Mitgefiebert – mitgelitten – mitgefeiert

2016 war ein grosses Sportjahr. Wir lassen unvergessliche Berner Höhepunkte nochmals aufleben. Dabei kommen für einmal nicht die Protagonisten der Erfolge zu Wort, sondern enge Bezugspersonen.

Matthias Glarner wird gekrönt.

Matthias Glarner wird gekrönt.

(Bild: Keystone)

Dario Greco@HerrGreco
Ruedi Kunz
Dieter Stamm@StammDieter

Stefan Glarner, Spieler beim FC Thun und Bruder des Schwingerkönigs: «Ich benötigte selber einen Moment, um es zu realisieren»

«Wenn mein Bruder schwingt, bin ich leider nur selten vor Ort, da ich oft selber Training oder Match habe. Das war auch beim Eidgenössischen so. Während Mätthel den Schlussgang bestritt, spielte ich mit dem FC Thun gegen Basel. Vor der Partie verfolgte die ganze Mannschaft das Schwingfest auf Grossleinwand, und ich wusste deshalb, dass mein Bruder später um den Königstitel schwingen würde. Aber die Gedanken daran hatten bald keinen Platz mehr, ich musste mich ganz auf das Spiel konzentrieren.

Kurz bevor die zweite Halbzeit begann, wurde ich darüber informiert, dass Mätthel der neue König ist. Ich konnte mich kurz freuen, aber musste die tolle Kunde sofort wieder ausblenden. Nach dem Spiel, wir verloren es 0:3, war zuerst nur die Enttäuschung über diese Niederlage da. Danach kam aber langsam die Freude für meinen Bruder auf, am Abend überwog diese dann. Ich fuhr umgehend nach Estavayer, um mit ihm anzustossen.

Seinen Sieg beim Bernisch Kantonalen Schwingfest in Unterbach hatte ich vor Ort erlebt. Von da an war ich überzeugt gewesen, dass auch am Eidgenössischen etwas möglich ist für Mätthel. Überrascht war ich aber trotzdem etwas. Mätthels Triumph war für mich speziell, ich benötigte selber einen Moment, um es zu realisieren. Dass er der König ist – das ist für die gesamte Familie etwas ganz Besonderes.» (dgr)


Fabian Cancellara am Ziel seiner Mission. Foto: Javier Etxezarreta (Epa)

Thomas Peter, Leistungssportchef von Swiss Cyling: «Bei der Siegerehrung schüttelte es mich»

«Ich war am Renntag schon in aller Herrgottsfrühe mit unserem Mechaniker Roger Theel im Startgelände. Neben den Mücken, die uns plagten, machte uns der lärmende Dieselmotor direkt neben unserer Box Sorgen. Da das OK kein Gehör hatte für unsere Umplatzierungswünsche, mussten wir uns wohl oder übel arrangieren. Mehr Glück hatten wir beim kleinen Psychokrieg, den wir wegen Tom Dumoulins Schuhwerk anzettelten. Rund zwei Stunden vor Rennbeginn verbot die Rennjury dem Mitfavoriten, in den zu hohen Überschuhen anzutreten.

Fäbus Goldfahrt verfolgte ich aus nächster Nähe, da ich das Begleitfahrzeug steuerte, in dem auch Nationaltrainer Luca Guercilena und Theel sassen. Als wir losfuhren, goss es wie aus Kübeln – erhöhte Sturzgefahr, auch für einen ausgezeichneten Techniker wie Fäbu. Doch nicht er landete in der ersten Abfahrt beinahe im Strassengraben, sondern wir in unserem südamerikanischen ‹Truckli›, welches in einer schnellen Kurve unerwartet ausbrach. Das nächste Mal mulmig wurde mir, als Fäbu bei der zweiten Zwischenzeit fast 30 Sekunden hinter dem führenden Rohan Dennis lag. Eine überflüssige Sorge, wie sich bald herausstellte. Schon bei Rennhälfte hatte Fäbu den Rückstand halbiert, und in der zweiten Runde war er turbomässig unterwegs. Nichts mehr konnte ihn auf seiner Mission stoppen. Vor der letzten Abfahrt meldeten wir ihm über Funk, er solle sich ein bisschen zurückhalten. Denkste! Er raste zum Teil mit gegen 70 km/h Richtung Ziel. Dort angelangt, begann das grosse Warten. Als Fäbus Sieg endlich feststand, übermannten mich die Gefühle.

