Die Hoffnung auf den Homerun für die neue Heimat

Mit 40 Jahren kommt Johnny Perigo zum Debüt im Schweizer Nationalteam. Der Spieler der Bern Cardinals reist zum EM-Qualifikationsturnier nach Barcelona.

Johnny Perigo schwingt sich auf der Allmend in Form für die Spiele am EM-Qualifikationsturnier in Barcelona. <br>(Claudia Blasimann)

Johnny Perigo schwingt sich auf der Allmend in Form für die Spiele am EM-Qualifikationsturnier in Barcelona.
(Claudia Blasimann)

Nicht zum ersten Mal an diesem Abend huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Diesmal ist es das Stadion von Barcelona, das Johnny Perigo die Mundwinkel auseinanderziehen und die Zähne entblössen lässt. Dort, auf dem Montjuic, wo vor beinahe 20 Jahren das Nationalteam seiner alten Heimat Kuba Olympiagold gewann, dort wird er ab nächstem Montag stehen – und dabei seine neue Heimat vertreten. Vor zwei Monaten erhielt Perigo den Schweizer Pass, als einer der Hoffnungs- und Leistungsträger reist er nun mit dem Nationalteam nach Spanien. Und das mit 40.

Vorgestern Mittwoch war sein runder Geburtstag, trotzdem nahm er sich Zeit für ein Interview; das Feiern hat er ohnehin auf später verschoben. «Ich muss morgen wieder arbeiten, am Freitag haben wir das letzte Testspiel in Zürich, und am Samstag geht es schon ab nach Barcelona», sagt Perigo. Er spürt zwar, dass er verletzungsanfälliger geworden ist, vor allem, wenn wie jetzt kühle Temperaturen herrschen. Er merkt auch, dass er die sechs Runden um die Grosse Allmend, die er vor dem Freitagstraining jeweils dreht, nicht mehr immer so locker abspulen kann. Und dass er neben seiner körperlich anstrengenden Arbeit bei einer Verpackungs- und Speditionsfirma nicht mehr jedes Training schafft.

Doch er sagt: «Ich versuche, in Form zu bleiben. Und hier, wo wir nur am Wochenende spielen, kann ich wohl noch drei bis fünf Jahre weitermachen.» Dass die bis zu 20 Jahre jüngeren Spieler ebenfalls leiden, wenn es wie im Europacup oder kommende Woche täglich einen Ernstkampf zu bestreiten gibt, lässt ihn mit einem Schmunzeln anfügen: «Ich bin fit.»

Harte Zeiten in den USA

Perigo ist seit seiner Ankunft vor sechs Jahren einer der besten Hitter in der Schweiz, 2007 war er gar der beste der NLA. Nicht selten bringen seine Schläge wichtige Punkte ein, den Ausgleich, der wieder Mut macht, oder den Sieg. Sich deswegen über die anderen zu stellen, liegt ihm fern. Seine Herkunft und die verschiedenen Lebensstationen haben ihn Bescheidenheit gelehrt. In Kuba gab der gelernte Elektriker einst den Sport auf, weil sich damit in der zweithöchsten Spielklasse der Lebensunterhalt nicht verdienen liess. In Mexiko, wo er vier Jahre wohnte, wie auch in den USA, wo er anfänglich für fünf Dollar die Stunde jobbte und deshalb lange Schichten bestritt, erlebte er «harte Zeiten».

Durch seine Frau, eine Schweizerin, die er durch seine in der Schweiz lebenden Halb- und Stiefgeschwister (Perigo: «Kubanische Familienverhältnisse sind kompliziert.») kennen gelernt hatte und die ihn an allen Stationen immer wieder besuchte, kam er nach Bern. Er schätzt die Lebensqualität hier. Ihm gefällt, dass zu den Dingen Sorge getragen wird, dass nicht jeder nur für sich schaut. «Nur das Wetter lässt manchmal ein bisschen zu wünschen übrig», sagt er und blickt vielsagend zum grauen Himmel hoch.

Technik wichtiger als rohe Kraft

So wild Perigo seine Mimik und Gestik im Gespräch einsetzt, so ruhig ist er im Spiel. Er sage sich immer wieder: «Du musst einfach Kontakt haben, der Ball fliegt dann von selber.» Er mache manchmal die gleichen Fehler wie die Jungen, wenn sie besonders weit schlagen wollen. «Wenn man mit zu viel Kraft schlägt, kommt es nicht gut. Die Technik ist das Wichtigste.» Die Erfahrung helfe ihm, in diesen Situationen Geduld zu bewahren. «Und auch wenn ich out gehe, werfe ich nicht den Bat oder den Helm weg.» Schliesslich brauche er den einen wie den anderen später wieder.

Über die Gegner am EM-Qualifikationsturnier, an dem neben ihm mit Raphael Hänzi, Vitus Huber, Tobias Imboden und Angelo Rodriguez vier weitere Spieler der Bern Cardinals teilnehmen, weiss Perigo nicht viel – mit Ausnahme von Gastgeber und Favorit Spanien. «Wenn das das gleiche Team ist, das an der letzten WM gegen Kuba nur knapp verloren hat, ist es sehr gut.» Auf Video studierte er den gegnerischen Pitcher. «Es hilft, zu wissen, wie er wirft und wo der Ball durchfliegt.» Besonders, weil dieser auf internationalem Niveau um einiges schneller auf ihn zukommen wird. Das hat aber auch sein Gutes, denn: «Gegen schlechte Werfer können wir nicht gut schlagen, weil die Bälle ganz einfach zu langsam sind.» Ein guter Pitcher erhöht also die Chancen auf einen Homerun. Schafft Johnny Perigo nächste Woche abermals einen in einem wichtigen Moment, so wird das wohl nicht nur ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Der Bund

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