Im Goldfieber

An der Kunstturn-EM in Montpellier will Giulia Steingruber auf eindrückliche Weise zurückschlagen.

Drei Medaillen peilt Giulia Steingruber an: Am Sprung, am Boden (Bild) und im Mehrkampf.<br />Foto: Keystone

Drei Medaillen peilt Giulia Steingruber an: Am Sprung, am Boden (Bild) und im Mehrkampf.
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Goldschmiede waren unter den Ersten, die in Montpellier geschäfteten. Die Stadt im Hérault war wichtiges Handelszentrum und Gold schon zu jener Zeit, vor 500 Jahren, ein reizvolles Handelsgut. Daran wird man bis heute erinnert. Es gibt den Platz zur goldenen Zahl, die Strasse zum goldenen Kreuz oder die Strasse der goldenen Knöpfe.

Geht es nach Giulia Steingruber, der Schweizer Vorzeigeturnerin, so setzt sich in der Studentenstadt am Mittelmeer in den kommenden ­Tagen das Goldfieber fort: An der Kunstturn-EM greift die Ostschweizerin erneut nach den Medaillen. Nicht nach ­einer wie 2012 und 2013, nicht nach zwei wie vor einem Jahr in Sofia – drei sind dieses Mal ihr Ziel und die Vorgabe ihres Trainers Zoltan Jordanov. Drei goldene könnten es sogar werden, deutet Jordanov an. «Und am Sprung», sagt er zum Parade­gerät seiner Turnerin, «wäre alles andere als Gold eine Enttäuschung.»

Klagen über den Druck

Titelverteidigerin ist Steingruber an ­diesem Gerät, doch sie will sich in Montpellier nicht damit begnügen, erneut ­Europameisterin zu werden. Sie will das 16 Monate vor den Olympischen Spielen vor allem auf eindrückliche Weise tun. Vor einem Jahr hatte sie es sich geleistet, Taktik und Vorsicht walten zu lassen, im Aufbau ihres zweiten Sprungs, einem Jurtschenko mit Doppelschraube, war sie noch nicht so weit. Zu Gold reichte es auch so. «In diesem Jahr gibt es kein Taktieren mehr», stellt Jordanov klar. Steingruber verspricht: «Ich zeige die Doppelschraube schon in der Qualifikation.» In dieser steht sie heute Nachmittag in der dritten von vier Subdivisionen ab 16 Uhr im Einsatz.

Die Karriere der 21-jährigen Gossauerin ist voll auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr ausgerichtet, und nach dem missglückten zweiten Halbjahr 2014 ist Steingruber auf Erfolgserlebnisse angewiesen. Nach dem EM-Titel vor einem Jahr (und der Bronzemedaille am Boden) hatte ihr Körper dem steten ­Gipfelsturm ein jähes Ende gesetzt. Steingruber verlernte vorübergehend die ­Fähigkeit, Schrauben zu drehen, und fühlte sich auch vom Druck überbeansprucht. An der WM in China im Herbst beklagte sie sich darüber, dass im Schweizer Team die ganze Last auf ihr liege.

Wieder mit Mentaltraining

Daran hat sich in der Zwischenzeit freilich nichts geändert. «Der Stress ist bei Giulia», ist Trainer Jordanov bewusst – wohl wissend, dass an der EM in Montpellier kein Teamwettkampf durchgeführt wird. Vor ein paar Monaten hatte seine Turnerin ihr Mentaltraining wieder aufgenommen. Mit selbst geschriebenen Zetteln versucht sie sich zu motivieren.

Helfen soll Steingruber zudem zu Beginn dieses vorolympischen Jahres, dass sie vorerst mit unveränderten Übungen in den Wettkampf geht. Stabile Qualität vor waghalsiger Schwierigkeit – darauf legte das Duo in der Vorbereitung den Fokus. Das galt für die Doppelschraube am Sprung wie für die anspruchsvolle Bodenübung. Finalchancen hat Steingruber ausserdem am Balken.

Ohne dass sie die EM als Zwischenschritt abtun würde – vorgespurt ist weit über Montpellier hinaus. Ein hartes Jahr liegt vor Steingruber: Sie wird in zwei Monaten an den ersten Europäischen Spielen in Baku teilnehmen, bevor im Herbst die WM in Glasgow ansteht. Dort geht es um die Olympiastartplätze, im Einzel wie mit dem Team, und dort wird sie wohl einen ihrer beiden Sprünge weiter erschwert haben müssen. Schliesslich ist in Schottland jede am Start, die sich 2016 in Rio Chancen ausrechnet. Im Unterschied zur EM nun: Mit der Russin Alija Mustafina und der Rumänin ­Larisa Iordache fehlen in Südfrankreich die beiden besten Turnerinnen des Kontinents.

Dieser Umstand bietet der Schweizerin die Gelegenheit, auch im Mehrkampf nach den Sternen zu greifen. 2013 war sie Vierte geworden, hinter Mustafina, hinter Iordache. «Es kann alles passieren», sagt Trainer Jordanov, «wir sind auf alles vorbereitet.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.04.2015, 21:34 Uhr

Turn-EM in Montpeiller

Programm
Heute: Qualifikation Frauen (ab 10.30)
Morgen: Qualifikation Männer (ab 10.30)
Freitag: Mehrkampffinal F (14.00) und M (18.30)
Samstag: Gerätefinals, Teil 1 (14.30)
Sonntag: Gerätefinals, Teil 2 (14.30)

Schweizer Aufgebot
Frauen: Caterina Barloggio (19, Riazzino), Jessica Diacci (21, Villnachern), Ilaria Käslin (18, Sagno), Giulia Steingruber (21, Gossau). – Alle 4 Turnerinnen bestreiten den Mehrkampf. – Männer. Mehrkampf: Christian Baumann (20, Leutwil), Claudio Capelli (29, Lätti). Einzelne Geräte: Pablo Brägger (23, Oberbüren), Pascal Bucher (26, Schöfflisdorf), Benjamin Gischard (20, Herzogenbuchsee), Marco Rizzo (23, Embrach).

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