«Der Weltsport wird von der Unterwelt kontrolliert»

Die Unterwelt steuere den weltweiten Sport im grossen Stil, zeichnete Wada-Chef David Howman an einer Doping-Konferenz in einem Londoner Vorort ein düsteres Bild des Sports.

Düsteres Bild: Laut Wada-Chef David Howman kontrolliert die kriminelle Unterwelt einen grossen Teil des Weltsports.

Düsteres Bild: Laut Wada-Chef David Howman kontrolliert die kriminelle Unterwelt einen grossen Teil des Weltsports.

(Bild: Keystone)

Generaldirektor David Howman von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat im Rahmen einer Dopingkonferenz im Londoner Vorort Twickenham ein düsteres Bild vom internationalen Sport gezeichnet. Kriminelle Organisationen würden «einen signifikanten Anteil des Weltsports» kontrollieren. Gleichzeitig verurteilte er die Gleichgültigkeit im Umgang damit. Wie Howman betonte, würde mehr Geld in den illegalen Handel von Dopingmitteln als etwa für die Beschaffung von Heroin gesteckt.

Die Informationen habe er aus seriösen Quellen wie der Strafverfolgung. «Die Unterwelt ist ins Wettspiel und in den Handel mit Dopingmitteln involviert – und es sind die gleichen Spieler», sagte Howman. «Ich sage das schon seit fünf oder sechs Jahren und nun bestätigt Interpol diese Informationen.» Die internationale Behörde habe sich mittlerweile der Lage angenommen und spreche von einem besorgniserregenden Zustand. Ziele der Wettbetrüger, so Howman, seien vor allem die Levels direkt unter den «High-Profile-Wettbewerben».

«Hunderte falscher negativer Tests»

Howman warnte auch vor der Gleichgültigkeit im Kampf gegen Doping. Laut dem höchsten Dopingjäger gebe es so raffinierte Methoden, um vermehrt Dopingkontrollen wieder zu entgehen. «Der raffinierte, betrügende Athlet ist im Betrügen sehr gut geworden», stellte Howman lakonisch fest. Das sei nicht neu, «aber es ist für uns eine grosse Herausforderung geworden».

Howman lobte die UCI für ihren Einsatz mit dem Blutpass. Andere Sportarten sollten dem Beispiel des Radverbandes folgen. «Ich bin sehr enttäuscht, wie wenig Blutkontrollen gemacht werden. Es gibt Substanzen, die nur mit einer Blutanalyse erkannt werden. Wenn wir also keine Blutkontrollen machen, dann haben die Athleten einen Freipass. Das ist lächerlich», ereifert sich Howman.

Auch klagt er, dass die Sportverbände zu wenig gegen Korruption unternehmen würden. Sportler würden «Tausende Dollars» zahlen, um Dopingkontrolleure und Funktionäre zu bestechen. Dies sei oft ein mehrfaches der Monatssaläre dieser Personen. Howman ist sich sicher, dass es «Hunderte falscher negativer» Dopingtests jährlich gibt.

DerBund.ch/Newsnet

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