Mit dem Feuer des Fechtmeisters

Er ist fordernd, pingelig, und er stresst die Athleten: So hält Nationaltrainer Didier Ollagnon die Schweizer auf Olympiakurs.

Trainer Didier Ollagnon geht seinen eigenen Weg: Er versucht bereits im Training, den Wettkampf zu simulieren, Stress heraufzubeschwören, Druck zu erzeugen.

Trainer Didier Ollagnon geht seinen eigenen Weg: Er versucht bereits im Training, den Wettkampf zu simulieren, Stress heraufzubeschwören, Druck zu erzeugen. Bild: Keystone

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Natürlich hat er sich das anders gewünscht, aber aussichtslos ist die Ausgangslage am Weltcupturnier in Heidenheim heute dennoch nicht. Das weiss Didier Ollagnon. Spätestens seit der WM im Sommer weiss das der Nationaltrainer der Fechter. Im Einzel war Benjamin Steffen damals als Achter der beste Schweizer gewesen, drei Tage später erkämpfte sich das Team überraschend das erste WM-Gold überhaupt. Gestern war es Max Heinzer, der als Letzter ausschied, die Viertelfinals verpasste und noch Zehnter wurde. Alle anderen enttäuschten mit mässigen Leistungen sich selbst und mindestens ebenso den Coach.

Wenn Ollagnon spricht, tut er das mit charmantem Accent, er redet sich aber auch gerne ins Feuer.

Bis heute Morgen und dem Beginn des Mannschaftswettkampfs hatte der Franzose also Zeit, seine Crew so aufzurichten, dass sie mit dem Selbstbewusstsein eines Team-Weltmeisters antritt. Er sagt: «Sie alle haben einen Siegeswillen, oft aber fehlt ihnen der Glaube an sich selbst.»

Absage an die Deutschen

Wenn Ollagnon spricht, tut er das mit charmantem Accent, er redet sich aber auch gerne ins Feuer, und dann wird klar, dass da ein Trainer am Werk ist, der sich von seinen Fechtern ebenso viel Engagement und Herzblut wünscht, wie er es selber einbringt. Der 55-Jährige hat vor zwei Jahren die Offerte von Swiss Fencing angenommen, weil er in der Schweiz eine erfolgreiche Vergangenheit als Nachwuchs-Nationaltrainer hatte.Aber auch, weil ihm als Bundestrainer die Umstände in Deutschland immer mehr Mühe machten. Seine Idee, die Besten in Tauberbischofsheim zentral zutrainieren, scheiterte am Widerstand der Athleten. Sie wollten in ihren Regionen und bei ihren Clubtrainern bleiben. Was Ollagnon dazu verleitet zu sagen: «So wird man zwar Regionalmeister, aber nicht Weltmeister.» In der Schweiz kommen ihm die kurzen Distanzen entgegen, er unterrichtet in Zürich, Basel und Bern – und das Kader folgt ihm.

Obwohl seine Lektionen berüchtigt sind. Ollagnon sagt über sich, er sei pingelig, und schaut einen dabei mit aufgerissenen Augen an. Tut er das nach einem Training, echauffiert er sich nicht erst im Gespräch und fliegen seine Haare wild um den Kopf. «Ich bin fordernd, ich will aber auch, dass die Athleten wissen, warum sie was tun.» Das Schweizer Team hat in den vergangenen zwei Jahren an der WM Silber und Gold gewonnen, obwohl beide Male auch junge, weniger erfahrene Fechter zum Einsatz kamen. Sie brachten ihre Leistung.

Bis an die Grenzen

Ollagnon geht seinen eigenen Weg: Er versucht bereits im Training, den Wettkampf zu simulieren, Stress heraufzubeschwören, Druck zu erzeugen. Heinzer sagt, er bringe sie mit seiner Intensität jeweils an ihre Grenzen. Aber Heinzer sagt auch, dass er selbst – zumindest im Wettkampf – mehr Freiheiten geniesse als noch unter Ollagnons Vorgängern.

Die Beziehung der beiden ist ohnehin speziell: Sie kennen sich schon aus den Nachwuchszeiten Heinzers. Der erfolgreichste Weltcupfechter war als Junior die Nummer 1 der Welt – trainiert damals schon vom Franzosen. Dieser schätzt die absolute Hingabe des einzigen hundertprozentigen Profi-Fechters der Schweiz, auf und neben der Bahn.

Die Schweiz ist derzeit die Nummer 4 der Welt und würde sich damit für die Olympischen Spiele qualifizieren. Auf diesem Kurs will Ollagnon sein Team halten – pingelig und fordernd. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2019, 09:16 Uhr

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