Gabor Vetö will es nochmals wissen

Der in Bern lebende Ungar gibt nach über vier Jahren Inaktivität sein Comeback als Profiboxer.

Manager Geri Staudenmann (links) hilft seinem Schützling Gabor Vetö in die Handschuhe.

Manager Geri Staudenmann (links) hilft seinem Schützling Gabor Vetö in die Handschuhe. Bild: zvg

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Irgendwann zeigen die Schlagkombinationen von Gabor Vetö Wirkung. Martin Schwarz stöhnt kurz auf. Man kann sich lebhaft ausdenken, wie laut der Boxtrainer geworden wäre, trüge er keinen dicken Bauch- und Leberschutz.

Gabor Veto im Kampf gegen Trainer Marin Schwarz.

Die kurze Demonstration im Boxkeller an der Kochergasse ist der beste Beweis: Der 27-jährige Vetö ist nach rund vier Monaten intensivem Training wieder voll im Saft. «Ich bin körperlich stärker als vor meinem Rücktritt», bestätigt der Ungar.

An der Fitness wird er am kommenden Samstag, wenn er nach fast genau vier Jahren den ersten Ernstkampf bestreitet, ganz bestimmt nicht scheitern. Und trotz der langen Wettkampfpause sollte das boxerische Können ausreichen, um sich im Gundeli-Casino in Basel schadlos zu halten.

Dazu ist die Kampfbilanz von Gegner Tamaz Avdiez zu wenig gut (8 Siege, 8 Niederlagen). Der Franzose habe keinen «wahnsinnig guten Palmarès», gibt Vetös Manager Geri Staudenmann zu.

Dem Boxerleben hatte Vetö lange Zeit abgeschworen, weil er sich ausserstande sah, es mit dem Beruf als Lagerist unter einen Hut zu bringen. Irgendwann konnte ihn ein Kollege, den er in einem Fitnessstudio kennen gelernt hatte, überreden, wieder mal in einen Boxkeller zu steigen.

Dort kam es zur Begegnung mit Staudenmann, die seinem Leben eine neue Richtung gab. Der Inhaber von Boxen Bern bot dem inaktiven Faustkämpfer ein 50-Prozent-Pensum als Boxtrainer an. Vetö packte die unerwartete Möglichkeit beim Schopf.

Weil ihn die neue Aufgabe erfüllte und er sich im Umfeld von Boxen Bern «sehr gut aufgehoben» fühlte, erstaunt es nicht, dass sich im Verlauf der letzten Monate die Comeback-Pläne konkretisierten.

Sie sehen vor, in diesem Jahr zwei Aufbaukämpfe zu bestreiten, ehe am 1. Oktober im Kubus des Stadttheaters erstmals mit der grösseren Kelle angerichtet werden soll. Im Rahmen einer Boxgala will sich Vetö mit einem Gegner messen, der einen echten Gradmesser darstellt. Denn er möchte wissen, ob er bereits wieder so weit ist wie 2012, als ihm die Türe in die USA offenstand.

Das abrupte Ende

Womit der Bogen zum ersten Teil von Vetös Karriere geschlagen wäre. Diese beginnt in Ungarn, wo er im Juniorenalter von Oliver Dütschler entdeckt wird. Der Schweizer Boxmanager fördert die Karriere des talentierten Faustkämpfers, beschafft ihm in der Schweiz eine Wohnung und einen Job.

So landet Vetö in Bern, wo er tagsüber eisern trainiert und nachts arbeitet. Die Reisen in den Boxkeller der Gebrüder Seferi in Burgdorf nimmt er wie die steten Kontrollen seines Managers in Kauf.

Der Lohn für das gestrenge Regime sind über 20 Profikämpfe, die dank Dütschlers Beziehungen zum Management der Klitschko-Brüder zum Teil in exklusiver Umgebung stattfinden. Da Vetö stetig siegt, steigen die Chancen, sich in den USA präsentieren zu dürfen. Im Frühling 2012 ist der Traum zum Greifen nah.

Der berüchtigte Promotor Don King hat vor, Vetö für vorerst drei Kämpfe unter Vertrag zu nehmen. Das verlockende Angebot macht den überforderten Weltergewichtler nicht glücklicher.

«Der Schlüssel, den mir mein Manager in die Hand gedrückt hat, als ich in die Schweiz kam, war zu schwer geworden», sagt er rückblickend. Um sich von der Last zu befreien, macht er nach seinem 28. Profikampf einen radikalen Schnitt, erklärt den sofortigen Rücktritt. Der konsternierte Dütschler versucht Vetö umzustimmen.

Vergeblich. Auf das abrupte Ende angesprochen, äussert sich Dütschler zurückhaltend. «Es sind Dinge vorgefallen, die mich enttäuscht haben. Doch wir können uns immer noch in die Augen schauen.»

(Der Bund)

Erstellt: 10.05.2016, 23:18 Uhr

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