Erst amerikanisches TV, nun Allmend

Bildstrecke

Tiffany Toney (USA) beendete ihr Fernseh-Praktikum frühzeitig, um bereits vor Saisonstart bei den Bern Cardinals einzutreffen. Damit legte sie einen Traum auf Eis, um einen anderen zu verwirklichen.

  • loading indicator

Geboren ist sie in Hawaii, aufgewachsen in Texas; das College absolvierte sie in der Nähe von Washington D. C. Doch Tiffany Toney wollte noch weiter weg. «Overseas», also in Europa, wollte sie spielen. «Davon habe ich schon lange geträumt», sagt Toney. Mit dem Chor der High School hatte sie als 14-Jährige vor Papst Johannes Paul II. in Rom gesungen, daneben auch Mailand, Florenz und Venedig besucht. Die Kultur des alten Kontinents tat es ihr an und liess sie nicht mehr los.

Der Sport, den sie bereits seit ihrem 11. Lebensjahr betreibt, brachte sie zurück nach Europa. Toney spielte zwar auch Volleyball, doch ihre Liebe gilt dem Softball. «Das verbindet mich auch mit meinem Vater», sagt die 25-Jährige. Darrell Toney, der in der Air Force diente, besuchte die meisten Spiele seiner Tochter, reiste mit ihr durchs ganze Land zu Camps und war im letzten College-Jahr sogar ihr Trainer. Gemeinsam gewannen sie die regionale Meisterschaft. «Meine Mutter unterstützt mich auch, aber sie hat keine grosse Ahnung vom Sport. Sie feuert mich einfach an, egal was passiert», sagt Toney und lacht.

Dass sie so weit kam und auf ihrem Weg so erfolgreich war – Toney war 2008 eine All-American, wurde also in eine Art «All-Star-Team» der US-Colleges gewählt –, hat sie jedoch nicht nur ihren Eltern, sondern auch ihrem Bruder zu verdanken. Obwohl – oder eben gerade weil – er mit 16 Jahren deutlich jünger ist als sie. «Ich wusste, dass Emmanuel zu mir aufschaut, und wollte ein Vorbild für ihn sein.»

Ihre Rolle nahm Toney auch in der Schule wahr. Im Dezember schloss sie ihren Master in «Broadcast Journalism» ab. Schon während des Studiums hatte sie Erfahrungen gesammelt: als Statistin in «Step up to the Streets», als Schauspielerin in lokalen Werbespots sowie als Moderatorin für eine Beauty-Sendung. Zuletzt absolvierte sie ein Praktikum als Produktionsassistentin bei «America’s Most Wanted», einer Dokumentar-Fernsehsendung mit dem Ziel, Straftaten aufzuklären. Ihr grosser Traum ist es, dereinst beim Musiksender MTV anzuheuern.

Zumindest bis im Herbst ist sie nun aber hier, in Bern, auf der Allmend. Und trotz hohen Ambitionen ist Toney auf dem Boden der Realität und bescheiden geblieben. So sagt sie beispielsweise, sie könne immer etwas lernen, auch wenn das Niveau wie hier in der Schweiz im Softball tiefer sei. Zudem habe sie grossen Respekt vor den hiesigen Spielerinnen, die ihren Sport mit grosser Hingabe betrieben, obwohl es «nur» ein Hobby sei.

Trainer Sandro Negro beschreibt seine neue Spielerin als offen und ehrlich, besonnen, zuverlässig und höflich. Ihn spreche sie immer mit «Coach» an. «Das hat vorher noch nie eine Spielerin gemacht», so der 35-Jährige, der das Team seit 2005 coacht. Zudem habe sich keine der Ausländerinnen, welche die Cardinals in der Vergangenheit verstärkten, so detailliert über den Klub und die Stadt informiert wie Toney. Ihre spielerischen Fähigkeiten stuft er als ebenso hoch ein wie die ihrer Vorgängerinnen. Ein zusätzlicher Pluspunkt sei ihre Vielseitigkeit: «Sie ist nicht nur im Werfen, sondern auch in der Verteidigung stark. Das sind Pitcher selten.»

Übergangssaison nach Abgängen

Weil das Team nach Abgängen mehrerer Stammspielerinnen einen Generationenwechsel durchlebt, betrachtet Negro die diesjährige als Übergangssaison. Das Szenario, wonach die Cardinals die Playoffs erneut verpassen, ist wahrscheinlich. Es komme aber auch darauf an, wie und wann sich die anderen Teams verstärkten. «College-Abgängerinnen kommen erst Mitte Mai. Wir haben das Glück, dass Tiffany von Anfang an dabei ist», so Negro. Toney brach gar ihr TV-Praktikum früher ab, um zum Meisterschaftsstart hier zu sein. Liganeuling Luzern 2 war zwar noch kein Gradmesser, doch die zwei Siege sorgten zumindest für einen guten Start in Toneys zweiten Traum.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt