Orange Bälle und rohe Diamanten

Basketball geniesst in der Westschweiz hohe Beachtung. Wie sieht es in Bern aus? Lukas Berther, Trainer der NLB-Mannschaft STB Giants, klärt auf.

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In der Wankdorf-Sporthalle findet ein Basketball-Freundschaftsspiel statt. ­Neben den quietschenden Schuhen hört man vor allem den Trainer der Berner Mannschaft: «Push, Push! Benutze deine Arme und lass ihn nicht vorbei», schreit Lukas Berther in Richtung Spielfeld. ­Unverzüglich reagiert der Spieler auf die Anweisungen und bedrängt den ballführenden Gegenspieler. Wie ein Oktopus, der seine Beute nicht mehr loslassen will, umgibt der Spieler seinen Gegner und will ihm den Ball abluchsen.

Mit ­vehementem Einsatz schlägt er dem Gegner den Ball aus den Händen. Doch der Ball springt ins Aus. Berther sagt zu seinem Spieler: «Weiter so. Das nächste Mal gehört der Ball dir.» Der junge Spieler, der gerade von Berther gelobt wurde, ist Leo Schittenhelm – der zurzeit talentierteste Berner Basketballer und U-20 Nationalspieler.

Basketball als Mittelpunkt

Berther ist Trainer der Berner Basketball-Mannschaft STB Giants, die sich seit dem Wiederaufstieg 2010 konstant im Tabellen-Mittelfeld der Nationalliga B hält. ­«Leider hat die Mannschaft in den Nullerjahren aus finanziellen Gründen den Gang in die zweite Liga machen müssen», sagt der Coach. Nun bestreiten die Berner bereits die fünfte Saison in der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz. Für Berther ist es die dritte als Trainer. §Für die neue Saison, die am Wochenende begonnen hat, erwartet er trotz des 45:78 bei Kanti Baden ­einiges: «In einer Liga mit 14 Teams müssen wir mindestens Platz acht erreichen. Alles andere wäre eine Enttäuschung.»

Berther hat sein Leben um den orangen Ball aufgebaut. Um davon leben zu ­können, übt er verschiedene Tätigkeiten aus: Seit 2007 doziert Berther an der Universität Bern über seinen Lieblingssport. Zudem ist er Verbandspräsident des Bernischen Basketball-Verbandes (KBBV). Diese Tätigkeit führt er nahezu ehrenamtlich aus. Zu guter Letzt ist die im Jahr 2000 von ihm gegründete Junior Basketball League (JBL) ein wichtiges Standbein für ihn: Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren können mithilfe von Berther die ersten Gehversuche in dieser Sportart wagen. Das Training wird an Werktagen in jeweils verschiedenen Hallen in Bern angeboten. Liga-Spiele finden jährlich an acht Wochenenden statt. In den letzten 14 Jahren hat diese Kinder-Liga einige Rohdiamanten hervorgebracht.

Talent mit Potenzial

So auch der zuvor erwähnte Leo Schittenhelm. Auch er hat in der JBL gespielt, wo ihn Berther entdeckte und förderte. «Dass er talentiert ist, hat sich früh abgezeichnet.» Das Potenzial von Schittenhelm war so gross, dass Berther ihn unter seine Fittiche nahm und in Einzeln-Trainings unterrichtete – ohne dafür Geld zu verlangen. «In meiner Trainer-Karriere hat es nur wenige Spieler gegeben, die ich abseits der offiziellen Trainings-Stunden trainiert habe.» Schittenhelm hätte schon in dieser Saison zum NLA-Verein und 15-maligen Meister Fribourg Olympic wechseln können.

«Das Angebot entsprach nicht den Qualitäten von Leo. Deshalb bleibt er noch eine Saison bei uns», sagt Berther. Dass er aber nächstes Jahr wechselt, steht fest. Damit er Leistungsträger einer NLA-Mannschaft werden kann, muss er den Sprung in die höhere Spielklasse bald wagen. Um sein Potenzial weiter zu fördern, wird ihm Berther in der laufenden viel Spielzeit und Verantwortung übergeben.

Schweizweit gesehen konzentriert sich das Interesse an Basketball vor allem in der Westschweiz. «Basketball hat dort schon länger eine weitreichende Tradition,» sagt Berther. Der Sport hat sich hinter Fussball und Eishockey an dritter Stelle festsetzen können. «Hier in der Deutschschweiz belegt Handball diesen Platz», sagt Berther. Deshalb fehle es an medialem Interesse für Basketball. Das schlägt sich auch auf die Tabelle der höchsten Spielklasse nieder: Von den insgesamt acht Mannschaften sind fünf aus der Westschweiz, zwei aus dem Tessin und mit Basel Starwings ein Deutschschweizer Team vertreten.

Um die Liga und somit auch den gesamten Sport berühmter zu machen, sollten theoretisch die grossen Städte wie Zürich, Bern, Luzern, St. Gallen oben mitmischen. Solange das nicht der Fall ist, wird es schwierig Basketball schweizweit bekannt zu machen. «In der jetzigen Situation ist unser Verein in der NLB gut aufgehoben,» sagt Berther. Man sehe sich als Ausbilderverein an, der talentierte junge Berner fördert und im passendem Moment an grössere Vereine verkauft.

Nur in der Stadt populär

Wie sieht die Basketball-Szene in Bern aus? «In der Stadt Bern ist der Sport bei den männlichen Jugendlichen beliebt. STB Basket bietet mit sieben Teams und Jugendabteilungen genug Möglichkeiten an, um sich gut entwickeln zu können. Ausserdem spielen viele den Sport auf Freiplätzen.» Doch ausserhalb der Stadt gestaltet es sich schwierig, Meisterschaftsspiele zu spielen oder sich zu entwickeln. Nur Thun bietet eine Jugendabteilung an. Und in Biel hat man eine starke 1. Liga-Mannschaft, weil sich der Verein mit Solothurn zusammengeschlossen hat.

Der Frauenbasketball in Bern befand sich in einer Krise. Doch auf diese Saison hin hat Biel eine NLB Mannschaft anmelden können. «In der Region Bern Seeland kann man nun endlich als Frau auf einem anspruchsvollen Niveau Basketball spielen», sagt Berther.

DerBund.ch/Newsnet

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