Der harte Kern der Young Boys

Die Niederlage gegen Valencia hat nebst individuellen Fehlern auch eine neue Qualität offenbart.

Roger Assalé gleicht in der 37. Minute aus (Video: SRF).

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Dass sich der spanische Fussballfan als heissblütig hervortut, mag nicht als Nachricht des Tages durchgehen. Dennoch war es erstaunlich, wie viel Bewegung auf den Rängen des mit rund 36'000 Zuschauern nicht ganz gefüllten Mestalla-Stadions herrschte, als Valencia am Mittwochabend gegen YB spielte. Die Young Boys langten in ihrer vierten Partie in der Champions League ordentlich zu, entsprechend unmutig äusserte sich das Heimpublikum.

Allzu oft erreichte die Berner in der jüngeren Vergangenheit der Vorwurf, in internationalen Spielen zu schmalbrüstig, zu leichtgewichtig aufgetreten zu sein. Gegen Valencia mögen sie oft wenig gedankenschnell, bestimmt individuell zu fehlerhaft ans Werk gegangen sein. Aber sie haben in diesem beeindruckenden Bauwerk kaum «Rampenfieber» gezeigt – und nie zurückgezogen. «Wir haben den Gegner in Zweikämpfe verwickelt, das hat mir gefallen», anerkannte Trainer Gerardo Seoane. Internationale Härte als Matchplan, das ist womöglich bereits eine Lehre aus den Partien in Turin und gegen Manchester, ganz sicher aber eine Qualität von YB in dieser und der letzten Saison.

Der Meister bewegt sich in der Liga normalerweise nicht nur spielerisch, sondern auch physisch über dem Durchschnitt und findet so auch mal in eine Begegnung, wenn das über herkömmliche Wege nicht gelingt. Da ist nicht mehr nur Aggressivleader Sékou Sanogo, da ist längst auch der wuchtige Joker Jean-Pierre Nsame oder der aufsässige Nicolas Ngamaleu.

Und auf den Aussenpositionen ist die aktuelle YB-Ausgabe – Feinfuss Miralem Sulejmani ausgenommen – sowieso mit Spielern besetzt, die eine überdurchschnittliche Wasserverdrängung auf den Platz bringen: Kevin Mbabus Qualität ist seine Mischung aus Explosivität und Kraft, dasselbe gilt für Christian Fassnacht und Loris Benito. «Wir haben in den Zweikämpfen dagegengehalten», sagte Benito nach dem Spiel, «umso bitterer ist es, dass nichts herausgeschaut hat.»

Kampfstarke Mannschaften wandeln in intensiven Begegnungen immer auf einem schmalen Grat. Und die Spielleiter entscheiden mit, in welche Richtung der Balanceakt geht. Am Mittwoch verfolgte der rumänische Referee Istvan Kovacs eine wenig stringente Linie, verwarnte mal konsequent, dann wählerisch, während die vielen Karten in der Phase vor der Pause das Geschehen mehr anheizten als beruhigten.

Der Platzverweis gegen Sanogo war dann zwingend, weil der bereits verwarnte Ivorer bei seiner Aktion gegen Francis Coquelin wenn nicht direkt Rot, dann bestimmt Gelb-Rot hätte sehen müssen. Problemlos hätte es auch den verwarnten Ngamaleu treffen können, der in der Phase vor der Pause unvermindert übermotiviert in die Zweikämpfe stieg.

Vielleicht ist die Gewissheit, physisch auf höchstem Niveau nicht mehr einfach weggedrückt werden zu können, das sportlich Wertvollste, was das noch immer sieglose YB aus dieser Kampagne mitnehmen kann. Der Achtelfinal liegt nicht mehr drin, auch die Chancen auf Rang 3 sind gesunken. «Wir waren von Anfang an realistisch», sagte Benito zur ernüchternden Bilanz von einem Punkt aus vier Spielen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2018, 20:16 Uhr

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