YB kämpft, verliert aber in letzter Minute

Die Young Boys halten im Old Trafford gegen Manchester United lange die Null, müssen sich am Ende aber geschlagen geben.

Bitter: Marouane Fellaini trifft kuzr vor Schluss zum 1:0. Das sind die Highlights des Spiels.
Fabian Ruch

Man wird als Schweizer in Manchester am Dienstag regelmässig gefragt, warum die Young Boys eigentlich Young Boys heissen würden. Am Abend im Old Trafford erweisen die Young Boys ihrem Namen alle Ehre. Captain Steve von Bergen, 35-jährig, muss zur Pause angeschlagen ausgewechselt werden, der 13 Jahre jüngere UIisses Garcia ersetzt ihn. Mitte der zweiten Halbzeit ist kein Gästespieler ­älter als 26, die Berner Talentschau ist beeindruckend. YB verteidigt das 0:0 solidarisch, das kriselnde Manchester United hat den Schwung aus der Startphase längst verloren und rennt zuweilen konfus an, das genervte Publikum murrt und pfeift.

Die United wechselt mit den vorerst geschonten Romelu Lukaku und Paul Pogba zwei Weltstars ein, aber es ist YB, das offensiver wird und frecher. In der 70. Minute wird Garcias Schuss zweimal abgefälscht, United-Keeper David de Gea verhindert mit einem starken Reflex auf der Linie das 0:1. Weil Valencia bei Juventus verliert, könnte Manchester mit einem Heimsieg die vorzeitige Qualifikation für den Achtelfinal realisieren, während die Young Boys drei Punkte benötigen, um nicht aus dem Kampf um Rang 3 und die Teilnahme an den Europa-League-Sechzehntelfinals zu fallen. Es ist ein wildes Hin und Her in den letzten Minuten, YB hält das 0:0 lange, 90 Minuten sind vorbei, als der United doch noch das Siegtor gelingt. Ein langer Ball erreicht Marouane Fellaini, der sich um Loris Benito dreht und das für den Favoriten sehr erlösende 1:0 erzielt.


Die Bilder des Spiels:

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Heikle Startphase für YB

Es ist ein unterhaltsamer Abend im «Theater der Träume», wie das Old Trafford bezeichnet wird. Und ohne die aussergewöhnlich lauten, ausnahmslos in Gelb gekleideten rund 3000 Berner Supporter wäre es ruhig fast wie im Theater. Mit Hauptdarstellern, die sich wenig überraschend sofort meistens in der YB-Platzhälfte aufhalten, mit einem Manchester United also, das mit Verve das 1:0 sucht, und mit Young Boys, um die man sich in der Startviertelstunde noch sorgen muss. Fast im Minutentakt ­kombiniert sich der englische Rekordmeister zu gefährlichen Chancen. Marcus Rashford aber entscheidet sich nach fünf Minuten alleine vor YB-Goalie David von Ballmoos für einen Heber, der ebenso übers Tor fliegt wie kurz darauf ein kerniger Schuss Freds.


Video: Frust bei YB

Das sagen die YB-Spieler zur unglücklichen Niederlage. Video: Sebastian Rieder


Draussen an der Linie stehen die Regisseure der Veranstaltung, elegant gekleidet sind sie beide, United-Startrainer José Mourinho und Gerardo Seoane, der Aufsteiger aus der Schweiz, der sich vor einem Jahr als U-21-Coach Luzerns kaum hätte vorstellen können, Ende November 2018 im Old Trafford Dirigent eines Champions-League-Teams zu sein. Nun steht er an der Seitenlinie, rudert mit den Armen und klatscht in die Hände, treibt seine Akteure an, korrigiert sie, während Mourinho das Geschehen ein paar Meter daneben zunehmend genervt verfolgt. Denn YB erholt sich nach schwierigem Beginn, ist nun weniger hektisch, tritt kämpferisch auf, traut sich über die Mittellinie.

Das sehr junge Zentrum

Aufgestellt ist YB in Abwesenheit der Teamleader Sékou Sanogo (gesperrt) und Guillaume Hoarau (verletzt) erst zum zweiten Mal in dieser Saison im 4-1-4-1-System. Bei der Premiere in Turin lief gegen Juventus (0:3) vor bald zwei Monaten einiges schief. Paulo Dybala erzielte drei Tore, darunter nach fünf Minuten und einem Stellungsfehler Mohamed Camaras das frühe 1:0. Innenverteidiger Camara, 21 Jahre jung, steht auch am Dienstagabend in der Startformation, weil Sandro Lauper, 22, Sanogo ersetzt – und mit Djibril Sow und Michel Aebischer, beide 21, ein bemerkenswert junges zentrales Mittelfeld bildet. Das technisch starke Trio behauptet sich nach anfänglichen Turbulenzen prächtig. Am Ende aber jubelt doch der Gegner.

Telegramme:

Manchester United - Young Boys 1:0 (0:0)
73'000 Zuschauer. SR Brych (GER).

Tor: 91. Fellaini 1:0.
Manchester United: De Gea; Valencia (72. Mata), Jones, Smalling, Shaw; Fellaini, Matic, Fred (64. Pogba); Lingard (64. Lukaku), Martial, Rashford.
Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu, Camara, Von Bergen (46. Garcia), Benito; Assalé, Sow, Lauper, Aebischer, Sulejmani (66. Fassnacht); Nsame (82. Moumi Ngamaleu).
Bemerkungen: Manchester United ohne Rojo, Lindelöf (beide verletzt) und Alexis Sanchez (nicht im Aufgebot). YB ohne Sanogo (gesperrt), Hoarau, Wüthrich und Lotomba (alle verletzt).
Verwarnungen: 22. Matic (Foul). 48. Camara (Foul). 61. Benito (Foul). 72. Valencia (Foul).

Juventus Turin - Valencia 1:0 (0:0)
SR Collum (SCO).

Tor: 59. Mandzukic 1:0.
Juventus Turin: Szczesny; Cancelo, Bonucci, Chellini, Alex Sandro (46. Cuadrado); Betancur, Pjanic, Matuidi; Dybala (79. Costa), Ronaldo, Mandzukic.
Valencia: Neto; Wass, Gabriel, Diakhaby, Gaya; Cocquelin, Kondogbia (72. Soler), Parejo, Guedes; Rodrigo (46. Gameiro), Mina (67. Batshuayi).
Bemerkungen: Juventus Turin ohne Khedira, Can (beide verletzt) und Bernardeschi (nicht im Aufgebot). Valencia ohne Garay und Tscheryschew (beide verletzt).
Verwarnungen: 13. Betancur (Foul), 31. Gaya (Foul), 43. Kondogbia (Foul), 60. Cuadrado (Foul), 62. Diakhaby (Hands), 69. Guedes (Foul), 74. Batshuayi (Foul), 83. Matuidi (Foul).

Resultate und Rangliste

Gruppe H: Manchester United - Young Boys 1:0 (0:0). Juventus Turin - Valencia 1:0 (0:0).
Rangliste: 1. Juventus Turin 5/12 (8:2). 2. Manchester United 5/10 (6:2). 3. Valencia 5/5 (4:5). 4. Young Boys 5/1 (2:11).

DerBund.ch/Newsnet

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