Nicht mutig genug

Vor der Pause ungenügend, danach ordentlich – YB verliert in Porto zum Start der Europa League 1:2.

Hielt die YB-Verteidigung auf Trab: Francisco Soares erzielte beide Tore für Porto. Hier umkreisen ihn Sörensen, Lustenberger, Zesiger und Bürgy (v.l.n.r.)

Hielt die YB-Verteidigung auf Trab: Francisco Soares erzielte beide Tore für Porto. Hier umkreisen ihn Sörensen, Lustenberger, Zesiger und Bürgy (v.l.n.r.)

(Bild: Reuters)

Fabian Ruch

Das Beste aus YB-Sicht nach einer komplizierten ersten Halbzeit ist das Zwischenresultat. 1:2 liegen sie in Porto zurück – nur 1:2, weil sie deutlich unterlegen waren und im Grunde genommen mit dem einzigen anständigen Angriff zu einem Elfmeter und dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Jean-Pierre Nsame kamen. 8:1 beträgt das Schussverhältnis, auch das belegt die Überlegenheit des FC Porto, der alles im Griff hat und einem ungefährdeten Startsieg in der Europa League entgegensteuert.

Aber je länger die zweite Hälfte dauert, desto ausgeglichener können die Young Boys das Geschehen gestalten. Ihr Trainer Gerardo Seoane wechselt früh, und mit Guillaume Hoarau im Angriff sowie Michel Aebischer und Gianluca Gaudino im Aufbau sind die Gäste deutlich schwungvoller.

Mitte der zweiten Halbzeit schiesst Ulisses Garcia aus spitzem Winkel beinahe das 2:2, der FC Porto wackelt nun, er ist im Abschluss ungenau und muss sich am Ende sogar mit Zeitspiel aushelfen. Der knappe Heimsieg aber gerät in der Schlussphase nicht ernsthaft in Gefahr. Zu harmlos ist YB, das dank einer Leistungssteigerung immerhin mit Anstand verliert.

Schwache erste Halbzeit

Mutig sein wollten die Young Boys im Drachenstadion, frech und selbstbewusst auftreten. Davon jedoch war lange Zeit wenig zu sehen, weil der FC Porto sofort das Kommando übernahm und keine Zweifel offenliess, eigentlich ein Champions-League-Stammgast zu sein. Der portugiesische Spitzenvertreter dominierte vor der Pause klar, war ballsicher und griff regelmässig über die Flügel an.

YB-Trainer Seoane hatte sich für ein 3-4-3-System entschieden und wollte mit dieser Formation die defensive Stabilität erhöhen. Captain Fabian Lustenberger rückte ins zentrale Mittelfeld, in der Abwehr-Dreierreihe spielten die jungen Berner Nicolas Bürgy und Cédric Zesiger an der Seite von Frederik Sörensen.

Zu gefallen vermochten die Young Boys am Donnerstagabend über weite Strecken nicht. Bereits in der achten Minute leistete sich Bürgy einen schweren Stellungsfehler. Angreifer Francisco Soares profitierte, liess auch gleich Sörensen mit einer Täuschung schwerfällig aussehen und tunnelte Goalie David von Ballmoos mit einem strammen Schuss zum 1:0.

YB benötigte ein paar Minuten, um sich von diesem Fehlstart zu erholen, doch manchmal genügt ein feiner Spielzug, um sich aus der Umklammerung zu befreien. In der 14. Minute schlug Lustenberger einen starken Schnittstellenpass, Roger Assalé sprintete den Innenverteidigern Portos davon und holte gegen Torhüter Augustin Marchesin einen Penalty heraus. Nsame verwandelte in Abwesenheit des vorerst geschonten Hoarau mit einem wuchtigen Hocheckschuss zum überraschenden Ausgleich.

Die deutliche Steigerung

Besonders viel Stilsicherheit verlieh das 1:1 den Gästen allerdings nicht. Es war weiter Porto, das aufs Tempo drückte und sich ausgezeichnete Torchancen erspielte. Ein Kopfball des dominanten Captains Danilo Pereira prallte an den Innenpfosten, doch kurz darauf waren die Young Boys ausgespielt. Erneut verteidigten sie ungenügend, am Ende des herrlichen Angriffs schob Soares den Ball aus drei Metern ins leere Tor.

Normalerweise ist Soares Reservist, er profitierte davon, dass sein Trainer Sergio Conceicao eine umfassende Kadersichtung betrieb und mehrere Ersatzkräfte nominierte.

Die stark ersatzgeschwächten Young Boys, die gleich auf sechs verletzte Stammkräfte verzichten mussten, jedenfalls waren mit dem 1:2 zur Pause grosszügig bedient. Es gelang ihnen in den ersten Hälfte kaum, Akzente zu setzen. Sie offenbarten Qualitätsmängel in der Defensive, Abstimmungsprobleme im Aufbau und blieben im Angriff grösstenteils ohne Entschlossenheit.

Weil sie sich aber erheblich steigerten, durften sie bis zum Schluss auf einen Punktgewinn hoffen. Das 1:2 bei einem keineswegs restlos überzeugenden FC Porto vor knapp 33'000 Zuschauern ist ein ehrenvolles Ergebnis, in der Europa League folgen nun die wegweisenden Heimspiele gegen die Glasgow Rangers sowie Feyenoord, das am Donnerstag in Glasgow 0:1 verlor.

Bereits am Sonntag empfängt Meister YB den Leader Basel zum nationalen Gipfeltreffen. Der FCB brillierte am Donnerstag mit einem 5:0 in der Europa League gegen den russischen Leader FK Krasnodar. Jenes Krasnodar übrigens, das im August im Drachenstadion nach einem couragierten Auftritt 3:2 gewonnen hatte – und dafür sorgte, dass der grosse FC Porto für einmal an der Europa League teilnehmen muss.

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