Ronaldos Schreckgespenster im Hoch

Juventus Turin steht nach dem Achtelfinal-Hinspiel mit dem Rücken zur Wand. Der 2:0-Heimsieg von Atlético Madrid ist aufgrund der zweiten Halbzeit verdient.

Er entscheidet die Partie in der 82. Minute: Atlético-Verteidiger Godin trifft zum 2:0.

Er entscheidet die Partie in der 82. Minute: Atlético-Verteidiger Godin trifft zum 2:0.

(Bild: Keystone)

Kaum vorstellbar, dass die Dezibel-Werte im Metropolitano-Stadion von Madrid noch höher ansteigen würden. Und doch wurde es im Tollhaus zweimal noch lauter, innert knapp mehr als einer Minute.

Zuerst vor Freude, als Morata per Kopf den Führungstreffer erzielte. Und dann vor Frust, als dem Treffer durch den Video-Schiedsrichter die Anerkennung versagt wurde, Morata hatte seinen früheren Juve-Teamkollegen Chiellini entscheidend in den Rücken gestossen.

In der 71. Minute jubelt Atlético Madrid dank eines Kopfballtors von Álvaro Morata. Warum das Tor im Nachhinein aberkannt wird, sehen Sie hier. (Video: SRF)

Das 1:0, es wäre zu diesem Zeitpunkt überfällig gewesen. Atlético war wie verwandelt aus der Kabine gekommen. Diego Costa, der solo aus 16 Metern den Ball vier Meter am Tor vorbei schlenzte, und Griezmann mit einem Lattentreffer hatten innert drei Minuten zwei hochkarätige Chancen verpasst (50./53.).

Hier lässt Diego Costa in der 51. Minute einen Grosschance für Atlético ungenutzt. (Video: SRF)

Der nicht gegebene Führungstreffer war nicht das Ende für Atlético – im Gegenteil. Das Team von Diego Simeone stand weiterhin so unter Strom wie der Trainer an der Seitenlinie und steigerte die Intensität sogar noch. Und auch die Ausbeute: Gimenez und Godin trafen in der 78. und 83. Minute, ausgerechnet die beiden Innenverteidiger.

Dieses Tor zählt nun aber: In der 78. Minute bringt Atlético-Verteidiger José Giménez die Spanier in Führung. (Video: SRF)

Gegen sie hatte Cristiano Ronaldo noch nie getroffen, wenn sie gemeinsam auf dem Platz standen, nun wurde diese für ihn so unangenehme Beziehung um ein weiteres Kapitel erweitert.

In der 83. Minute kommt es noch schlimmer für Juve: Diego Godin erzielt das 2:0 für Atlético. (Video: SRF)

Rückkehr von CR7 misslingt

Viel war im Vorfeld diskutiert und geschrieben worden über die Rückkehr von CR7 nach Madrid. Neun Jahre lang hatte er für den Stadtrivalen Atléticos gespielt, ehe er im letzten Sommer nach Turin dislozierte, und oft hatte er dafür gesorgt, dass Real das bessere Ende im Derby für sich behielt. 22 Tore hatte er in 31 Duellen erzielt, die «Colchoneros» zählten sogar gemessen an seinen Massstäben mit zu seinen Lieblingsopfern.

Die beste Chance in der Startphase hat Juves Cristiano Ronaldo, als er mit einem satten Freistoss Atlético-Goalie Jan Oblak prüft. (Video: SRF)

Ronaldo war zuletzt vor einem Monat in Madrid gewesen und vor Gericht zu einer Steuernachzahlung in der Höhe von rund 19 Millionen Euro verurteilt worden. Trotz des unschönen Epilogs hat er immer noch einen engen Bezug zur spanischen Hauptstadt; unter anderem besitzt er noch ein 5 Millionen teures Anwesen in einem Luxusquartier und zusammen mit seinen Promikollegen Rafael Nadal, Pau Gasol und Enrique Iglesias ist er Teilhaber eines Luxusrestaurants. «Madrid bleibt für immer in meinem Herzen», sagte er wenige Tage vor der Partie.

Ebenfalls eine gute Freistoss-Chance hatte Antonie Griezmann in der 29. Minute. Juve-Goalie Szcz?sny musste eingreifen. (Video: SRF)

Der Portugiese war fest entschlossen, der Liebesbeziehung ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Schon in der 9. Minute mit einem Freistoss aus 30 Metern, den Keeper Oblak mit einem tollen Reflex über die Latte lenkte. Drei Minuten später setzte Innenverteidiger Bonucci einen Kopfball aus fünf Metern freistehend übers Tor, es war das Ende von Juventus’ Anfangsoffensive. Und es sollte auch Ronaldos gefährlichste Aktion bleiben.

Danach kamen die Madrilenen immer besser ins Spiel und um ein Haar zu einem Penalty (28.). Der Video-Schiedsrichter entschied aber, die Berührung von De Sciglio gegen Diego Costa sei ausserhalb des Strafraums erfolgt und korrigierte den Penaltypfiff auf Freistoss.

Manchester City in extremis

Im Parallelspiel wurde Manchester City seiner Favoritenrolle bei Schalke in extremis mit einem 3:2-Sieg gerecht. Sané und Sterling sorgten in den Schlussminuten für die späte Wende.

Vor der Pause hatten die Anhänger in Gelsenkirchen innert sieben Minuten doppelten Grund zum Jubel gehabt, als Bentaleb jeweils mittels Penalty traf und damit den frühen Gegentreffer durch den Argentinier Agüero korrigierte. Pep Guardiolas Mannschaft haderte aber intensiv mit dem Schiedsrichter und dem Video-Ref: Das 1:1 war umstritten, das 2:1 ein klarer Fehlentscheid.

Die Highlights der Partie in Gelsenkirchen: Fünf Tore, ein Platzverweis und zweimal greift der VAR ein. (Video: SRF)

Tages-Anzeiger

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