Erster Schweizer Sieg am GP von Bern seit 1998?

Franziska Rochat-Moser gewann vor 19 Jahren als letzte Schweizerin das 10-Meilen-Rennen des GP Bern. Martina Strähl oder Maja Neuenschwander könnten morgen in ihre Fussstapfen treten.

Martina Strähl (links) und Maja Neuenschwander: Auf ihren Schultern ruhen die Hoffnungen der Einheimischen.

Martina Strähl (links) und Maja Neuenschwander: Auf ihren Schultern ruhen die Hoffnungen der Einheimischen. Bild: Franziska Scheidegger

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Mit der Reputation des Sieges am New York Marathon war Franziska Rochat-Moser 1998 zum Grand Prix angetreten. Und die Bernerin, die vier Jahre später durch ein Lawinenunglück aus dem Leben gerissen wurde, verstand es, ihrer Favoritenstellung gerecht zu werden. Sie gewann vor Heimpublikum.

Sämtliche Versuche der Schweizer Top-Langstrecklerinnen, Rochat-Moser nachzueifern, sind gescheitert – zuletzt durch Martina Strähl. Der Solothurnerin fehlten 2016 als Zweite elf Sekunden. Strähl, seit ihrem famosen Berlin-Marathon im letzten September und den 2:30:58 Stunden die hiesige Nummer 3 in der Allzeit-Bestenliste über die 42,195 km, ist am Samstag erneut Siegesanwärterin. Ebenso Maja Neuenschwander, die Marathon-Rekordhalterin.

Wunschszenario Befreiungsschlag

Die beiden leistungsstarken Einheimischen treten mit unterschiedlichen Vorgaben an. Neuenschwander kämpft sich nach ihrer Aufgabe vor drei Wochen am Londoner Marathon aus einem Loch zurück. Strähl steckt im Aufbau für den WM-Marathon in London im August.

«Irgendwann galt es abzuhaken und zu vergessen, über eine verpasste Möglichkeit nachzutrauern», resümiert Neuenschwander. Obwohl ihr dies nach einer Woche gelang – sieben Tage mit diversen medizinischen Abklärungen ohne klaren Hinweis für die Leistungsschwäche –, spricht sie von «einer sehr, sehr kurzen Umstellung».

Sie bezieht ihre Aussage nicht primär aufs Training, sondern aufs Mentale: «Ich hatte monatelang nur London im Kopf, und ich empfand es als sehr anspruchsvoll, den Fokus zu wechseln.» Sie sei selber neugierig darauf, wie weit es ihr gelinge, die nötige Spannung aufzubauen. Auf einen «Befreiungsschlag» hofft sie. Mit einer vorzüglichen Leistung gelänge es wohl einfacher, den Misserfolg hinter sich zu lassen. «Ich versuche, diese Herausforderung entspannt und mit grosser Freude anzugehen», sagt die 37-Jährige.

Ambition nach einer 56er-Zeit

Strähl kann ohne sportlichen Rückschlag in jüngster Vergangenheit an den Start gehen wird. Die eben 30 Jahre alt gewordene Marathon-Aufsteigerin häufte nach ihrer Parforceleistung vom letzten Herbst weitere Erfolgserlebnisse an. So lief sie Anfang April den Berlin- Halbmarathon in starken 1:11:59 Stunden. Vor wenigen Tagen bewies sie ihre Fähigkeiten bei ihrem Spontanstart am Wengi-Berglauf.

«Auch wenn ich mittlerweile 90 Prozent meiner Rennen im Flachen absolviere, kann ich im Berglauf meine Leistung nach wie vor abrufen», freut sie sich. Diese Gewissheit kommt der ehemaligen Berglauf-Weltmeisterin beim GP Bern entgegen. Auch diese Strecke ist alles andere als eben. Sie greift am Samstag nicht mit einer Rangvorgabe an. Vielmehr will sie sich an der Zeit orientieren. Letztes Jahr wurde sie in 57:03 gestoppt. Nun, so sagt sie, «wünsche ich mir eine 56er-Zeit». 2016 siegte Charity Kiprop (Ken) in 56:52 Minuten.

Gut möglich aber, dass heuer mehr verlangt sein könnte. Vor allem Helen Bekele, die erst 22-jährige Äthiopierin aus Genf, machte jüngst auf sich aufmerksam. Sie gewann Mitte März den Barcelona-Marathon in der Klassezeit von 2:25:04 Stunden. Für ein erstes Ausrufezeichen in der Bundesstadt hatte sie letzten Juni mit dem Triumph am Schweizer Frauenlauf gesorgt. Mit Viktoriia Pogorielska (Ukr) stösst sie auf ihre Vorgängerin beim spektakulären 5-km-Rennen, der Frauenlaufsiegerin von 2011, 2013, 2014 und 2015. Über einen erstklassigen Leistungsausweis verfügt zudem Lisa Hahner (D), die den Marathon schon in 2:28:39 bestritt. (Der Bund)

Erstellt: 12.05.2017, 08:42 Uhr

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