Mit Leistungen für Aufsehen sorgen und nicht mit dem Aussehen

Siebenkämpferin Linda Züblin will an der EM in Barcelona die 6000-Punkte-Marke übertreffen.

Linda Züblin traut sich an der EM einen Exploit zu.

Linda Züblin traut sich an der EM einen Exploit zu. Bild: Keystone

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Eigentlich wusste Linda Züblin sofort, dass etwas nicht mehr in Ordnung war, als sie vor drei Wochen beim Weitsprungtraining ein Stechen im Knie verspürte. «Ich habe ein ausgeprägtes Körpersensorium», sagt die Spitzensportlerin. Doch da der Schmerz bald wieder weg war, mass sie dem Zwischenfall keine grosse Bedeutung zu – bis es ihr wenige Tage später das Knie blockierte. Der Befund des Arztes liess die Siebenkämpferin aufatmen: Riss im Knorpel unter der Kniescheibe; der Start an der Leichtathletik-EM in Barcelona Ende Juli sollte deswegen nicht in Gefahr sein.

So kurz vor dem wichtigsten Wettkampf im Jahr Forfait erklären zu müssen, hätte Linda Züblin arg geschmerzt. Die in Bern lebende Thurgauerin fühlt sich nämlich diesen Sommer so gut in Form wie schon lange nicht mehr. Eindrücklich bewies sie dies Ende Mai in Götzis, als sie trotz äusserst garstigem Wetter am zweiten Wettkampftag die geforderte Limite von 5900 Punkten um 48 Zähler übertraf. Sie kehrte in die Schweiz zurück mit der Gewissheit, 6000 Punkte und mehr in den Beinen und den Armen zu haben. Bei diesem Wert war sie vor zwei Jahren schon einmal angelangt, ehe sie in ein sportliches Loch geriet. Auslöser der Krise war eine Trainerrochade und der damit verbundene Tapetenwechsel. Züblin wechselte von ihrem langjährigen Trainer Werner Dietrich zu Mehrkampf-Nationalcoach Adrian Rothenbühler, mit dem sie während der Spitzensport-RS in Magglingen intensiv zusammengearbeitet hatte. Und da dieser im Bernbiet lehrte, zog sie von Riedt in ein Zimmer in Magglingen. Fernab ihrer Familie packte sie bald einmal das Heimweh. «Ich musste untendurch», sagt Linda Züblin rückblickend. Doch eine Rückkehr kam für die heute 24-jährige nicht infrage. «Es war an der Zeit gewesen, das gemachte Nest in der Ostschweiz zu verlassen.»

Die kaufmännische Angestellte biss sich in der Fremde durch, fand in Bern eine Wohnung – und Anfang dieses Jahres bei der Akad auch einen Job, der ihr gefällt. Ein paar Monate später sagt die Mehrkämpferin nicht ohne Stolz: «Ich stehe auf meinen eigenen Beinen und bin mit mir im Reinen.»

«Darling» des Boulevard

Linda Züblin ist keine Sportlerin, der man jeden Wurm aus den Nasenlöchern ziehen muss. Sie ist sehr kommunikativ und gibt ungefragt auch Persönliches preis. Das macht sie zu einer beliebten Interviewpartnerin. Und da sie gut aussieht und auch schon ziemlich freizügig posierte, steht sie für die Boulevard-Presse hoch im Kurs. Im letzten «SonntagsBlick» war sie fast seitenfüllend im Badekleid abgebildet und wurde als «Die Wilde» der jungen Schweizer Leichtathletinnen bezeichnet, die an die EM fahren. «Männerfantasien», sagt Züblin, die sich zuweilen aufregt, dass man sie auf ihr Äusseres reduziert. Dass sie eine Projektionsfläche bietet, wenn sie sich für eine Sportbekleidungsfirma oder einen Ausrüster in Pose wirft, ist ihr durchaus bewusst. Dennoch mag sie nicht ganz verzichten auf «gelegentliche seriöse Fotoshootings».

Psychothriller zur Ablenkung

Priorität hat für die lebenslustige Ostschweizerin aber im Moment ganz klar der Sport: «Ich bin noch lange nicht am Ende meines Weges.» In Barcelona möchte sie ihre bisherige Bestmarke von 6018 Punkten übertreffen. Die Resultate an den Schweizer Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Lugano haben Linda Züblins Hoffnungen genährt, dass dies gelingen könnte. Sie warf den Speer über 50 Meter weit, erzielte im Kugelstossen mit 13,20 Metern ihre zweitbeste Weite, und auch mit dem 200-Meter-Lauf, den sie auf Geheiss von Swiss Athletics bestreiten musste als Test für ihr lädiertes Knie, war sie zufrieden. «Ich bin zuversichtlich», verkündet Züblin wenige Tage vor dem Abflug nach Spanien. Macht sie sich keine Sorgen wegen des angerissenen Knorpels? «Ich habe etwas Respekt vor den Sprüngen. Doch ich darf nicht zu viel an die Knorpelgeschichte denken.»

Um sich abzulenken, schleppt die Siebenkämpferin etliche Krimis und Psychothriller mit nach Barcelona. Züblin hat sich fest vorgenommen, in der katalanischen Metropole ein schönes Café zu suchen und sich dort in ein Buch zu vertiefen. Das hat sie auch schon an den Olympischen Sommerspielen in Peking und 2008 an der WM in Berlin 2009 so gehandhabt vor dem Wettkampf – und damit gute Erfahrungen gemacht. (Der Bund)

Erstellt: 23.07.2010, 09:29 Uhr

Bernerinnen und Berner an der EM

Der «Bund» stellt in loser Reihenfolge die Berner EM-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer vor, die vom 27. Juli bis zum 1. August in Barcelona am Start sind. Bereits erschienen sind Porträts von 5000-m-Läufer Philipp Bandi (18. 6.), Stabhochspringerin Anna Katharina Schmid (25. 6.), Hürdenläuferin Lisa Urech (2. 7.), Sprinter Marc Schneeberger (9. 7.) und Marathonläuferin Maja Neuenschwander (15. 7); nachlesbar unter www.leichtathletik.derbund.ch.

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