Danach, bei der Siegerehrung, schüttelte es mich erneut. Zu später Stunde zogen wir dann im kleinen Kreis – inklusive Fäbu – noch in einen Club.» (ruk)


Derek Roy feiert den entscheidenden Treffer zum 3:2. Foto: Keystone

Marco Bührer, Meistergoalie: «Es war nicht das Gleiche»

«Ich verbrachte die Stunden vor dem Spiel zusammen mit Chuck Kobasew, der ja auch verletzt war. Wir waren mit dem Zug nach Lugano gereist und hatten irgendwo am See zu Abend gegessen. Als wir fertig waren, merkten wir, dass es bis zum Stadion zu weit war, um zu Fuss zu gehen. Also machten wir Autostopp. Eine freundliche Tessinerin nahm uns mit. Sie wusste wohl nicht, dass sie verletzte Spieler des Gegners zum Spiel fuhr.

Das Ganze war schon sehr speziell. Auf der Tribüne sassen wir inmitten heissblütiger Lugano-Fans. Bei Torerfolgen haben wir kurz die Faust geballt und uns dann wieder schön ruhig hingesetzt. Ich hatte, ganz ehrlich, nie Zweifel, dass wir dieses Spiel gewinnen würden. Nach dem Treffer von Derek Roy war dann alles klar. Sicher, auch ich gehörte zu dieser Meistermannschaft. Ich habe in dieser Saison ja auch noch gespielt. Aber natürlich war es nicht das Gleiche wie bei den anderen Titeln. Wegen der Verletzung war mein Anteil diesmal viel kleiner.

Nach dem Spiel ging ich in die Garderobe, um den Jungs zu gratulieren. Und dann blieb ich einfach sitzen, irgendwie schaffte ich es nicht, aufs Eis zu gehen und mich feiern zu lassen. Erst als mich Sportchef Alex Chatelain zum zehnten Mal dazu aufgefordert hatte, ging ich doch noch raus.

Als der öffentliche Teil vorüber war, war es dann wie immer. Ich feierte mit dem Team in die Nacht hinein, und das habe ich auch sehr genossen.» (dst)


Der Bieler Neel Jani (rechts aussen) stemmt in Le Mans den prestigeträchtigen Pokal in die Höhe. zvg

Sébastien Buemi, Rennfahrer: «Neel machte keine Fehler»

«Neel war die ganze Saison wirklich gut, deshalb gönne ich ihm den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans und natürlich den Weltmeistertitel, obwohl es sehr hart für mich ist, was in Frankreich passiert ist.

Le Mans kann ich so schnell nicht vergessen. Wir bei Toyota hatten einen schwierigen Start ins Rennen, kämpften uns aber Runde für Runde nach vorne. Neel und Porsche hatten einen Platten erlitten, kurz vor Schluss hatten wir deshalb fast anderthalb Minuten Vorsprung. Da war ich mir eigentlich sicher, dass es klappen würde mit unserem ersten Sieg. Ich war in unserer Box vor dem TV und hatte den Funk im Ohr, als ich hörte, dass mein Teamkollege Nakajima Probleme bekundete und ‹Ich habe keinen Antrieb mehr!› an uns funkte. Neel, der ein super Rennen zeigte, überholte ihn daraufhin, etwa drei Minuten vor Schluss war das, so kurz vor dem Ziel. Nach 23 Stunden und 57 Minuten! Ich weiss nicht mehr, was mir da durch den Kopf ging, aber ich habe immer noch Mühe, es zu akzeptieren. Es tut wirklich sehr weh. Ich werde dieses Rennen dereinst gewinnen müssen, um mit dieser Geschichte abzuschliessen. Das ist einer meiner grossen Träume. Deshalb freue ich mich bereits jetzt darauf, im Sommer dorthin zurückzukehren.

Neel hatte kein einfaches Jahr, sein Team hatte immer wieder kleine Probleme und Pech, seine beiden Teamkollegen waren zudem nicht immer ganz so schnell. Aber er machte einen tollen Job, sein Sieg in Le Mans war absolut verdient. Er hat in jenem Rennen keine Fehler gemacht. Ich freue mich für ihn über seine Erfolge, sie sind grossartig.» (dgr)

Der Bund

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