oarsmen im English Harbour von Antigua erwartet. Sie dürften das Rennen gewinnen und am Samstagmittag das Festland erreichen. Sofern nicht noch etwas Gravierendes dazwischenkommt. Etwas, wie der Sturm, der Swiss Mocean vor zwei Wochen zu einer Pause von 18 Stunden zwang und damit einen Zielspurt gegen die Briten verhinderte.

Seit dieser stürmischen Nacht haben die Schweizer stetig aufgeholt. Die Absicht, der südlichsten Route aller Teilnehmer zu folgen, zahlte sich aus. Pro 24 Stunden legen Captain Strub und seine Kollegen regelmässig über 180 Kilometer zurück, mehr als alle anderen Teams. In den letzten 24 Stunden kommt zudem kein Team auf eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit als die Schweizer. Das ganze Aufbäumen könnte aber zu spät kommen, die 88 Kilometer, die Swiss Mocean hinter The Four Oarsmen liegt, sind in fünf Tagen schwierig aufzuholen.

Sind die 88 Kilometer Rückstand noch aufzuholen?

Das ist auch Luca Baltensperger bewusst. Im Gespräch über Satellitentelefon ist spürbar, dass ihn der Sturm noch immer wurmt. Aber er sagt auch: «Hätte mir jemand vor dem Start gesagt, dass wir es in 31 Tagen schaffen, hätte ich sofort unterschrieben.» Baltensperger und seine Kollegen freuen sich auf die Ankunft, nur die Info, dass diese wohl in der Nacht oder am frühen Morgen stattfinden wird, sorgt nicht für Jubelstürme. «Dann müssen wir die anderen wohl noch einholen!»

Surfen wie die Grossen

Die Männer aus Zürich, Bern und Walenstadt geben also weiterhin alles. Stolz berichtet Baltensperger, dass Schultheiss und Elsässer einen boots­internen Geschwindigkeitsrekord auf­gestellt hätten. Mit 16,6 Knoten rasten die vier einmal von einer brechenden Welle angetrieben übers Wasser. Das sind fast 31 km/h. «Wir surften wie die Grossen», sagt Baltensperger lachend.

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Wie die Grossen wollen er und seine drei Freunde nun auch die letzten Kilometer hinter sich bringen. Und dabei den karibischen Hochseefischern und den ehemaligen Rugby-Spielern aus dem Vereinigten Königreich doch noch gefährlich werden. Die Teams werden im Ziel von ganz Antigua erwartet, «da wird die Hölle los sein», ist sich Baltensperger sicher. Schliesslich wird kurz vor- oder nachher auch das Team Antigua eintreffen.

Eltern, Bier und Burger

Und noch jemand ganz Besonderes wartet auf die vier Schweizer: ihre Eltern. Alle werden in den nächsten Tagen nach Antigua reisen und ihre Söhne in Empfang nehmen. «Ich habe schon Schokolade bestellt», sagt Baltensperger voller Vorfreude. Auch seine Mutter wurde von der Geschwindigkeit der 26- bis 28-Jährigen überrascht, sie musste kurzerhand den Flug umbuchen, um rechtzeitig am Hafen einzutreffen.

Nach der Ankunft und der Begrüssung der Eltern gibt es als Erstes endlich wieder mal etwas anderes zu essen als die Fertiggerichte vom Gaskocher. Die Rennleitung serviert Bier und Burger. «Das erste Bier wird wohl besser schmecken denn je», freute sich Baltensperger schon vor dem Start im Dezember. Noch ein wenig besser wird es sich wohl nur anfühlen, wenn es dann das Siegerbier ist.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2018, 08:04 Uhr

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