Lacrosse: Hart auf den Körper, gesittet im Umgang

Am Wochenende organisieren die einheimischen Titans das Bern Lacrosse Open. Zwei Wochen später reist ihr Goalie an die WM.

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Es ist wahrlich kein Schmetterling-Fangen, was die 20 Männer auf dem Fussballfeld veranstalten. Auch wenn sie, jeder mit einem birnenförmigen Netz bewaffnet, das an einem Stock befestigt ist, herumrennen und nach etwas haschen. Lacrosse ist ein harter Sport. Ausgerüstet mit Helm, Schulter- und Brustpanzer, Ellbogenschonern, Tiefschutz und Handschuhen gleichen sie American-Football- oder Eishockeyspielern. Ähnlich rau wie in jenen Sportarten geht es auch zu und her: Checks gegen den Körper sind ebenso erlaubt wie das Schlagen auf den gegnerischen Stock, zu dem übrigens auch die Hände zählen, die diesen umklammern.

Die körperlichen Umgangsformen sind unzimperlich. Sonst aber geht es auf dem Feld gesittet zu und her: Nicht nur die drei Schiedsrichter, sondern auch die Gegner müssen allesamt mit «Sir» angesprochen werden. Und nach den Partien werden die Kontrahenten zu Verbündeten, welche die in Europa und in der Schweiz noch wenig bekannte Sportart weiterbringen wollen.

Der «Lehrplätz» gegen England

Die Härte ist ein Aspekt, der für Rolf Zimmermann die Faszination ausmacht, neben der Präzision, mit welcher der Ball weitergespielt werden kann. Nicht zuletzt kommt die Geschwindigkeit: «Lacrosse ist wohl das schnellste Spiel auf zwei Beinen», sagt der Goalie der Bern Titans über das Ballspiel, das auch als «Landhockey in der Luft» umschrieben werden könnte. Der 31-Jährige ist seit den Anfängen des Klubs vor rund drei Jahren dabei. Als Torhüter im Handball, Eis- und Unihockey hatte er sich zuvor schon versucht. Als ein Freund von ihm (der heutige Titans-Trainer André Blaser) einen Goalie für das Lacrosse-Team suchte, zögerte er nicht lange.

Seither war er bereits an einer EM dabei, wo er wegen Differenzen mit dem Trainer allerdings nicht oft zum Einsatz kam. Nun reist er mit dem Schweizer Team an die WM in Manchester (Gb), die vom 10. bis 24. Juli stattfindet. In den letzten zwei Jahren und seit dem «Lehrplätz» in der Auftaktpartie gegen die Engländer (0:40-Niederlage) und nur zwei Siegen (gegen Frankreich und Italien) an den europäischen Titelkämpfen habe sich das Lacrosse in der Schweiz stark weiterentwickelt, sagt Zimmermann. Deshalb rechnen sich die Schweizer für die WM Chancen aus, auch weitere Nationen schlagen zu können.

Praxis im «Second Hand Team»

Zuerst einmal geht es aber an den Bern Open darum, allen Spielern möglichst viel Spielpraxis zu ermöglichen. Am Einladungsturnier finden diejenigen Spieler, die in der Meisterschaft oft überzählig sind, im sogenannten Second Hand Team, einer zusammengewürfelten Mannschaft, Unterschlupf.

Denn obwohl die Bern Titans erst zum zweiten Mal offiziell an den Schweizer Meisterschaften mitmachen, wollen sie sich nach dem 4. Rang im letzten Jahr wieder unter den Top 4 klassieren; momentan liegen sie auf Platz 3.

Die dritte Austragung des Bern Open findet erstmals ohne ausländische Beteiligung statt. Titans-Trainer Blaser, einer der Pioniere in dieser Sportart in der Schweiz, führt dies auf Terminkollisionen (gleichzeitig finden auch in Wien und Amsterdam Turniere statt) zurück: «Weil wir noch ein sehr junger Verein sind, müssen wir die Plätze dann belegen, wenn wir sie erhalten.» Deshalb haben sich die Berner bereits an die Planung des vierten Bern Open gemacht. 2011 soll das Turnier wenn möglich auf der Berner Allmend stattfinden. (Der Bund)

Erstellt: 25.06.2010, 10:31 Uhr

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