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Die imposante Leidensfähigkeit

Keiner hätte den US-Open-Titel so verdient wie Stan Wawrinka, der Unnachgiebige. Doch im Final gegen Novak Djokovic muss er noch einmal leiden.

Erneut einen Match umgebogen: Stan Wawrinka bejubelt seinen Finaleinzug. (Video: Tamedia/Reuters)

Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen Tennismatch in der Masoala-Halle beim Zürcher Zoo spielen. So dürfte es sich für Stan Wawrinka und Kei Nishikori angefühlt haben, als sie in einem Klima wie in einem Regenwald ihren US-Open-Halbfinal ausspielten. Selbst die Zuschauer, die lediglich ihre Arme bewegten, um zu klatschen oder zum Getränk zu greifen, waren bald bachnass. Dann kam für Wawrinka noch dazu, dass Nishikori anfangs exzellent spielte, taktisch sehr gut eingestellt war, ihn mit seinen häufigen Netzangriffen überraschte. Der Japaner führte 6:4, 2:0, schien auf gutem Weg in sein zweites New Yorker Endspiel. Und Wawrinka spürte nach über 15 Stunden Tennis am US Open bestimmt langsam seine Beine.

Er akzeptiert die Niederlage nicht

Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, diesen Match gegen den entfesselt auftretenden Nishikori zu verlieren. Niemand hätte ihm einen Vorwurf machen können. Ein Major-Halbfinal wäre für Wawrinka wieder ein gutes Resultat gewesen. Doch dann tat er das, was wohl nur noch Rafael Nadal ähnlich gut kann: Er litt sich zur Wende. Der Romand kämpfte sich in die langen Ballwechsel rein, die Kraft kosten, die weh tun. Umso mehr in einem solch feuchtheissen Klima, nach einem intensiven Turnier.

Doch Schritt für Schritt arbeitete sich Wawrinka gegen Nishikori zurück in den Match, schaffte er es immer besser, die Initiaitve an sich zu reissen. Und irgendwann war es sein Gegner, der müde wurde, der sich mit dem Gedanken an eine Niederlage abfand, dem Willen Wawrinkas beugte. Der Lausanner gibt sich an diesem US Open einfach nicht geschlagen. Dreimal schon verlor er den ersten Satz, in Runde 3 gegen Daniel Evans musste er sogar einen Matchball abwehren. Auch gegen den schlaggewaltigen Juan Martin Del Potro musste er lange leiden.

Fast doppelt so lange gespielt wie Djokovic

Einen Gegner zu stoppen, der in Fahrt gekommen ist, ist etwas vom Schwierigsten, das es im Tennis gibt. Wawrinka hat es in New York schon dreimal getan. Und nun steht er, nach fast 18 Stunden auf dem Court, erstmals im US-Open-Endspiel. Sein Finalgegner Novak Djokovic musste fast halb so lange auf dem Platz ausharren, profitierte von einem Forfait und zwei Aufgaben. Doch im Halbfinal gegen Gaël Monfils wirkte er angeschlagen, liess er sich beide Schultern massieren. In früheren Matches hatten ihn das Handgelenk und der Unterarm beschäftigt.

Wawrinka und Djokovic werden am Sonntag ihre letzten Reserven anzapfen müssen. Wer bereit ist, noch etwas mehr zu leiden, wird gewinnen.

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