Neue Vorwürfe gegen den Berner Sportmediziner M.

Der umstrittene Sportarzt soll sein Facharztdiplom erschlichen haben und vom Bund angestellt sein.

M. ist bereit, Testosteron zu verabreichen. (Symbolbild)

M. ist bereit, Testosteron zu verabreichen. (Symbolbild) Bild: Reto Oeschger

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Der Fall des umstrittenen Berner Sportmediziners M. wird immer skandalöser. Nachdem vor einer Woche das Schweizer Onlinemagazin «Republik» und die ARD aufgedeckt hatten, dass M. bereit ist, Sportlern Doping wie Epo oder Testosteron zu verabreichen, und für seine illegalen Praktiken auch mit dem lebenslang gesperrten russischen Arzt Sergei Portugalow zusammenarbeitete, kamen am Wochenende weitere Vorwürfe auf.

So schrieb die NZZ am Samstag, dass M. sein FMH-Facharztdiplom erschlichen habe, indem er jenes eines Familienmitglieds kopiert und dabei schlicht den Vornamen ersetzt habe. Erst mit diesem Diplom für allgemeine innere Medizin kann der Fähigkeitsausweis für Sportmedizin erlangt werden. Nach Bekanntwerden des Betrugs, der durch die kantonale Gesundheitsdirektion sanktioniert werden dürfte, kündigte die Gemeinschaftspraxis in der Berner Innenstadt den Mietvertrag mit M. Er ist laut «Republik» in einer weiteren Gemeinschaftspraxis im Stade de Suisse tätig.

Inzwischen ist auch die Berner Staatsanwaltschaft wieder tätig geworden und hat wegen der Dopingvorwürfe ein Verfahren gegen M. eingeleitet («Bund» vom letzten Samstag). 2009 hatte sie nach einer Anzeige durch den Internationalen Radsportverband (UCI) schon einmal gegen ihn ermittelt, stellte das Verfahren aber schliesslich ein. Für die Abgabe von Dopingmitteln drohen in der Schweiz bis zu drei Jahre Haft, wie Matthias Kamber sagt, der Leiter von Antidoping Schweiz. Für M., der nicht zu sprechen war, dem Vernehmen nach enge Kontakte zur Schweizer Radsportszene hat und selbst aktiv Leistungssport auf Amateurbasis betreibt, gilt die Unschuldsvermutung.

Ausschaffungsflüge begleitet

Zudem enthüllte der «SonntagsBlick», dass M. als ranghoher Offizier zahlreiche Athleten der Sportler-RS trainiert hat. Noch vor zwei Wochen habe M. beim Militärsportkurs in Andermatt die künftige Schweizer Wintersportelite ausgebildet. Armeesprecher Daniel Reist sagte dem Boulevardblatt, als Oberstleutnant habe M. direkten Kontakt mit den Sportlern gehabt. Trotz «immer tadellosem Verhalten» von M. sei diese Zusammenarbeit nun ausgesetzt worden.

Damit nicht genug. Wie der «SonntagsBlick» weiterschreibt, hat auch der Bund M. beschäftigt. Als freier Mitarbeiter der mandatierten Ärztefirma Oseara begleitete er im Auftrag des Bundes Ausschaffungsflüge. Auf diesen werden abgewiesene Asylbewerber nicht selten gefesselt, weil von ihnen grosser Widerstand zu erwarten ist. Und es wurden Fälle ruchbar, in denen Gefangenen gegen ihren Willen Beruhigungsmittel verabreicht wurden. Der Bund verbot Oseara diese Praxis. Alle Flüge würden von Mitgliedern der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter begleitet, beteuert der Bund. Bei elf Flügen sei M. dabei gewesen, letztmals im Oktober. Oseara richtet dem «SonntagsBlick» aus, sie werde M. nicht mehr einsetzen, bis die Schuldfrage geklärt sei. (wie)

Erstellt: 05.02.2018, 08:20 Uhr

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Nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS am Donnerstag die vom Internationalen Olympischen Komitee im russischen Dopingskandal verhängten Sanktionen gegen
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